Wo eins und eins mehr als zwei ist Spvg. Niedermark pflegt Kooperationen statt Rivalitäten

Von Johannes Kapitza | 19.12.2015, 00:29 Uhr

„Wir in Bewegung“ ist ein Motto, das sich wohl jeder Sportverein auf die Fahne schreiben könnte. Bei der Spielvereinigung Niedermark identifizieren sie sich besonders mit diesem Leitspruch. Die Niedermark mag zwar kein eigenes Ortsschild haben, aber das Wir-Gefühl ist bei den Vereinsmitgliedern verankert, auch wenn die Spielvereinigung immer in Bewegung geblieben ist.

In der Niedermark wissen sie, woher sie kommen: Im Treppenhaus des Stern-Treffs hängt die Ahnengalerie der Vereinsvorsitzenden, und auch der Ostermontag des Jahres 1976 ist noch in bester Erinnerung: Nach einer kleinen Völkerwanderung säumten 2500 Zuschauer den Sportplatz und sahen, wie Niedermarks Kreisliga-Fußballer den großen Nachbarn vom Hagener SV mit 2:1 aus dem Bezirkspokal warfen.

„Eine gute Sache zusammenzuarbeiten“

Rivalitäten spielen kaum noch eine Rolle. Die Niedermarker pflegen lieber eine gute Zusammenarbeit mit ihren Nachbarclubs, auch mit Blick auf die Zukunft. Bevor zwei Vereine nicht mehr genügend Sportler haben, um eine Mannschaft zu stellen, sei es doch „eine gute Sache zusammenzuarbeiten“, findet der 2. Vorsitzende Jürgen Witte.

Bei der Spielvereinigung machen sie eine eigene Rechnung auf. „Eins und eins ist nicht immer zwei“, sagt Vorsitzender Norbert Niemeyer. Es sind keine Anzeichen von Dyskalkulie, sondern Erfahrungswerte. Wenn zwei Vereine kooperieren, „kommt immer mehr heraus“ als die reine Summe ihrer Mitglieder und Angebote. Diese Erkenntnis prägt das Vereinsleben.

Fußballer kooperieren mit Hagener SV

Vor zwei Jahren gründeten die Fußballer eine Jugendspielgemeinschaft mit den Hagenern. Die Kräfte zu bündeln hat sich gelohnt, findet Abteilungsleiter Thomas Backhaus. A- und B-Junioren spielen so auf Bezirksebene, während Niedermarks Männer das bescheidene Ziel haben, eines Tages „wenigstens wieder Kreisliga“ zu spielen. Bei den Erwachsenen ist das Vereinsdenken noch ausgeprägt, „eine Konkurrenz spielt bei den Jüngeren keine große Rolle mehr“, sagt Backhaus.

Handballer arbeiten mit Spvg. Gaste-Hasbergen zusammen

Die Erfahrung hat auch Klaus Große Wördemann gemacht. Die Handballer lieferten sich „früher Duelle auf Nachbarschaftsebene“ mit Gaste-Hasbergen. Dann begann die Zeit, in der die Jugend-Jahrgänge nicht mehr eine ganze Mannschaft hergaben. „Über kurz oder lang wäre das auch auf uns zugekommen“, sagt der Abteilungsleiter. Auf Augenhöhe schlossen sich die Vereine vor vier Jahren zur SG Teuto Handball zusammen, nicht nur in der Jugend. Lange getrauert wurde nicht darüber, dass die Hochburg Niedermark namentlich aus den Spielplänen verschwand. „Das ist gut zusammengewachsen. Die Rivalitäten haben sich ganz schnell gegeben“, sagt Große Wördemann.

Kooperationen außerhalb des Wettkampfsports

Mit dem Hagener SV ist die Zusammenarbeit außerhalb der Wettkampfsportarten in eine Kooperationsvereinbarung gegossen worden: Mitglieder beider Vereine können bei Kursen des jeweils anderen Clubs teilnehmen. Dadurch sei „die Bandbreite viel größer geworden“, sagt Pressewartin Johanna Lüdtke.

Seit einem Jahr gibt es in der Niedermark „Tabata“. Der Fitnesskurs „boomt“, und auch bei der Skigymnastik „tobt der Bär“, freut sich Elke Buller, dass Tanz und Turnen im weitesten Sinne sowie Fitnessangebote gut angenommen werden. Die Bandbreite reicht von Eltern-Kind-Turnen über Bauchtanz bis zu Herzsportgruppen. „Wir fangen alles auf“, sagt Buller, die im Vorstand für Veranstaltungen zuständig ist und noch mehr gute Nachrichten aus der Spielvereinigung hat: Für Meisterehrung, Seniorentreffen, Ausflüge und die Hallensportschau werden immer Helfer gebraucht – aber auch immer gefunden.

Darts-Abteilung ist im Kommen

Ruhiger geworden ist es um die Tischtennisabteilung, die einst lange in der 2. Liga vertreten war. „Die Jugend hat gelitten“, lautet heute die Erkenntnis zur damaligen Schwerpunktsetzung. „Es ist schwer, wieder Anschluss zu finden“, sagt Niemeyer. Auch im Tennis ist Basisarbeit gefragt. Die Kooperation mit dem TC Hagen hilft dabei.

Im Kommen ist Darts. Das sportliche Pfeilewerfen wird in der zweiten Saison bei der Spielvereinigung betrieben. Die kleine Abteilung identifiziert sich mit dem Verein. Vielleicht schlummert da ja noch Potenzial. Schlange stehen vor allem jüngere Sportler im Sommer an den Beachvolleyballfeldern. Soccerplatz und Boulebahnen runden die Sportanlage „Im Stern“ ab. Wer ahnungslos den kleinen Hügel erklimmt, findet sich auf einer schmucken Anlage wieder, beinahe „eine andere Welt“, wie Vorsitzender Niemeyer schmunzelnd sagt.

„Kassenwesen und Mitgliederverwaltung sind ein Fulltime-Job“

Der gute Zustand ist der fürsorglichen Gemeinde zu verdanken. Der Kontakt ins Rathaus wird ebenso gepflegt wie das Engagement in Verbänden. Die Sponsorentafel der Fußballer ist gut gefüllt, aber all das täuscht nicht darüber hinweg: Die Spielvereinigung hat die gleichen Probleme wie andere Clubs. Ehrenamtler zu finden ist die größte Baustelle. „Das Kassenwesen und die Mitgliederverwaltung sind schon ein Fulltime-Job, aber von der Größe her können wir es uns nicht leisten, jemanden dafür anzustellen“, sagt Geschäftsführer Werner Menkhaus. Sie werden also weiter in Bewegung bleiben müssen, um Mitglieder zu werben und neue Sportarten anzubieten. „In Zukunft werden wir außerdem eine noch zentralere Aufgabe in der Integration haben“, ahnt Niemeyer. Da kann es nicht schaden, dass sie in der Niedermark schon länger offen sind für neue Ideen und die Zusammenarbeit mit anderen. Seine Identität muss der Verein deshalb ja noch lange nicht verleugnen.