NOZ-Redakteur im Golf-Selbstversuch Auf der Suche nach dem richtigen Schwung

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Auf die Haltung kommt es an: Headprofessional Steve Taylor (links) korrigiert beim Abschlag auf der Driving Range des Golfclub Varus. Foto: David EbenerAuf die Haltung kommt es an: Headprofessional Steve Taylor (links) korrigiert beim Abschlag auf der Driving Range des Golfclub Varus. Foto: David Ebener

Ostercappeln. Es gibt Termine im Leben eines Reporters, die im persönlichen Umfeld mehr Aufmerksamkeit erzeugen als andere. Als ich Freunden und Kollegen erzähle, dass ich beruflich Golf spielen gehe, treibt irgendwie alle nur eine Frage um: „Golf, ist das denn überhaupt ein Sport?“ Die Antwort auf diese Frage finde ich im Selbstversuch auf dem Platz des Golfclubs Varus in Ostercappeln-Venne.

Wohl kaum ein Sport ist so klischeebehaftet wie das Golfen. Elitär sei es, furchtbar teuer und eigentlich auch ziemlich langweilig. Meine Erfahrung mit Schläger und weißem Ball beschränkte sich bisher auf eine Proberunde während eines USA-Aufenthaltes. Das ist allerdings schon 18 Jahre her. Entsprechend trete ich als blutiger Anfänger an.

Erste Schläge auf der Driving Range

Rund 650.000 Menschen spielen in Deutschland Golf, rund um Osnabrück gibt es sechs Plätze. Einer von ihnen gehört zum Golfclub Varus, der sich damit rühmt, der einzige 18-Loch-Golfplatz Deutschlands zu sein, bei dem auf einem historischen Schlachtfeld gespielt wird. Der Museumspark Kalkriese liegt direkt um die Ecke, und später werden mich meine Versuche am Schläger durchaus an eine Schlacht erinnern – Golf ist nicht gerade einfach, so viel sei schon einmal gesagt.


NOZ-Sportredakteur und Golf-Neuling Malte Schlaack (rechts) macht erste Erfahrungen auf dem Grün des Golfclub Varus in Ostercappeln. Foto: David Ebener


Mein persönlicher Golftag beginnt wie für alle Anfänger auf der Driving Range. Hier geht es nicht darum, den Ball möglichst schnell im Loch unterzubringen, sondern erst einmal nur um den richtigen Abschlag. Club-Präsident Martin Garthaus empfängt mich gemeinsam mit Pressewart Marco Ossenschmidt und „Pro“ Steve Taylor. Letztgenannter ist der Haupttrainer bei Varus und zunächst einmal meine wichtigste Bezugsperson.


"Entscheidend ist der Schwung"Golfspieler Steve Taylor

Eine Sache habe ich von meiner ersten Golfrunde noch in Erinnerung: Mit Kraft erreicht man beim Abschlag eigentlich gar nichts. Steve – im Golfsport duzt man sich erfreulicherweise für gewöhnlich – stimmt mir zu. „Entscheidend ist der Schwung“, erklärt mir der gebürtige Brite. Es ist aber bei Weitem nicht das Einzige, auf das es zu achten gilt. 


Zunächst wird der Abschlag geübt. Foto: David Ebener


Die Füße knapp schulterbreit, Position leicht zurückgelehnt, die Hände knapp übereinander am Schläger und dann die Schulter richtig drehen – das alles am besten, bevor man ausholt. Dann müssen die Handgelenke locker gelassen werden und vor allem: Den Blick immer auf den Ball richten. Das sind ziemlich viele Informationen und Anweisungen auf einmal, und so geht der erste Schwung wenig elegant einfach am Ball vorbei.

Golf ist kein günstiger Sport

Steve ist allerdings ein erfahrener Coach und sieht sofort, wo die Fehler liegen. Er korrigiert, und bald stellen sich die ersten Erfolge ein. Es ist tatsächlich so. Je besser der Schwung ist, desto besser trifft man den Ball, fast ohne Kraft. Das spürt, hört und sieht man im Ergebnis. Wie einst bei Tiger Woods oder dem deutschen Topspieler Martin Kaymer sieht es bei mir nicht aus, aber es macht richtig Spaß.

Sicher, Golf ist kein günstiger Sport, mit dem man einfach so anfängt. Früher war es üblich, dass man eine recht hohe Aufnahmegebühr zahlen muss, um erst einmal in einem Golfclub aufgenommen zu werden. Diese Zeiten sind in den meisten Vereinen lange vorbei, ohne Weiteres kommt man dennoch nicht auf den Platz. Um überhaupt 18 Loch spielen zu dürfen, benötigt man die sogenannte Platzreife. Diese bekommt man über verpflichtende Übungsstunden bei einem „Pro“. Hinzu kommen das Schlägerset und die weitere Ausstattung, bei der man sich finanziell zügeln und loslassen kann, sowie der Mitgliedsbeitrag im Club. Rund 1000 Euro im Jahr kommen so schnell zusammen, allerdings hat ein Platz eben auch an jedem Tag geöffnet. Viele Clubs bieten außerdem Schnupperangebote und haben Übungsplätze, damit man ein Gefühl für den Sport bekommt.


"Im Vorfeld habe ich mir schon Gedanken über den richtigen Dresscode gemacht."NOZ-Redakteur Malte Schlaack


Ich darf, obwohl weit von der Platzreife entfernt, nach einer intensiven Übungseinheit mit auf den Platz. Im Golfcart drehen wir erst einmal eine Runde, und Martin Garthaus zeigt mir die schöne Anlage. Dabei kann der Präsident gleich mit einem weiteren Vorurteil aufräumen. „Bei uns ist Golf nicht Schicki-Micki. Wir sind bodenständig und freuen uns immer über nette Leute, die hier spielen wollen.“ Ich gebe zu, dass ich mir im Vorfeld schon Gedanken über den richtigen Dresscode gemacht habe. Auch hier kann Garthaus mich beruhigen. Eine kurze Hose ist zum Beispiel im Sommer gar kein Problem, über die Knie sollte sie allerdings schon gehen.


NOZ-Sportredakteur und Golf-Neuling Malte Schlaack darf auf den Platz. Foto: David Ebener


Spielt man 18 Loch, ist man ungefähr dreieinhalb bis vier Stunden unterwegs und läuft in dieser Zeit rund zehn Kilometer. Das ist nicht mit einem Marathon zu vergleichen, eine sportliche Leistung ist es aber natürlich dennoch. In meinem Fall beschränken wir uns erst einmal auf die ersten drei Löcher – das dauert schon lange genug.

Als Highlight ein "Chip in"

Es ist noch einmal was ganz anderes, auf einem richtigen Platz zu spielen und das Putting Green als Ziel zu haben. Hier kann ich aufgrund einiger Erfahrungen beim Minigolf ein bisschen Vorwissen einbringen. Als Lohn gibt es am Ende immer das herrlich klackernde Geräusch, wenn der Ball ins Loch fällt, das ich bisher nur aus Computersimulationen kannte.


NOZ-Sportredakteur und Golf-Neuling Malte Schlaack auf dem Grün des Golfclub Varus in Ostercappeln. Foto: David Ebener


Ein echtes Highlight hält der Tag für mich dann auch noch bereit. An Loch zwei liegt der Ball kurz vor dem Grün, also noch zu weit weg, um zu putten. Ich versuche, ihn möglichst nah an die Fahne zu spielen, und siehe da, er hoppelt tatsächlich ins Loch. Mir ist ein sogenannter „Chip in“ gelungen, wie mir anerkennend erklärt wird.


"Golf ist Sport – und zwar ein ziemlich spannender. Ganz ohne Schicki-Micki."NOZ-Redakteur Malte Schlaack


Es sind wahrscheinlich auch diese kleinen Erfolge, die aus einem Golfinteressierten einen Golfer werden lassen. So weit bin ich zwar noch nicht, aber ich muss Steve Taylor recht geben. „Du kommst bald wieder“, hatte der Trainer schon auf der Driving Range prognostiziert. Somit kann ich auch die eingangs gestellte Frage beantworten, ob Golf überhaupt ein Sport ist. Ist es – und zwar ein ziemlich spannender. Ganz ohne Schicki-Micki.


Redakteur Malte Schlaack war angetan von seiner echten Premiere auf dem Golfplatz. Allerdings verging zwischen der Übungseinheit und dem Erscheinen dieses Textes recht viel Zeit. Aus der Not machte er eine Tugend und spielte zum Verfestigen der Eindrücke noch eine weitere kleine Runde. Dabei durfte er sogar ein echtes Naturschauspiel erleben. Auf dem Feld neben dem Golfplatz entstand eine respektable Windhose, die zwar nicht gefährlich wurde, den Greenkeepern des Platzes aber dennoch einiges Kopfzerbrechen bereitet haben dürfte. Das aufgewirbelte Stroh verteilte sich jedenfalls weit über den Platz.

Fotograf David Ebener neigt manchmal zur Selbstüberschätzung. Doch bei den ersten Versuchen auf der Driving Range zeigten sich die gestandenen Golfer derart beeindruckt ob der gefühl- und gleichzeitig kraftvollen Abschläge des Anfängers, dass der Fotograf sich nicht mehr sicher war, ob er schon bald gegen Kaymer und Co. die Greens dieser Welt bespielen wird, oder man nur äußerst geschickt neue Mitglieder für den Verein anwirbt. Wie auch immer – er kommt zurück auf den Golfplatz.

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