„Ich laufe, bis es nicht mehr geht“ Ungemach auch mit 81 Jahren noch treuer Silvesterläufer

Von Johannes Kapitza | 31.12.2014, 08:05 Uhr

Das macht Andreas Ungemach niemand nach: Der 81-Jährige, der heute im Trikot des TV Georgsmarienhütte läuft, ist der einzige Athlet, der seit der Premiere des Silvesterlaufs keine Auflage verpasst hat. Im Interview spricht er über den Reiz des Laufens.

Herr Ungemach, viele Menschen gucken jedes Jahr an Silvester „Dinner for One“ oder haben andere Traditionen. Sie haben auch eine.

Stimmt, ich bin bis jetzt jedes Jahr beim Silvesterlauf dabei gewesen. Das bin ich auch gerne. Ich hatte das Glück, gesund zu sein, und es hat auch mit der Zeit immer alles hingehauen.

Wie sind Sie zum Laufen gekommen?

Das hat sich so ergeben. Ich habe immer viel und schwer gearbeitet. Als meine Kinder damals bei Schinkel 04 in den Verein eingetreten sind, hat man mich angesprochen, ob ich nicht auch mal laufen wollte. Ich war nie beim Training, hatte keine Klamotten, bin aber irgendwann angetreten, und es hat sich alles wunderbar ergeben: Bei meinem ersten Lauf überhaupt bin ich Dritter geworden, da war ich 43 Jahre. Mit 45 bin ich in den Verein eingetreten. Heute ist Laufen für mich alles, was es gibt – auch an Silvester.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Teilnahme am Silvesterlauf?

Ja. Das Wetter war damals ziemlich gut, und ich bin über die zehn Kilometer gut durchgekommen. Seitdem habe ich meinen Spaß daran und freue mich im Alter jedes Jahr, dass ich daran teilnehmen kann.

Haben Sie nie überlegt, vielleicht mal ein Jahr zu schwänzen?

Der Silvesterlauf ist für mich fast wie eine Pflicht. Ich habe das Gefühl, dabei sein zu müssen. Ich bin ein unruhiger Mensch, muss mich quälen und beschäftigen, und laufen macht mir unendlich viel Spaß. Schön ist es, wenn mich junge Leute bei Veranstaltungen auf mein Alter ansprechen. Dann sage ich: Das Alter zählt nicht, ich bin noch nicht alt.

Man darf verraten: Sie sind 81. Und von Krankheiten zu Silvester immer verschont geblieben – ist die Fitness auch dem Laufen zu verdanken?

Ich bin Gott sei Dank gesund geblieben, nicht nur wegen des Sports. Ich bin grundsätzlich von Kindheit an abgehärtet, eine Erkältung hatte ich so gut wie nie.

Läufer sind hartgesotten und bei jedem Wetter unterwegs…

Ganz genau. Letztens hatte ich mir vorgenommen zu trainieren. Es hat stark geregnet, ich war bei dem Wetter so ziemlich der Einzige auf der Strecke. Aber wenn man sich etwas vorgenommen hat, gibt’s kein Zurück mehr.

Es ist der 35. Lauf in diesem Jahr, gelaufen wurde aber erst 33-mal, weil die Veranstaltung einmal der Eisglätte zum Opfer fiel.

Ich war trotzdem da, hatte mich aufs Fahrrad gesetzt und bin zum OTB gefahren. Leider fiel der Lauf aus.

Gibt es nach all den Jahren so etwas wie den schönsten Lauf für Sie?

Darüber habe ich mir keine großen Gedanken gemacht. Aber vor knapp zwei Jahren hatte ich eine schlechte Zeit mit Verletzungen. Da bin ich ohne Training einen Halbmarathon gelaufen und war danach eine Woche lang kaputt, weil ich überbelastet hatte. Zu der Zeit hatten mir Vereinskameraden zum 80. Geburtstag eine Teilnahme am Berlin-Marathon geschenkt, also bin ich zu Ärzten gegangen, habe Spritzen bekommen und konnte in Berlin starten. Ich habe eine Stunde länger gebraucht als sonst, aber ich habe es geschafft. Zum Silvesterlauf in Osnabrück war ich auch wieder da. Man ist zwar nicht mehr so fit, wie man möchte, aber ich laufe, bis ich umfalle.

Dann haben Sie noch nicht überlegt, die Laufschuhe an den Nagel zu hängen?

Ich will weitermachen. Ich laufe, bis es nicht mehr geht, ich kann gar nicht anders. Und warum sollte ich mit etwas aufhören, wenn es mir Spaß macht?