NOZ-Serie „Die EM und ich“ Neale Marmon: „Das 4-5-1 passt nicht zu England“

Von Christian Detloff | 16.06.2016, 23:31 Uhr

Zur Fußball-EM präsentieren wir Personen mit regionalem Bezug, die von ihren Eindrücken und Erwartungen berichten. Heute: Der Engländer Neale Marmon, Kult-Manndecker des VfL Osnabrück von 1984 bis 1989.

Herr Marmon, sind Sie mehr erleichtert über den 2:1-Zittersieg der Engländer oder enttäuscht vom lange statischen Auftritt?

Ich schäme mich ohne Ende. Ich verstehe nicht, dass Roy Hodgson bei dieser großen neuen Qualität im Kader so mutlos mit angezogener Handbremse spielen lässt. Dabei stand er nach dem 1:1 im ersten Spiel gegen Russland doch schon mit dem Arsch zur Wand. Der Trainer sollte nun einsehen, dass das 4-5-1-System nichts für uns ist. Nach der Pause wurde es im für England typischen 4-4-2-System endlich besser.

Sie sind generell ein Verfechter des 4-4-2.

Und das als ehemaliger Abwehrspieler (lacht). Die Verteidiger haben es viel schwerer, das Spiel gefährlich zu eröffnen, wenn sie konsequent von zwei Stürmern attackiert werden. Lasse den Gegner nicht hinten raus und zwinge die ersten Aufbauspieler zu weiten Bällen – so gerätst nicht du, sondern der Gegner unter Druck.

Wie groß ist Ihr Vertrauen in Torwart Joe Hart?

Er hat alle Fähigkeiten, die auch ein Manuel Neuer hat – dennoch patzt er häufiger. Beide bisherigen Gegentore waren haltbar. Dennoch: Er ist stark genug. Beim Freistoßtreffer von Bale hat sich mir wieder die Frage gestellt, ob es nicht besser ist, zwei Mann weniger in die Mauer zu stellen, damit der Torwart eine bessere Sicht hat.

Wie beurteilen Sie das bisherige Niveau der EM?

Ich habe bisher nur ein schwaches Spiel gesehen: Nordirland gegen Polen. Viele Duelle waren sehr ordentlich. Ich finde es auch klasse, dass es mit 24 Mannschaften so viele Spiele zu sehen gibt.

Und wer gewinnt die EM?

Ich bin ein Fan von Jogi Löw und dem deutschen Team. Dennoch wäre es schön, wenn Frankreich gewinnt. Diese Nation hat so viel Negatives in der letzten Zeit erlebt. Da ist es einfach an der Zeit, dass sich das Blatt wendet.