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29.11.2018, 05:54 Uhr KOMMENTAR

Gewalt im Amateurfußball: Zieht ihnen Punkte ab

Von Benjamin Kraus


Auch bei den Profis oft im Blickpunkt des Interesses: Die Schiedsrichter. Foto: imago/SimonAuch bei den Profis oft im Blickpunkt des Interesses: Die Schiedsrichter. Foto: imago/Simon

Osnabrück. Im Herbst 2018 hat die Gewaltspirale im Osnabrücker Amateurfußball einen traurigen Höhepunkt erreicht. Oft die Opfer: Die Schiedsrichter. Drastische Maßnahmen gegen die Gewalttäter und Punktabzüge für die beteiligten Vereine, sagt unser Kommentator.

Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Deren Klima ist rauer geworden: Grassierender Egoismus, höherer Leistungsdruck auf der Arbeit, Angst vor sozialem Abstieg, die Dauerpräsenz sozialer Netzwerke, die Beziehungen Tiefe nimmt: All jene Trends können Frustration erzeugen.

Sie taugen aber keinesfalls als alleinige Erklärung oder gar zur Relativierung jener Gewaltexzesse, die wir aktuell auf den Fußballplätzen erleben. Die sich auch nie entschuldigen lässt durch die Dynamik eines Spiels, dessen Akteure Rückschläge erleben.

Wer – auch als Reaktion auf Frust – Gewalt akzeptiert, goutiert oder gar ausübt, überschreitet eine rote Linie. Das muss jedem klar sein, der Fußball spielt, jedem, der in unserer zivilisierten Gesellschaft lebt. Keine Fehlentscheidung dieser Welt rechtfertigt eine Abkehr von diesem unverrückbaren Grundsatz.

Lebenslange Sperren für Gewalttäter sind daher ebenso richtig wie die Einleitung weiterer Maßnahmen durch den Verband. Eine weitere Idee: die mögliche Etablierung von Punktabzügen für Amateurfußballteams, deren Spieler den Referee tätlich angreifen – und sich davon aktuell weder durch Geldstrafen noch lange Sperren abschrecken lassen.

Eine solche Kollektivstrafe träfe auch jene, die eine Attacke nicht verhindert oder stillschweigend hingenommen haben. Sie nähme jeden Fußballer in die Verantwortung, auf bekannte Problemspieler im eigenen Team zu achten. Und damit für eine Kultur des friedlichen Wettstreits zu sorgen, die selbstverständlich sein sollte.


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