Ein Pokal, der keiner mehr ist Osnabrücker-Land: Kreispokalendrunde sorgt für Unverständnis

Kreispokalsieger 2019: Die Mannschaft des SC Rieste. Foto: Stefan GelhotKreispokalsieger 2019: Die Mannschaft des SC Rieste. Foto: Stefan Gelhot

Bad Laer. Der neue Modus im Kreispokal des Osnabrücker Landes ist auf wenig Gegenliebe gestoßen. Spieler, Trainer und Fans fordern eine Abschaffung der erstmals eingeführten Endrunde und eine Rückkehr zum klassischen Endspiel. Wie geht es nun weiter?

Sie streckten die Arme in die Höhe, tanzten minutenlang mit den Fans und jubelten ausgelassen um den Pokal: Die Spieler des SC Rieste haben nach der Meisterschaft in der Kreisliga Nord und dem Aufstieg in die Bezirksliga auch den Kreispokal im Osnabrücker Land gewonnen. In der erstmals getesteten Endrunde – ein Gruppenspielmodus mit vier Teilnehmern ohne echtes Endspiel – setzten sich die Nordkreisler souverän gegen den TuS Hilter und den SV Gehrde durch, mühten sich aber im letzten Spiel gegen den TuS Borgloh zu einem knappen 3:2.

Foto: Stefan Gelhot

„Natürlich freuen wir uns über den Pokalgewinn, das ist ein schönes Gefühl“, sagte Riestes Trainer Thomas Steinkamp, „doch Endspielatmosphäre kommt bei diesem Modus nicht auf. Für mich ist dieses Experiment gescheitert.“ Schon vor dem letzten Gruppenspiel zwischen Hilter und Gehrde stand fest, dass der Sieger im fünften der sechs Spiele zwischen Rieste und Borgloh ermittelt wird, die zuvor beide Partien für sich entscheiden konnten. Das letzte Spiel geriet somit zur Nebensache und war weder für die Spieler noch für den Ausgang des Pokals von Bedeutung. 

Steffen: „Dieser Modus ist totaler Blödsinn“

„Ich weiß nicht, was sich die Funktionäre dabei gedacht haben. Dieser Modus ist totaler Blödsinn“, so Hilter-Coach Björn Steffen. „Wir hoffen, dass es das letzte Mal war. Für so einen Modus fehlt mir jegliches Verständnis.“ Nicht nur die Gruppenspiele über 30 Minuten sorgten beim Hilter für Unverständnis, sondern auch die fehlende Pokalarithmetik, die für zusätzliche Spannung hätte sorgen können. „Nach der Niederlage im ersten Spiel gegen Rieste, war der Pokal für uns gegessen. Klar, wir hatten noch das Derby gegen Borgloh – aber Spannung kommt bei diesem Modus nicht auf.“

Foto: Stefan Gelhot

Selbst unter den 250 Fans auf der Tribüne gab es kaum ein anderes Thema. Von „absolutem Blödsinn“ und „totalem Quatsch“ war die Rede, aber auch von einer Rückkehr zu einem klassischen Pokalfinale über 90 Minuten. Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte, dass das Finale beim letztjährigen Titelträger, dem SV Bad Laer, ausgetragen wurde und nicht auf einem der Plätze der vier teilnehmenden Teams. Insbesondere für Mannschaften und Fans aus dem Nordkreis, sprich von Gehrde und Rieste, bedeutete dies eine lange Anreise ohne das Flair der heimischen Spielstätte. (Lesen Sie auch: Kreispokal Osnabrück-Land – Abschaffung des Endspiels sorgt für Unruhe)

Rückkehr zum Finale möglich

Beim Kreisverband Osnabrück-Land blieb die Kritik nicht unerhört. „Natürlich war es etwas ungewöhnlich, etwas Neues, das gebe ich zu“, sagte Bernd Kettmann, Vorsitzender des Kreisverbands, „aber für uns war es ein Testlauf, ein Versuch.“ Ob der neue Pokalmodus auch im kommenden Jahr zum Einsatz kommt sei noch nicht geklärt, so Kettmann. „Wir werden in den nächsten Wochen mit den Vereinen sprechen und dann eine Entscheidung treffen. Wenn die Vereine tatsächlich wegwollen von der Endrunde ist das für uns kein Problem“, sagt der Vorsitzende.

Eine Lösung zwischen Verband und Vereinen scheint somit möglich und sollte möglichst schnell getroffen werden. Immerhin findet bereits am 27. Juni die Pokalauslosung statt, bis zum 1. Juli muss die Ausschreibung vorgenommen werden, so Kettmann. Für die Teilnehmer ist das Ziel klar: „Wir als Mannschaft wollen ein Endspiel über 90 Minuten und eine Rückkehr zum klassischen Pokalrhythmus“, erklärt Henrik Meyer zu Allendorf, Borglohs Kapitän. „Wir hatten zwar im Spiel gegen Rieste unser eigenes Finale. Wenn man dann aber das letzte Spiel zwischen Hilter und Gehrde sieht, in dem es um nichts mehr geht, ist das einfach schade.“

Umkämpftes Spiel: Laurenz Wessel (Rieste, li.) und Ole Hengelbrock (Borgloh) schenken sich nichts. Foto: Stefan Gelhot

Eine andere Idee wäre, das Spiel um Platz drei wegzulassen und das Finale vorzuziehen – oder den Finaltag ansich umzustellen. „Man müsste es schaffen, den Finaltag attraktiver zu machen, um Mannschaften und Fans anderer Vereine abzuholen, indem man zum Beispiel eine gemeinsame Party im Anschluss organisiert, an der alle teilnehmen können“, so Hilter-Trainer Björn Steffen. „Mit diesem Modus und den Partien über 30 Minuten verkommt das Ganze allerdings mehr zu einem Vorbereitungsturnier.“


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