Mit einer Schrottkarosse fing alles an Wolfgang und Michael Schrey leben für den Rennsport

Von Désirée Therre | 20.07.2014, 13:07 Uhr

Als kleiner Junge stand Michael Schrey neben seinem Vater Wolfgang auf dem Siegerpodest und reiste mit ihm an den Wochenenden zu Autorennen durch die Republik. Des Vaters liebstes Hobby war so ansteckend, dass der Sohn bald selbst hinters Steuer wollte. Zwei Rennfahrer und die schönste Nebensache der Welt, wie Wolfgang Schrey sagt.

An sein erstes Rennen erinnert sich Wolfgang Schrey noch gut: Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Günther kaufte er eine Schrottkarosse. In das Gehäuse setzten sie Käfig und Fahrwerk ein; Motor und Getriebe stammten aus einem Golf GTI.

Mit dem aufgebauten VW Scirocco fuhr Schrey dann zum Rennen auf das Gelände des Flughafens nach Wunstorf in Niedersachsen. Doch die technischen Kommissare fanden Mängel. Die Glasscheibe sei zu zerbrechlich. Das Team fuhr zurück nach Osnabrück, baute eine Verbundglasscheibe aus Schreys Straßenauto, fuhr wieder nach Wunstorf und setzte sie in das Rennauto Marke „Eigenbau“ ein. Der Rennfahrer schaffte es damit auf den siebten Platz. Mindestens fünfzig seien in der Klasse gestartet, sagt er stolz. „Und im Training waren noch fast alle an mir vorbeigefahren.“.

Die Liebe zum Rennsport fing aber früher an: 1955 besuchte der damals sechsjährige Wolfgang Schrey zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Günter den Grand Prix von Deutschland auf dem Nürburgring. Dort durfte sich der Jüngere in den Rennboliden von dem 1959 verstorbenen Weltmeister Rudolf Carraciola setzen. Später fuhren sie mit Freunden „immer mal wieder“ zur Rennstrecke in die Eifel. „Da haben wir uns die Nasen platt gedrückt, uns die Rennautos angesehen und gezeltet“, sagt der heute 65-Jährige.

„Michi„ ist immer dabei

1985 beim Deutschen Sprintpokal in der „grünen Hölle“, so der Kosename des Nürburgrings, wurde Schrey senior Gesamtsieger. Da war sein Sohn Michael gerade zwei Jahre alt. „Seitdem ich laufen kann, bin ich immer dabei gewesen“, sagt der 31-Jährige heute. Während sein Vater den Tacho reizte, bockte der kleine „Michi“, wie der Vater sagt, seinen Buggy in der Boxengasse auf und setzte sich nachts in die Rennautos rein. „Um einfach mal ein bisschen hinter dem Lenkrad zu sitzen“, sagt er. Das ganze Team habe ihn oftmals schon gesucht. „Zaunerinnerungen“, nennt Michael Schrey das heute.

Seit einigen Jahren fährt Wolfgang Schrey nicht mehr. „Die Gesundheit“, sagt er. Er begleitet seinen Sohn auf die Rennen, betreut die Gäste und trifft alte Bekannte. Mit 18 Jahren übernahm Michael das Steuer. Er fuhr sein erstes Rennen im Jahr 2001 im holländischen Assen im März. Zuvor kutschierte er mit 17 Jahren Kunden erstmals in einem Renn-Porsche, während sein Vater die übrigen Gäste betreute. Heute managt er die Kunden von seinem Schreibtisch aus, betreut die Gäste der Sponsoren an der Rennstrecke und bietet Testfahrten an.

„Auch ich hab mich verdammt schwergetan und hatte das Empfinden, dass alles an mir vorbeifährt“, sagt er rückblickend. Zu Beginn seiner Rennfahrerkarriere plagen ihn die gleichen Ängste wie damals den Vater. „Ich hatte ein Auto, was für die ersten Plätze im Rennen bestimmt war“, erzählt er. Im Training reichte es für Platz 28 „oder so“. Irgendwann im Rennen habe ihn dann der Übermut gepackt, wie er es heute beschreibt. Er beendete es im Kießbett.

Wie sein Vater früher ist auch Sohn Michael viele Wochenenden im Jahr unterwegs, um zu Rennen zu fahren, unter der Woche trainiert er. Beide haben sich dafür entschieden, ihren Beruf zu behalten, der Vater Beamter, der Sohn bei den Stadtwerken Osnabrück. „Ich habe die Rennerei immer als schönste Nebensache der Welt betrachtet“, sagt Wolfgang Schrey, „und das ist auch heute noch so.“ Wenn man damit Geld verdienen muss, ist es schwierig, sagt er. Wer dort anfängt, muss Geld mitbringen, wie der Rennfahrer-Veteran sagt. Neue Karosse, neues Getriebe – wer keinen finanzstarken Sponsoren im Rücken hat, kommt schnell an die Grenze des Machbaren.

Ein Kapitel Motorsportgeschichte

„Ich bin einen beschwerlicheren Weg gegangen“, sagt der Vater. Sohn Michael konnte auf dem aufbauen, was sein Vater in den 80er-Jahren begonnen hatte. Wolfgang Schrey stand abends in der Lackiererei, fuhr freitags mit Ehefrau und Söhnen zum Rennen, sonntags nachts zurück. Montags morgens saß er am Schreibtisch im Büro. Seine Ehefrau schenkte den Rennfahrern Kaffee aus und schmierte Brote. „Die gute Seele“ des Rennbetriebs, sagt Sohn Michael.

„Michi“ sei für die Sponsoren perfekt, sagt Wolfgang Schrey. „Es ist das Wichtigste, die Leute bei Laune zu halten“, sagt der Sohn. Das Rennen steht bei den Events im Hintergrund. Gewinnen muss er trotzdem – für die Sponsoren eben und weil er es will.

Auch sein Cousin Daniel Schrey ist Rennfahrer. Als Konkurrent trifft er ihn manchmal auf der Rennstrecke. Bruder „Matze“ gehört zum Team von Michael Schrey. „Es ist gut, jemanden zu haben, der mir vertraut ist“, sagt er, „falls mal etwas passiert.“. Bislang kam er mit einem kaputten Auto und einem steifen Nacken davon.

Mittlerweile hat es Wolfgang Schrey gelernt, nicht immer Gas geben zu wollen: „Ich sehe meine Jungs, wie sie das alles im Griff haben – und dann laden sie mich auf ein Bier ein“, sagt er. Klar, sei er manchmal besorgt, wenn sein Sohn mit den „ganzen Vollidioten“ losfährt, wenn die Fahrer „Türklinke an Türklinke zu viert in die Kurve reinfahren“.

Angst um seinen Sohn habe er trotzdem nicht. „Er hat genug Geist, dass er weiß, wann er zurückstecken muss“, sagt Wolfgang Schrey. Ein Rennfahrer muss das wissen, finden beide. Und wenn das Blech doch mal aufsetze und das Auto in den Reifen lande, dann könne er das auch nicht ändern. „Er wollte es nicht anders, und ich habe es auch nicht anders gewollt“, sagt Wolfgang Schrey. Seine Motorsportgeschichte ist nun zu Ende. Na ja, vielleicht noch mal die Mille Miglia, ein Klassiker in Italien, wie Wolfgang Schrey sagt.