Neue Sportlehrer für moderne Vereine Erster Jahrgang der NTB-Schule vor dem Abschluss

Von Harald Pistorius | 31.03.2017, 20:44 Uhr

Sportlehrer ohne Abi? Sport als Beruf – und als Berufung? Eine Ausbildung mit praxisnaher Theorie und theoriegestützter Praxis? Gibt es: An der Landesturnschule in Melle wird in wenigen Wochen die erste Generation einer neuen Sportlehrerausbildung in die Berufswelt entlassen. Mit guten Aussichten.

In diesen Wochen büffeln sie natürlich ganz besonders, die 15 Schüler des Abschlussjahrgangs; im Mai und Juni stehen die Prüfungen an. In Deutsch, Englisch, Mathe und anderen allgemeinbildenden Fächer. In Bewegungspädagogik, Sportmedizin, Trainingslehre, Prävention, Reha und weiteren sportspezifischen Fächern. Und natürlich in der Praxis des Unterrichtens, der Organisation und der Verwaltung.

Der Kampf um Anerkennung

Ganz ähnlich also einer Ersatzschule wie beispielsweise in den Bereichen Kosmetik oder Hauswirtschaft. Aber eben nicht ganz, denn um diese Anerkennung und Förderung kämpft die junge Institution. Vorerst ist es formell eine Ergänzungsschule, doch das ändert nichts an Anspruch und Qualität der Ausbildung.

Umso mehr lohnt sich der Blick in die beschauliche Landesturnschule in Melle, wo sich in den Fachwerkhäusern nahe der Sportanlage am Carl-Starcke-Platz ein deutschlandweit einmaliges Pilotprojekt etabliert. Der Niedersächsische Turner-Bund (NTB) reagierte auf den wachsenden Bedarf in den Vereinen nach einem Zuwachs an hauptamtlichen Mitarbeitern mit einem Qualifikationsprofil, das weit über das des Sport- und Gymnastiklehrers hinausgeht. (Hier geht es zur Homepage des NTB)

„Es geht weniger um Leistungssport“

Marcus Trienen, selbst im Vereinsleben zwischen Ehren- und Hauptamt groß geworden, ist einer der Initiatoren. Der Geschäftsführer des NTB will eigentlich ganz nüchtern die Hintergründe skizzieren: „Wir schließen eine Lücke, denn bisher gab es nur den Sport- und Gymnastiklehrer und den kaufmännisch ausgerichteten Fitnesskaufmann. Wir bilden praxisorientiert Sportlehrer aus, deren breitgefächertes Profil zugeschnitten ist auf die Anforderungen in Vereinen, Verbänden, Fitnesstudios, Kindergärten und Schulen. Es geht weniger um Leistungssport, sondern um moderne Bewegungsangebote für die Bewegungsbedürfnisse in allen Altersschichten.“

Viele der Schüler haben schon Stellen in Aussicht

Doch es dauert nicht lange, dann klingt seine Begeisterung durch: „Wir haben hier richtig gute junge Leute, die mit Begeisterung und Herzblut dabei sind. Von ihren Praktikumsstellen kommen fast nur positive Rückmeldungen, etliche haben schon eine Stelle in Aussicht. Das ist ein Zukunftsmodell, das Unterstützung braucht.“

Die bekommt die „Schule für Sport, Gesundheit und Bildung“ (kurz: SpoGBi) inzwischen nicht nur vom NTB, sondern auch von der Stiftung der Sparkassen im Osnabrücker Landund seit wenigen Wochen von zwei niedersächsischen Groß- und Traditionsvereinen: Der Turnklubb Hannover und der ASC Göttingen sind Gesellschafter des gemeinnützigen Schulprojekts. (Hier geht es zur Homepage der Schule)

Zusatzprogramm in den Ferien

„Wir betreiben hohen Aufwand und werden belohnt durch die Anerkennung von Vereinen “, sagt Hans Roths, der Leiter der Schule, „für fast alle geht es hier nicht nur darum, einen Beruf zu lernen, sondern eine Berufung auszuleben.“ Freiwillig, so betont der Lehrer und Sportwissenschaftler, seien etliche Schüler in den Ferien in Melle geblieben, um unter der Regie des Landesschwimmverbandes Niedersachsen die Breitensportlizenz Schwimmen zu erwerben.

Theaterstück der Abschlussklasse

Roths und sein Team mit vier Lehrern, drei Honorarkräften und einer Sekretärin füllen den Lehrplan mit Leben. Darüber steht das Ziel, die Kreativität und die Initiative der Schüler zu fördern und zu fordern. Wohin das führt, war vor zwei Wochen bei einer Theatervorstellung zu sehen: Die Abschlussklasse präsentierte das Stück „Daily SpoGBi“ – geschrieben, inszeniert und dargestellt von den Schülern selbst. Es war eine Revue ihrer dreijährigen Ausbildung, das als Bewegungstheater benotet wurde.

An zwei Tagen in der Woche absolvieren die Schüler lehrpraktische Übungen in Vereinen, Verbänden, Schulen oder Kindergärten, an drei Tagen wird an der Landesturnschule unterrichtet. 44 Schüler sind insgesamt eingeschrieben. Der erste Abschlussjahrgang besteht aus 14 jungen Frauen und einem Mann, in den beiden nachfolgenden Klassen ist das Verhältnis ausgeglichen.

Vorstellung auf Sportmessen

Derzeit läuft die Bewerbungsphase für den vierten Jahrgang. Bei den Osnabrücker Sportmessen Gymdoo und OSPO hat sich die Schule vorgestellt, nach dem eigenen Infotag am 26. April ist die „SpoGBi“ auch auf der Osnabrücker Ausbildungsmesse vertreten.

Eine Hürde, das wissen auch Trienen und Roths, ist das monatliche Schulgebühr von 350 Euro pro Monat. „Wir sind gemeinnützig und müssen uns zumindest teilweise selbst finanzieren“, sagt Trienen und verweist auf die Möglichkeit eines Stipendiums, das die Schule durch Unterstützung der Sparkassen-Stiftung vergeben kann.

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