Nachwuchsproblem auch beim SV Wissingen Beim Tischtennis gibt es so wenig Frauen wie beim Boxen

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Nur wenige Frauen legen im Tischtennis den Fokus auf die Wettkämpfe. Eine von ihnen ist Naomie Wösten, die beim SV Wissingen auch den Nachwuchs trainiert. Foto: Bene NintemannNur wenige Frauen legen im Tischtennis den Fokus auf die Wettkämpfe. Eine von ihnen ist Naomie Wösten, die beim SV Wissingen auch den Nachwuchs trainiert. Foto: Bene Nintemann

Bissendorf. Schwimmen, Volleyball, Turnen, Reiten, Eisschnelllauf – sie haben Tischtennis eins voraus. Sie sind beliebt bei Frauen. Dabei sind die die Voraussetzungen beim Tischtennis für beide Geschlechter gleich.

Der Anteil der Frauen im Tischtennis liegt bei nur 20 Prozent. Das ist vergleichbar mit Boxen und ist nur noch beim Eishockey, Soft-/Baseball und Fußball geringer. Das geht aus einer Erhebung des DOSB für dem Jahr 2017 hervor. Bei den körperlichen Sportarten lässt sich der Unterschied erklären. 

Beim Tischtennis stehen Funktionäre und Trainer dagegen vor einem Rätsel. „Die Sportart bietet perfekte Bedingungen für beide Geschlechter“, betont Udo Sialino vom Tischtennis-Verband Niedersachsen (TTVN). Seit den 90er-Jahren suche der Verband nach Ursachen. 

Lücke klafft schon im Schülerbereich

Die Lücke klafft in allen Altersklassen, bei den Sieben- bis 14-Jährigen liegt der Anteil schon bei 23,5 Prozent. Dass bei Mädchen das Konkurrenzdenken geringer ausgeprägt ist, gilt allerdings nicht nur im Tischtennis. 

Allgemein beträgt der Frauenanteil der olympischen Spitzenverbände 39 Prozent. Die Verbände fordern, sich mehr auf Mädchen einzustellen. Die Verbände fordern, sich mehr auf Mädchen einzustellen. Der Deutsche Tischtennisbund (DTTB) hat etwa Standards zur Förderung von jungen Frauen und Mädchen erarbeitet. 

Wissingens Abteilungsleiterin Sabine Kameier und ihr Mann Lutz gehören zu den sechs Tischtennistrainern. Foto: David Ebener

Es stimme, dass man sich um Mädchen mehr kümmern müsse und sie auch über Privates mit den Trainern reden wollen, berichtet Sabine Kameier, Abteilungsleiterin des SV Wissingen. Beim Training selbst gebe es aber kaum Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Vorbilder sind wichtig, in Wissingen gibt es sowohl drei männliche als auch weibliche Trainer. 

Aber auch die Medien sollten ihren Teil beitragen. „Einen Timo Boll kennt jeder“, bemängelt Trainerin Naomie Wösten, dass vornehmlich über Männer berichtet wird. Kristin Lang, eine der erfolgreichsten deutschen Spielerinnen, sei dagegen unbekannt.

Trotz Erfolg ist die Tischtennisspielerin Kristin Lang relativ unbekannt. "Bei Männern wird sofort berichtet", sagt Naomie Wösten. Foto: imago/Volkmann

Das gemischte, offene Training am Montagabend hat sich bewährt. „Es ist normal, dass es hier so voll ist“, sagt Kameier. Dann sind alle 16 Tische belegt, Alt spielt gegen Jung, Frauen gegen Männer. Wissingen sei mit sieben Frauenmannschaften der stärkste Verein im Bezirk, erklärt die Trainerin stolz. 

Zu geringe Anmeldungen für Kreismeisterschaft

Der Frauenmangel hat zur Folge, dass auf Kreisebene die Damenwertung nicht ausgespielt wird. Die Sportlerinnen sind automatisch für die Bezirksmeisterschaft qualifiziert, die Anmeldungen für die Kreismeisterschaft bleiben aus. Das sei seit Jahren so, bestätigt Kameier. 

Außerdem wurde die Spielklasse der Damen auf Turnieren für Jugendspielerinnen geöffnet. In der Paarung steht dann eine 25-Jährige einer 15-Jährigen gegenüber. Unter der Öffnung leide das Niveau erheblich, betont Wösten. 

Lieber Mannschaft statt Einzel

Mit ihren 22 gehöre sie eher zu den älteren Spielerinnen, erzählt Vereinskameradin Maike Niewöhner. Statt Einzel spielt sie inzwischen lieber in der Mannschaft: "Wenn man zusammen gewinnt oder auch verliert, finde ich es spannender." Bei der Jugend wiederum kämpften früher zwölf Mannschaften in der Niedersachsenliga, heute sei es eine Meldeliga mit nur noch fünf Teams. 

Es gelte die Mädchen bei der Stange zu halten. „Wenn sie 18 sind, bleiben sie meistens“, so die Erfahrung. Ein heikler Zeitpunkt sei die Pubertät. In der aktuellen Saison stellt Wissingen nur noch eine Schülerinnenmannschaft, zuvor gab es jeweils drei Mannschaften in der Jugend weiblich und den Schülerinnen. „Zehn Jahre Arbeit sind umsonst“, klagt Wösten. 

Vereine bemühen sich um leichten Einstieg

An sich ist der Einstieg einfach, die meisten Vereine stellen sogar Tischtennisschläger. Um den Ball jedoch bewusst spielen zu können, bedarf es Technik und notwendige Koordination, erklärt Danja Henschen vom SV Oldendorf. „Es dauert ein bisschen, bis man es kann“, gibt die Damenwartin des Kreisverbands Osnabrück-Land zu Bedenken. Daher fangen die meisten Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren mit dem Training an. Dann haben sie aber oft schon andere Hobbys.

Die Wahl fällt schwer. „Jungs sind fokussierter“, berichtet Wösten. Mädchen reagieren dagegen sensibel auf die Eltern. Dabei gebe es keinen Grund zu grübeln oder großer Fürsorge. Beim Reiten oder Tennis, die teurer und prestigeträchtiger sind, ließen die Eltern nicht so schnell aufgeben. Wöstens Wunsch: „Lasst sie doch einfach mal spielen.“


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