Die WM und Ich: Pascal Dobrawa „Zu viel Müll nur für WM“

Von Benjamin Kraus | 11.06.2014, 23:30 Uhr

Zum Anpfiff der Fußball-WM in Brasilien heute präsentiert die Sportredaktion der NOZ Medien wieder Größen der lokalen Sportszene, die fachsimpeln, philosophieren oder von ihren Erlebnissen berichten. Wie Pascal Dobrawa: Der 21-jährige gebürtige Osnabrücker kickte für den TuS Engter und den SV Rasensport und lebt zurzeit mit seiner brasilianischen Freundin Rayza im WM-Spielort Curitiba.

Hallo Pascal, wie ist das Leben in Brasilien?

Rayza, ihre Eltern und ich wohnen hier in einem für deutsche Verhältnisse kleinen Haus in einem etwas ärmeren Stadtteil. Ich bin hier seit Januar. Die Menschen sind viel offener als Europäer: Es kam oft vor, dass ich im Bus angesprochen wurde, weil der Sitznachbar Lust hatte zu reden. Dann habe ich immer wegen meiner noch geringen Portugiesisch-Kenntnisse nett „Nein“ gesagt. Mein Alltag ist bis auf den dreistündigen Portugiesischkurs locker. Ein- bis dreimal die Woche kicke ich selbst . Rayza ist dagegen meistens bis abends in ihrer Uni, wir treffen uns nur zum Mittagessen.

Eine Freundin aus Brasilien: Es könnte Schlimmeres geben momentan...

Absolut, wobei wir uns 2012 in Aberdeen in Schottland bei der Arbeit für eine gemeinnützige Organisation kennengelernt haben. Ab November will sie nach Osnabrück kommen und ihren Master machen, während ich mein Abitur in Mettingen nachhole.

Jetzt steht aber erst einmal die WM an...

Also ich hab richtig Bock! In meiner Schule wird auch jeden Tag fast nur darüber gesprochen. Zum Eröffnungsspiel gehen wir definitiv zum Public Viewing. Das gibt es hier auch, wird aber nicht ganz so riesig aufgezogen wie in Deutschland. Am 28. fahren wir nach Salvador, dort haben wir Karten für das Achtelfinale am 1. Juni: der Zweite der Gruppe G gegen den Ersten der Gruppe H.

Also muss Deutschland Gruppenzweiter werden?

Solange sie Weltmeister werden, dürfen sie das gerne! Wobei mir Portugal auch gefallen würde. Auf jeden Fall will ich Belgien sehen: Lukaku, Hazard, die ganzen jungen Knaller....

Also pures WM-Fieber?

Na ja, bei Rayza zu Hause sieht das differenzierter aus. Der Vater ist zwar großer Fußballfan , zählt aber trotzdem nicht zu den Unterstützern der WM in Brasilien. Es passiert einfach zu viel Müll nur für die WM. Zum Beispiel sind in Curitiba letzte Woche über zehn Personen gestorben nach schweren Regenfällen und Erdrutschen. Aber anstatt Menschen zu helfen und die Stadt zu verbessern, wurden etliche Millionen hier in die Renovierung des Stadions gesteckt. Und so ist es ja leider fast in jeder Stadt.

Wie sind die klimatischen Bedingungen?

Es kommt hier vor, dass es an einem Tag 25 Grad sind und zwei Stunden später regnet es wie bekloppt. Jetzt grade sind es 13 Grad: Das hört sich zwar okay an, aber da es im Haus keine Heizungen gibt, wird das plötzlich kälter als man denkt. In der Nacht kann es auch bis drei Grad kalt werden.

bekr