Gebürtige Osnabrücker Ehepaar betreut seit 26 Jahren die Ballkinder der Gerry Weber Open

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Annette und Wolfgang Ackermann betreuen seit Beginn der Gerry Weber Open die Ballkinder. Foto: Helmut KemmeAnnette und Wolfgang Ackermann betreuen seit Beginn der Gerry Weber Open die Ballkinder. Foto: Helmut Kemme

Halle. 70 Ballkinder sind bei den Gerry Weber Open im Einsatz. Seit 26 Jahren bereiten Annette und Wolfgang Ackermann die Kinder auf ihre Aufgabe vor, zu der mehr gehört, als nur Bälle einzusammeln.

Weiße Schuhkartons stapeln sich auf einem Tisch. Gegenüber stehen große braune Kartons, gefüllt mit ordentlich verpackten, blauen Poloshirts. Am Fenster, aus dem das Gerry Weber Stadion in einiger Entfernung zu sehen ist, stehen aneinandergereiht weiße Papiertüten mit Namen beschriftet. Annette und Wolfgang Ackermann haben sie in dem Rückzugsraum für Ballkinder abseits des Stadions gefüllt. Jedes Kind erhält eine Tüte mit dem Equipment für die Gerry Weber Open, die am Samstag starten. 

„Die neuen Ballkinder sind immer unheimlich nervös.“Annette Ackermann

Noch ruht der Raum. In der Turnierwoche tummeln sich hier bis zu 70 Ballkinder gleichzeitig. Sie machen Hausaufgaben, spielen Kartenspiele oder daddeln am Handy – und warten auf ihren Einsatz an den Plätzen. Die gebürtigen Osnabrücker Annette und Wolfgang Ackermann betreuen seit 26 Jahren die Ballkinder während des Turniers. Mit großer Vorfreude erzählt das Ehepaar von seinem Einsatz vor und während der 26. Auflage des Turniers. 

„Die neuen Ballkinder sind immer unheimlich nervös“, sagt Annette Ackermann. Tausende Zuschauer, die Hitze und dann noch prominente Spieler: Da komme für die Kinder, die jüngsten sind zwölf, die ältesten 16 Jahre alt, einiges zusammen. Darauf zu achten, dass die jungen Helfer genug essen und trinken, ist eine der Aufgaben der Ackermanns. Einmal sei ein Kind umgekippt, da hätten sich zwei ausländische Profis schon um das Kind gekümmert, ehe sie da gewesen sei, erinnert sich Annette Ackermann an eins von zahlreichen Erlebnissen aus mehr als zweieinhalb Jahrzehnten Gerry Weber Open.

Annette und Wolfgang Ackermann bereiten die Ballkinder im Ruheraum abseits des Stadions vor. Foto: Helmut Kemme

Jedes Jahr springen Kinder ab, dafür rücken neue nach. Inzwischen hat die 62-Jährige eine ellenlange Warteliste mit Kindern, die gerne am Spielfeldrand stehen würden. Die Lehrerin war selbst als Mutter eines Ballkindes Anfang der 90er-Jahre vor Ort. Weil die Betreuung der Kinder eher nachlässig organisiert gewesen sei, sprang die 62-Jährige ein und intensivierte die Versorgung und Vorbereitung.

„Federer ist da ein Paradebeispiel.“Annette Ackermann über Spieler, die Ballkindern positiv zugewandt sind

Das Paar, das in Halle lebt, sucht die Bewerber aus. Voraussetzung ist die Mitgliedschaft in einem Tennisclub. Es würde nur Sinn ergeben, Kinder zu nehmen, die den Sport und die Regeln genauestens kennen. Auch einige Kinder aus dem Osnabrücker Raum seien jedes Jahr dabei. 

Gehört auch zum Job der Ballkinder: das Reichen der Handtücher für Stars wie Roger Federer. Foto: dpa/Bernd Thissen

Vor ihrem ersten Einsatz beim Turnier bereiten die Eheleute Ackermann die Kinder intensiv vor. Neben Theoriestunden lernen die Neuen ihre Aufgaben beim Training mit Amateurspielern in Halle. „Ihren ersten ‚professionellen‘ Einsatz haben sie dann bei Medenspielen im Mai“, sagt Annette Ackermann. Nicht nur Bälle zu holen und Spieler mit Bällen zu bedienen müssen die Bewerber beherrschen, auch das Handtuch zu reichen oder den Schirm zu halten werde geübt. 

Beim Turnier müssen sie die Aufgaben fehlerfrei bewältigen, denn in Aktion werden die Kinder genau beobachtet: Sowohl die Ackermanns als auch der Schiedsrichter bewerten streng die Leistungen der Ballkinder während des Spiels. Nur wer sich gut schlägt, darf weiter dabei sein. „Es gibt immer mal wieder richtige Talente, die sind neu dabei, und schaffen es trotzdem bis ins Finale“, sagt Annette Ackermann. „Einer hat es geschafft und sitzt heute als Schiedsrichter auf dem Stuhl“, ergänzt ihr Mann Wolfgang. 

Auch der Schirm muss gehalten werden: wie hier für Lleyton Hewitt. Foto: Bernd Thissen/dpa

Sich auf die Persönlichkeit der Spieler einzustellen sei eine der größten Herausforderung für die Kinder. Bei einigen Profis seien sie eher ungern. „Andere Spieler sind den Kindern sehr zugewandt“, sagt Annette Ackermann. „Federer ist da ein Paradebeispiel.“ Andere Profis wiederum haben Eigenarten, an die sich die Balljungen und -mädchen erst gewöhnen müssen: Nicolas Kiefer etwa wollte immer genau den Ball haben, mit dem er gerade einen Punkt gemacht hat. 

Das 26. Turnier ist gleichzeitig das Letzte als Betreuer für das Ehepaar Ackermann. Ihre Nachfolger werden in den kommenden Tagen von den beiden angelernt. „Wir haben viele positive Kinder kennengelernt“, sagt Annette – und viele kuriose Geschichten erlebt: von stolpernden Kindern, Kindern, die beim Einlaufen ihren Schuh verloren haben, oder Kindern, die von Turniersieger Kiefer beschenkt wurden, nachdem er sie am Kopf getroffen hat.

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Erinnerungen an 26 Jahre Gerry Weber Open: Annette und Wolfgang Ackermann hören nach diesem Jahr auf. Foto: Helmut Kemme



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