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Zwei Spieler vor lebenslanger Sperre Gewalt gegen Schiedsrichter: Heftig wie nie im Osnabrücker Amateurfußball

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Symbolfoto: Colourbox.deSymbolfoto: Colourbox.de

Osnabrück. Kopfstöße und Hetzjagden auf Schiedsrichter, Verletzungen nach Faustschlägen, Spielabbrüche, folgende Höchststrafen für Sportler bis zum Antrag auf lebenslangen Ausschluss: Im Herbst 2018 hat die Gewaltspirale im Osnabrücker Amateurfußball einen traurigen Höhepunkt erreicht.

"So heftig wie in den letzten Wochen war es in der Tat noch nie“, sagt Frank Schmidt als Vorsitzender des Fußballkreises Osnabrück-Stadt – und spricht damit auch für seinen Kollegen Bernd Kettmann im Landkreis. Lange hatte man sich im Raum Osnabrück auf einer „Insel der Glückseligen“ (Schmidt) gewähnt – und mit Erstaunen und Entsetzen die Schlagzeilen aus anderen Kreisen gelesen. Etwa jene zu sieben tätlichen Angriffen auf Schiedsrichter seit Sommer im Kreis Bielefeld, in dem kürzlich an einem einzigen Wochenende vier Fußballspiele abgebrochen werden mussten. Inzwischen aber hat das Problem die eigene Szene erreicht – in einem nie gekannten Ausmaß.

Einige Beispiele

Beispiele der letzten Monate aus dem Stadtkreis ohne Anspruch auf Vollständigkeit: In einem Kreisligaspiel streckt ein Spieler des SV Kosova nach einem verbalen Disput einen Mitspieler (!) per Faustschlag zu Boden. Später verschickt er eine nun in der Szene kursierende Handy-Sprachnachricht, in der er ohne Reue, dafür aber mit viel Krawall-Pathos erklärt, warum er seinem Kollegen die „linke Bombe“ gegeben hat. Urteil des Sportgerichts: 100 Euro Strafe für den Verein, Sperre des Spielers bis Saisonende.

Mehrere Vorfälle sind aus der 1. Kreisklasse dokumentiert: Erst tritt ein Fußballer von BW Schinkel II während der Partie einen bereits am Boden liegenden OSC-Spieler. Resultat: Rauswurf des Spielers aus dem Club, 12 Monate Sperre durch das Sportgericht. Dann sorgen Chaoten bei der Spvg. Haste für Jagdszenen gegen den Referee bei der Partie gegen Rasensport II nach dem Tor der Gäste zum 3:1. Es folgen ein Polizeieinsatz, der Spielabbruch und folgendes Sportgerichtsurteil: Über 300 Euro Strafe für die Spvg. Haste, dazu Drei-Monats-Sperren für zwei an den Jagdszenen beteiligte Haster Spieler.

Der wohl krasseste Fall ereignete sich beim Gastspiel von Ballsport Eversburg bei Dodesheide III: Angesichts einer Eckball-Abstoß-Entscheidung weitab von spielentscheidender Relevanz vor der Pause beim Stand von 1:0 brannten einem Gästespieler die Sicherungen durch: Er attackierte den Schiedsrichter mit einem Kopfstoß. Der Kicker war bereits in der Vergangenheit durch Gewaltausfälle aufgefallen. Deshalb soll er nun lebenslang vom organisierten Fußball ausgeschlossen werden – die Entscheidung steht aktuell noch aus, weil sie nur das Präsidium des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) fällen kann, das im Dezember tagt.

Abbruch sorgt für Aufsehen

Auch im Landkreis sorgte vor sechs Wochen ein Spielabbruch für Aufsehen: Bei der Partie Melle Türkspor gegen SuS Buer beschwerte sich Melles Torwart beim Schiedsrichter über die angeblich geringe Entfernung des Balles zum Tor bei einem Elfmeter. Dafür sah er erst Gelb, dann Rot – und attackierte daraufhin den Referee. Er traktierte den Schiedsrichter mit Schlägen so stark, dass dieser noch immer krankgeschrieben ist – Spätfolgen psychischer Art sind noch nicht absehbar. Der Unparteiische hat Strafanzeige gestellt und Ziviklage eingereicht, das Sportgericht peilt wegen als erwiesen angesehenen Tätlichkeiten, Beleidigungen und Bedrohungen des Torwarts nach der vorläufigen Verhängung einer zwölfmonatigen Sperre ebenfalls die Höchststrafe an: den lebenslangen Ausschluss des Keepers.

In den sozialen Netzwerken sorgte ein weiterer, auf Video dokumentierter Fall aus der 3. Kreisklasse für Aufsehen: Bei der Partie Viktoria GMHütte IV gegen SV Ohrbeck II gab es eine Rudelbildung, die sich bereits aufzulösen schien – als sich ein von Teamkollegen weggeführter Gästespieler losriss, auf einen GMHütter zusprintete und diesen per Faustschlag zu Boden streckte. Weil sich der Ohrbecker geständig zeigte, erhielt er „nur“ eine fünfmonatige Sperre neben einer kleinen Geldstrafe.

„Wir müssen allen klarmachen: Der Fußballplatz ist kein rechtsfreier Raum. Deshalb bieten wir Betroffenen juristische Hilfe an beim Erstatten von Strafanzeigen gegen die Täter“, sagt Stadtfußball-Chef Schmidt, der auch im NFV-Präsidium sitzt. Jüngst hatte er bei einem Lehrabend von den Schiedsrichtern die Klage vernommen, dass Ärger oftmals von denselben Vereinen ausgehe – und daraufhin angekündigt, das Gespräch mit den im Fokus stehenden Clubs zu suchen. Gleiches kündigte Kettmann für den Landkreis an.

Begrenzte Möglichkeiten des Verbands

Ferner skizzierte Schmidt Maßnahmen, die der NfV landesweit einleiten will: Die Schaffung eines Täter-Opfer- Ausgleichs im Fußball analog zum Strafrecht, die Etablierung von ehrenamtlich tätigen Konfliktmanagern in jedem Spielkreis und die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle zum Thema Gewalt und Diskriminierung für Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre. „Wir wollen unsere Vereine so gut wie möglich unterstützen. Letztlich liegt es aber immer in der Hand jedes Einzelnen, was auf dem Platz passiert“, weiß Schmidt um die begrenzten Möglichkeiten des Verbands.

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