Trainer des SV Bad Rothenfelde hort auf Baerhausen: „Die Jungs vom Land sind anders“

Von Benjamin Kraus | 02.06.2017, 21:26 Uhr

Eine Ära beim SV Bad Rothenfelde geht zu Ende: Günter Baerhausen ist ab sofort nicht mehr Trainer des Fußball-Landesligisten. Der 47-Jährige spricht im Interview über langjährige Wegbegleiter, kurze Entscheidungswege und seine Zukunftspläne.

 Herr Baerhausen, was ist Ihr erster Gedanke mit Blick auf die vergangenen sechseinhalb Jahre beim SV Bad Rothenfelde? 

Es war eine schöne, erfolgreiche und sehr intensive Zeit. Als herausragendes Einzelereignis fällt mir spontan der 4:3-Sieg im Herbst 2013 beim damaligen Tabellenführer SC Spelle-Venhaus ein – nach 0:3-Rückstand zur Pause.

 Bei Ihrer Vorstellung im Januar 2011 galten Sie als SVR-Wunschkandidat wegen Ihrer „ehrgeizigen und fordernden Art“. Eine treffende Beschreibung? 

Das stimmt wohl, ich kann nicht so gut verlieren. Ich fordere viel als Trainer, glaube aber auch, dass das gerechtfertigt ist. Wenn die Spieler in der Landesliga neben Fahrtkosten den einen oder anderen Euro verdienen können, kann man auch eine gewisse Leistung erwarten. Ich lebe aber auch selbst Disziplin vor. Ich habe in den letzten sechseinhalb Jahren nicht ein Spiel gefehlt, auch nicht als ich krank war.

 Die Ränge 3, 4, 3, 3, 5, 3, und 7 sind die Abschluss-Platzierungen Ihrer Landesliga-Elf. Eine starke Bilanz, aber ein Titel fehlt... 

Richtig, wer hätte nicht gerne bei den doch guten Platzierungen in den letzten Jahren um den Titel gespielt. Wobei meine Spieler und ich auf diese Bilanz stolz sein können. Wir hatten alle zwei Jahre einen Umbruch, immer wieder haben uns Stützen verlassen.

Ich nenne stellvertretend Malte Becker, Nils Hörmeyer, Martin Heinrich oder Oliver Köther. Die Lücken haben wir mit Talenten aufgefüllt, die aus Kreisligen kamen. Diese immer wieder auf das Level der verbliebenen sieben, acht gestandenen Spieler zu bringen hat Spaß gemacht, aber wegen logischer Leistungsschwankungen der Talente richtig Kraft gekostet und auf Dauer mürbe gemacht. Nun steht beim SVR in der Mannschaft ja auch wieder ein neuer Umbruch an, da unter anderem viele langjährig gestandene Spieler den Verein aus verschiedenen Gründen verlassen.

 War das auch ein Grund, dass Sie nun aufhören? 

Wir hatten im Februar zunächst vereinbart, dass wir weitermachen. Aber wie es so ist, kam zuletzt eines zum anderen. Natürlich war es auch ein Grund, da dieser erneute Umbruch Zeit und Kraft gekostet hätte.

Hinzu kamen mein Job und nicht zuletzt die weiten Wege von meinem Wohnort nach Bad Rothenfelde. Ich fahre eigentlich gern Auto, nutze das um zu telefonieren und um nach zu denken. Zuletzt aber war es eine ziemliche Belastung – ich war ausgebrannt. Dann habe ich mich mit meiner Frau hingesetzt und wir haben entschieden, dass ich aufhöre. Jeder der mich kennt, weiß dass mir das unglaublich schwer gefallen ist.

 Sie haben einige Clubs erlebt. Was charakterisiert den SV Bad Rothenfelde? 

Der Club ist seriös aufgestellt, alles läuft wirtschaftlich akkurat, die Atmosphäre ist familiär. Für einen Trainer bietet er als reiner Fußballklub perfekte Arbeitsbedingungen aufgrund kurzer Entscheidungswege. Ich hatte zu Präsident Karl-Wilhelm Twelkemeyer, Teammanager Martin Lemp und Betreuer Manuel Kall ein gutes, enges Verhältnis. Was fehlt, ist Manpower in der Breite um Euphorie zu entfachen oder finanziell die Basis zu legen damit sportlich mehr geht.

 Ihre persönliche SVR-Bilanz. Welche Saison war die Beste? 

Sicher die Vorletzte, als wir zuvor König, Echelmeyer, Biswas und Mitzlaff abgeben mussten und vor allem Talente dazubekommen haben, etwa mit Gelhoet und Malungu. Wir hatten einen richtig dünnen Kader, nur 15 Feldspieler und sind Dritter geworden. Das hat gezeigt, was man bewegen kann wenn man eng zusammenrückt – für mich persönlich ein Highlight.

 Was war die schwerste Zeit? 

Wir hatten immer mal wieder schwierige Phasen, da aufgrund der ständigen Fluktuationen die Konstanz über längere Strecken gefehlt hat. Wir sind zwei-, dreimal Rückrundenmeister nach schwächerer Hinrunde geworden oder wir waren gut im Rennen und mussten dann abreißen lassen, so wie dieses Jahr.

 Torsten Kuhlmann und Patrick Fiß – zentrale Spieler Ihrer Ära? 

Absolut – beide waren von Beginn an dabei und stets Führungsspieler, auch außerhalb des Platzes. Torsten dazu ein würdiger Kapitän. Was mich mindestens ebenso freut, ist die Entwicklung von Jungs wie Kevin Herbermann und Jan Unger. Sie kamen aus unteren Ligen, aus Glandorf und Bad Laer und sind hier zu Top-Führungsspielern gereift. Das sind Karrieren, die einem Trainer Spaß machen – auch bei Konstantin Stumpe, ein bodenständiger Junge aus der eigenen Jugend. Generell habe ich beobachtet, dass die Jungs vom Land anders ticken als die aus der Stadt.

 Inwiefern? 

Sie sind oft viel bodenständiger, haben meistens ein höheres Durchhaltevermögen.

 Wie, glauben Sie, haben sich die Amateurfußballer generell in den letzten Jahren verändert? 

Ich glaube, dass bei vielen im Gegensatz zu früher Fußball nicht mehr an erster Stelle steht. Der Ehrgeiz ist bei einigen nicht mehr so ausgeprägt – viele werfen schneller die Flinte ins Korn, wenn sie mal weniger spielen und nicht sofort Stammspieler sind. Dazu kann man grundlegende Dinge nicht mehr so voraussetzen. Das sieht man z.B. daran, wenn ein Spieler mit Hallenfußballschuhen die Läufe im Winter auf tiefgefrorenen Böden mitmachen will oder mit Laufschuhen auf den rutschigen Kunstrasen geht. So etwas kann ich nicht nachvollziehen. Andererseits muss man aber auch sagen, dass die Belastungen für die jungen Leute auch höher geworden sind – in der Schule, im Studium, bei der Arbeit.

 Wie geht es bei Ihnen persönlich im Fußball weiter? 

Erstmal brauche ich Zeit, um runterzukommen. Meine Frau und ich haben Urlaube geplant, wir werden im nächsten halben Jahr viel unterwegs sein. Danach schätze ich, wird das Feuer bestimmt wieder brennen. Einmal Fußballer, immer Fußballer.

 Gab es Kontakt zu Ihrem Nachfolger? 

Ich hatte zu Ricardo Manzei stets ein gutes Verhältnis. Am Ende der vorletzten Saison hat er mir eine Nachricht geschickt, in der er schrieb, dass er keine Ahnung von Fußball hat (lacht). Der Hintergrund war, dass er mir seinen Respekt ausgedrückt hat weil wir Dritter geworden sind – dabei hatte er uns vor der Saison wegen unseres dünnen Kaders und der vielen Abgänge eher als Absteiger gesehen.

Er wird nun einen Neustart meistern müssen, aber das traue ich ihm absolut zu.

 Können Sie schon sagen, wohin es Sie dann zieht? 

Nicht wirklich. Ich habe auch aufgrund meines Jobs vielfältige Kontakte, etwa auch hier in NRW.

Aber ich werde auch sicher öfter in Osnabrück sein. Dort habe ich mich stets wohl gefühlt, zudem leben meine beiden Söhne dort.

 Gibt es noch Kontakte zu alten VfL-Weggefährten? 

Nicht regelmäßig. Hin und wieder trifft man Joe Enochs, Uwe Brunn oder Frank Claaßen – aber ein wenig hat sich das verlaufen. Ich habe schöne Erinnerungen an den Aufstieg 2000, auch wenn ich zu der Zeit nach meinem Sitzbeinbruch nicht mehr viel gespielt habe. Beim VfL war ich unglaublich gerne. Wer vor diesen Fans nicht alles gibt was er hat, hat dort nichts verloren. Daher kann ich die aktuellen Vorgänge um die Manipulationsvorwürfe nicht verstehen. Glauben Sie mir, mich hat auch schon mal jemand gefragt ob ich mit dafür sorgen kann, dass Spiele so oder so ausgehen. Aber dann muss man gradlinig sein, sich nicht darauf einlassen. Das ist für mich Ehrensache im Fußball.