Osnabrückerin tanzt den Walzer Mit glitzernden Rollschuhen zur Weltspitze

Im funkelnden Kleid tritt Lea Kölpin bei internationalen Wettbewerben an. Foto: Gert WestdörpIm funkelnden Kleid tritt Lea Kölpin bei internationalen Wettbewerben an. Foto: Gert Westdörp 

Osnabrück . Auf weißen Rollschuhen mit aufgesteckten Glitzersteinchen dreht Lea Kölpin in der Halle des Gymnasiums in der Wüste ihre Runden. Auch ihr Kleid funkelt vom vielen Strass. Als Solotänzerin nimmt die 16-Jährige an internationalen Wettbewerben teil, ihr Training absolviert sie in Osnabrück und Einbeck.

In der Rollkunstgruppe des OSC springen die jungen Frauen in die Luft und drehen Pirouetten – die Kür. Nicht so Lea Kölpin. Sie hat sich für den Solotanz auf Rollschuhen entschieden. Drehungen deutet sie höchstens an. Wichtiger beim Tanz sind Ausdruck, Ausführung, Gestik und Taktgefühl. 

In Osnabrück ist sie im Moment die einzige Solotänzerin und trainiert darum bei den Kür-Läuferinnen mit. Während ihres Trainings bereitet sich die Osnabrückerin auf das Wettkampfjahr vor. Immer Anfang Januar veröffentlicht der Internationale Rollkunstlauf- und Inline-Verband (World Skate) für jede Altersgruppe zwei Tänze. Walzer und Marsch sind es für 2019. Die Musik ist vorgegeben, ebenso das Spurenbild. Die Sportlerinnen fahren einen Weg ab, der verschiedene Schwierigkeiten enthält – jede den selben. Diesen lernen sie im Training auswendig. 

Zwei Pflichttänze, eine Kür

Bei jedem Wettkampf absolvieren sie zwei Pflichtstücke. Hinzu kommt ein Kürtanz. Hier präsentieren sie eigene Musik und eine eigene Schrittfolge. Kölpins Tanz ist noch im Aufbau. "Es wird französisch", erklärt sie. Ihre Musik kommt von der Nouvelle-Chanson-Sängerin Zaz. Aber Kölpin steckt noch mitten im Training. Einmal in der Woche fährt sie dafür sogar extra nach Einbeck im Landkreis Northeim. Dort übt sie speziell den Solotanz. 

Foto: Gert Westdörp

Insgesamt schnallt sie sich an vier Tagen in der Woche ihre Rollschuhe an. Da sie für ihr Programm weniger springt, benötigt sie keine Schuhe, die besonders hoch geschnitten sind, wie in der Kür, sondern eine spezielle Polsterung am hinteren Teil: dadurch gelingen ihr die Kurven besser.

Foto: Gert Westdörp

Ihre Osnabrücker Trainerin Birgit Schröder unterstreicht, dass gerade der Solotoanz sehr arbeitsintensiv sei. "Man benötigt viel Zeit, um die Ausführung zu perfektionieren", sagt sie. 

Ein neues Jahr bedeutet nicht nur neue Tänze, auch die Kleider werden extra für jede Saison genäht. Das übernehmen talentierte Mütter der Rollschuh-Künstlerinnen. "Da steckt viel Arbeit drin", sagt Elke Kölpin, Leas Mutter. Mittlerweile hat Kölpin einen ganzen Schrank voller Auftrittskleider angesammelt. 

Foto: Gert Westdörp

Ihr Ziel ist in diesem Jahr eine vordere Platzierung bei der Norddeutschen-Meisterschaft. Hier qualifizieren sich die Tänzer für die Deutsche Meisterschaft. "Ich hoffe unter den besten Dreien zu landen", erklärt die Schülerin. Auf internationalem Parkett hat sie in Frankreich 2014 den dritten Platz belegt. Seit sieben Jahren ist Kölpin mit Begeisterung am Rollschuhlaufen. 

Jetzt hat sie sich außerdem einen Platz in der Niedersachsenformation gesichert. Gemeinsam mit den besten Rollschuhkünstlerinnen des Landes tritt sie bei den World Roller Games in Barcelona an und bei der Europa-Meisterschaft in Italien. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN