Was bleibt vom WM-Hype? Osnabrücker Handballvereine werben um Nachwuchs

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Begeisterungsstürme haben die Handball-Männer ausgelöst. Bleibt die Euphorie auch nach der WM? Foto: imago/DeFodiBegeisterungsstürme haben die Handball-Männer ausgelöst. Bleibt die Euphorie auch nach der WM? Foto: imago/DeFodi

Osnabrück. Auch wenn die Handball-WM mit zwei Niederlagen endet, hat die deutsche Nationalmannschaft die Republik begeistert. Die Handball-Vereine der Region sind skeptisch, ob die Basis von dem Hype profitieren kann.

Um die Begeisterung nach der Weltmeisterschaft zu halten, muss an der Basis die Arbeit schon erledigt sein, meint Jürgen Brüggemann, Abteilungsleiter des TV Bissendorf-Holte. „Die Strukturen und das Personal müssen vorhanden sein, damit mehr Handballspieler aufgenommen werden können“, sagt er.

Sein Verein kooperiert seit fast 20 Jahren mit vier Grundschulen. Ehrenamtliche des Vereins bringen Zweitklässlern an zwei Tagen den Handball näher. Am ersten Tag lernen sie das Spiel theoretisch kennen. Am zweiten Tag tragen die Kinder ein Handball-Turnier aus. Seine Erfahrung zeigt: „Die Kinder müssen früh angesprochen werden. In der D-Jugend entscheiden sie sich oft für einen Sport.“ Damit die Entscheidung auf den Handball fällt, legt der TVB Wert auf die Ausbildung von Jugendtrainern. „Wenn jetzt mehr Kinder kommen, haben wir die Trainer“, sieht Brüggemann seinen Verein gerüstet.

Spiele als Event

Beim Triumph der Nationalmannschaft bei der Heim-WM 2007 seien viele Kinder in die F-Jugend des TVB geströmt. Zwischenzeitlich gab es drei Mannschaften. Ein Jahr nach dem Titel im eigenen Land verzeichnete der DHB zwar einen Zuwachs von 23 000 auf 842 000 Mitglieder. Zwischen 2009 und 2018 hat der DHB aber insgesamt wieder 90 000 Mitglieder verloren. Auch in Bissendorf sind es wieder weniger Kinder in der F-Jugend – mit etwa 25 Nachwuchshandballern ist die Zahl aber seit Jahren stabil. „Als Sportverein müssen wir viel bieten, damit Spieler bleiben“, sagt Brüggemann. Der TVB organisiert Spiele der ersten Mannschaft in der Oberliga als Event, die Jugend fährt zum Austausch nach Frankreich oder zum größten Jugendhandballturnier nach Schweden.

Übungsleiter fehlen

Für die Arbeit in den Schulen fehlen bei der HSG Osnabrück zur Zeit die Kapazitäten. Im ersten Halbjahr des Schuljahres boten Übungsleiter an drei Osnabrücker Grundschulen Handball-AGs an und sogar Ballspiele in einer Kindertagesstätte. Diese Nachwuchs-Werbung können die Ehrenamtlichen aber nicht dauerhaft leisten.

Auch wenn ein Fokus auf dem Anwerben von jungen Spielern liegt, muss der Verein den Mannschaften Hallenzeiten gewährleisten können. „Unsere 20 Mannschaften können wir unterbringen, eine weitere wäre problematisch“, sagt HSG-Vorsitzender Mathias Wygold. Die größte Herausforderung des Vereins, der mit 340 Mitgliedern stabil ist, ist die Fluktuation durch die Studenten. Diese müssen sie versuchen auszugleichen.

Mehr Unterstützung des DHB

Ideen des DHB, um den Hype für die Vereine zu nutzen, sieht Wygold kritisch. Der DHB habe unter anderem einen Trikottag vorgeschlagen. Schüler sollen im Handball-Shirt in die Schule gehen, Werbung machen und den besten Kumpel direkt mit zum Training nehmen. „Wir haben niemanden, der diese Aktion mal eben organisieren kann“, bemerkt der Vorsitzende. Dennoch wünscht er sich Strukturen, damit die Basis profitiert. „Der DHB soll nicht die Arbeit der Vereine vor Ort übernehmen, aber ohne Unterstützung geht es nicht.“

Der Vorsitzende der Osnabrücker Handballregion Gerhard Ditz bemerkt, dass die Auslastung der Hallen ein Problem sei.

Auf Strahlkraft setzen

Vom guten Auftritt der Nationalmannschaft zeigt sich Ditz überrascht. „Die Menschen werden mitgezogen. Wie sich das auf die Vereine auswirkt, weiß keiner“, sagt er. Der Bissendorfer Brüggemann setzt auf die Strahlkraft der DHB-Auswahl. „Die Spieler können sich gegenüber den Fußballspielern positiv absetzen, wenn sie weiter erfolgreich sind“, glaubt er. Für die Begeisterung hätte ein WM-Sieg mehr beigetragen, ob jedoch ein vierter Platz reicht, um eine Veränderung in der Basis zu bewirken, wird sich zeigen.


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