Das Traineramt als Leidenschaft Lotte-Coach Drube ist ein akribisch arbeitender Taktiker

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Ein ständiger Begleiter: SFL-Trainer Nils Drube feilt an seiner Taktiktafel, um sein Team optimal vorzubereiten. Foto: Helmut KemmeEin ständiger Begleiter: SFL-Trainer Nils Drube feilt an seiner Taktiktafel, um sein Team optimal vorzubereiten. Foto: Helmut Kemme 

Lotte.. Vor knapp einer Woche hat Coach Nils Drube die Sportfreunde Lotte übernommen und gleich in seinem ersten Spiel einen 3:1-Sieg beim Karlsruher SC eingefahren. Für den Fußballlehrer ist das Engagement am Lotter Sportpark erst die zweite Station als Trainer einer Herrenmannschaft. Davor sammelte der 40-Jährige viele Jahre Erfahrungen im Jugendbereich. Ein Utensil hat Drube immer dabei – seine Taktiktafel.

Als Drube am Donnerstag der vergangenen Woche seine erste Trainingseinheit im Lotter Hambrink-Stadion leitete, durfte seine Tafel nicht fehlen. Der SFL-Trainer legt bei seiner Arbeit großen Wert auf das Taktische. "Das hat mich damals schon sehr interessiert. Ich fand es immer spannend, hinter die Fassaden zu gucken und Trainingsabläufe zu verstehen", sagt der 40-Jährige.

Seine ersten fußballerischen Schritte machte der in Münster aufgewachsene Drube in seinem Heimatverein Westfalia Kinderhaus. In dem im Norden gelegenen Stadtteilclub durchlief er alle Jugendmannschaften und  entwickelte dort seine Leidenschaft für den Fußball.  "Es ist ein familiärer und multikulturell geprägter Verein", sagt der Lotter Coach, dem Sozialkompetenz und Empathie extrem wichtig sind. "Das habe ich dort sozusagen in die Wiege gelegt bekommen." Nach dem Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Münster leistete er Zivildienst und machte parallel dazu mit der Übungsleiterlizenz seinen ersten Trainerschein. "Ich habe während meiner aktiven Laufbahn bei Westfalia Kinderhaus die Mini-Kicker und eine Seniorenmannschaft trainiert. An den Wurzeln habe ich so die Leidenschaft für das Coaching entdeckt", sagt Drube. (Weiterlesen: SF Lotte: Drubes Änderung tragen Früchte)

3. Liga als Sprungbrett?

Nachdem der 40-Jährige in der Saison 2005/06 die erste Mannschaft seines Heimatvereins trainiert hatte, zog es ihn in den Jugendbereich. Bei Preußen Münster coachte Drube von 2006 bis 2007 die U16, danach vier Jahre lang die U17 und schließlich bis zum Sommer 2012 die U19. Zudem unterstützte er den damaligen Cheftrainer der Adlerträger, Pavel Dotchev, in der Rückrunde der Spielzeit 2011/12 für 18 Spiele als Co-Trainer, in Personalunion als Coach der A-Junioren. "Danach ging es in die große Welt", spricht Drube seinen Wechsel zu Bayer Leverkusen an.

Beim Werksclub war er zwei Jahre lang für die U19 verantwortlich. Im Sommer 2104 gehörte er zum Trainerteam der Leverkusener Bundesligamannschaft und war Spezialcoach für die Jungprofis. "Das galt für die Spieler, die zwischen der ersten Mannschaft und der U19 gependelt sind", sagt Drube, der für die individuelle Förderung der Talente zuständig war. In der Zeit arbeitete unter anderen mit Benjamin Henrichs zusammen, der Ende August einen Fünfjahresvertrag beim französischen Club AS Monaco unterschrieben hat. Auch der Leverkusener Kai Havertz, der jetzt erstmals für Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft nominiert wurde, sowie Lukas Boeder (SC Paderborn) und Jonas Meffert (Holstein Kiel) gehörten zu seinen Schützlingen.

Im Sommer 2015 fing Drube im Lizenz-Scouting von Bayer an. Daneben absolvierte er unter anderen mit den den jetzigen Drittliga-Trainern Daniel Thioune (VfL Osnabrück), Marco Antwerpen (Preußen Münster), Mark Zimmermann (Carl Zeiss Jena) und Argirios Giannikis (VfR Aalen) 2016 die Ausbildung zum Fußballlehrer an der Sportschule in Hennef. Für seine Kollegen und für Drube ist der aktuelle Posten in der 3. Liga die erste Station im Profi-Bereich. Das ist ein Trend, der sich schon bei anderen Coaches wie zum Beispiel Heiko Herrlich oder Florian Kohfeldt abzeichnete. Sie nutzten die dritthöchste Spielklasse als Sprungbrett für höhere Aufgaben.

"Alles auf die Karte Fußball gesetzt"

Bevor es den 40-Jährigen zu den Sportfreunden verschlug, arbeitete er noch selbstständig als Individualtrainer auf Honorarbasis und führte zudem Gegneranalysen für verschiedene Vereine durch. Drube ist ein akribisch arbeitender Taktikfuchs, der seine Teams optimal auf den nächsten Gegner vorbereitet. Das, was er sich mit einer Mannschaft in der Woche erarbeitet, will er am Wochenende auf dem Platz umgesetzt sehen. "Das ist der Reiz, der mich antreibt. Ich möchte mich mit meinen Spielern auf ein gemeinsames Ziel einigen", sagt der Lotter Coach. Er unterteilt seine Art, Fußball spielen zu lassen, in vier Bereiche: Das Spiel mit und ohne Ball sowie das Umschaltverhalten bei Ballgewinn und -verlust. "Ich möchte den Spielern einen taktischen Rahmen geben. Ohne Emotionalität, Laufbereitschaft und Teamgedanken als Grundtugenden auf dem Platz geht es aber nicht", sagt Drube, der in Münster Sport und Biologie auf Lehramt studiert hat, seinen Beruf aber nie  ausgeübt hat. "Ich habe alles auf die Karte Fußball gesetzt", sagt Drube. Der Anfang ist gemacht. Und vielleicht kann er das Sprungbrett 3. Liga für sich nutzen – wie schon andere vor ihm.


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