„Eine richtig schöne Geschichte“ Torschütze im Rollstuhl: Das Gänsehaut-Tor von Wallenhorst

Von Sven Hallmann | 03.06.2016, 10:27 Uhr

Die Überraschung war geglückt. Bis zuletzt hatten die Fußballer des TSV Wallenhorst IV ihre besondere Aktion am letzten Spieltag der 3. Kreisklasse Nord B gegen Blau-Weiß Hollage V geheim gehalten. Als die Mannschaftsaufstellung verlesen wurde, fiel dann ein ganz besonderer Name: Jens Bockgrawe. Der 20-Jährige sitzt im Rollstuhl und ist seit dieser Saison glühender Anhänger der „Vierten“ des TSV.

Direkt nach Anpfiff wurde er von einem Mannschaftskollegen mit seinem Elektro-Rollstuhl in Richtung Tor dirigiert. Sein Team kombinierte sich durch die Hollager Abwehr bis zur Torlinie. Bockgrawe gab der Kugel den letzten Stoß – und schoss damit sein erstes offizielles Tor im Spielbetrieb: festgehalten von einer Handykamera und vom Schiedsrichter im offiziellen Spielbericht . Das entsprechende Video schlug in den Sozialen Medien hohe Wellen und fand viel Anerkennung (Hier geht es zum Video, das Tor fällt etwa bei Minute 3:00). Anschließend ließ sich der Torschütze vor der Fankurve der Wallenhorster gebührend feiern.

„Die Idee dazu kam uns, als wir abends zusammensaßen. Wir dachten einfach, dass es eine schöne Aktion wäre“, erzählt Trainer Spielertrainer Christian Crone. Bockgrawe ist in Wallenhorst kein Unbekannter: Er genießt die große Unterstützung der Vereinsmitglieder. „Er ist in der Mannschaft voll akzeptiert. Die Spieler helfen beim Essen, Trinken und inzwischen sogar beim Toilettengang“, freut sich Crone über das Engagement seines Teams. Da es im letzten Saisonspiel sportlich um nicht mehr viel ging, waren auch die Hollager und Schiedsrichter Frank Rust sofort überzeugt. Sogar ein Spielerpass und ein Trikot wurden im Vorfeld organisiert.

Bockgrawe, der bei fast allen Spielen der „Vierten“ daheim und auswärts vor Ort war, ist begeisterter Fußballfan. Mit Crone war er bereits beim VfL Osnabrück und Werder Bremen. „Manchmal habe ich ihn zu unseren Spielen mitgenommen, manchmal seine Schwager, die bei uns spielen“, ist der TSV-Trainer begeistert über die Unterstützung. Nach dem Spiel, das übrigens 5:3 aus Wallenhorster Sicht endete, hielt der Torschütze eine Rede und bedankte sich bei der Mannschaft, den Hollagern und Allen, die die Aktion möglich gemacht hatten. „Da hatten wir echt Gänsehaut. Für Jens ist das eine richtig schöne Geschichte“, sagt Crone.

Dass der Torschütze sich nach dem 1:0 im Tornetz verfing, sieht zwar auf dem Video im ersten Moment ein wenig gefährlich aus . Crone kommentiert das aber selbstironisch: „Jeder von uns hätte wahrscheinlich auf dem Boden gelegen. Aber Jens hat sich einfach nur erschrocken.“ Den Abend und die Saison ließen alle Beteiligten dann bei Getränken und Gesprächen ausklingen. Crone ist sich sicher: „Der Tag wird Jens noch lange in Erinnerung bleiben.“