„Danke für dieses geile Turnier“ Fußballer mit geistiger Beeinträchtigung in Osnabrück

Von Harald Pistorius | 05.01.2015, 18:36 Uhr

Erst dirigierte Georgiy Lepohkin seine Teamkollegen bei der Welle, dann reckte er den Pokal in die Höhe und rief strahlend: „Danke den Organisatoren für dieses geile Turnier, danke unserem Trainer und danke an unser Team – ich bin stolz darauf, Teil dieser Mannschaft sein zu dürfen!“ Dann feierte das Fußballteam der Hannoverschen Werkstätten seinen vierten Triumph bei der Niedersachsen-Meisterschaft für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung.

Früher hat man ohne schlechtes Gewissen von geistiger Behinderung gesprochen. So sinnvoll eine korrekte Wortwahl ist, so sehr wurde an zwei Tagen in der Osnabrücker Schlosswallhalle deutlich: Es kommt weniger auf Worte als vielmehr auf Taten an. Auf dieses Turnier können viele Menschen stolz sein, denn es trägt auf vielfältige Art und Weise dazu bei, das Ziel der Inklusion – Menschen mit Beeinträchtigungen gleich welcher Art so weit wie möglich teilhaben zu lassen an dem, was die anderen das normale Leben nennen – anzusteuern und im Blick zu behalten.

Daran arbeiten der Niedersächsische Fußballverband und der Behindertensportverband Niedersachsen seit acht Jahren gemeinsam und spielen damit bundesweit eine Vorreiterrolle. 20 Mannschaften nehmen an einem organisierten Ligabetrieb teil, treten auf Kleinfeldplätzen in Siebener-Teams in der Behinderten-Fußball-Liga Niedersachsen (BFLN) an. Zehn von ihnen kamen nun nach Osnabrück zum Hallenmasters, weil Frank Schmidt die Chance auf optimale Bedingungen mit Kunstrasen, Rundum-Bande und großer Tribüne zwischen Vetter-Cup und Masters nutzte und das Turnier nach Osnabrück holte.

„Es hat sich gelohnt, denn es war ein tolles und faires Turnier“, sagte der Vorsitzende des NFV-Kreisverbandes, der seit 2008 Vorsitzender der Kommission für Integration beim Landesverband ist und als Spielleiter der BFLN die Praxis ebenso kennt wie Jutta Schlochtermeyer. Die Osnabrückerin ist Inklusionsbeauftragte des Niedersächsischen Behindertensportverbandes; sie sagt: „Wenn Behinderte miteinander spielen, ist das noch keine Inklusion. Aber es ist ein Weg dorthin, denn es ist ein Mosaikstein, um Vorurteile zu widerlegen und Berührungsängste abzubauen“. Danach soll und kann es weitergehen: als Mannschaft in einem Verein oder in einem eigenen Club, aktiv nicht nur in der eigenen Liga, sondern auch im Regelbetrieb – sei es als Team oder als Einzelkicker.

Dass sie das Zeug dazu haben, war in Osnabrück zu sehen. Besonders auffällig bei David Jelia, dem Kapitän der Mannschaft der Lebenshilfe Goslar. Er stammt aus Georgien und spielte für sein Heimatland in der Jugendnationalmannschaft.

Zwei Mannschaften aus der Region Osnabrück mischten mit: Der Verein für Fitness und Gesundheit (VFG) Bohmte belegte den fünften Platz, das Team des TuS Neuenkirchen (Vörden) wurde Neunter. 

Alle Mannschaften trugen zum Erfolg des Turniers bei, weil sie das taten, was alle tun, die einmal der Faszination des Balles erlegen sind: Sie spielten voller Leidenschaft und bei höchstem Einsatz fair. Sie freuten sich miteinander über Teamgrenzen hinweg, sie gingen freundschaftlich miteinander um, hatten ihren Spaß und waren emotional bei der Sache. Sie waren Vorbilder. Vorbilder für das, was Fußball für Menschen sein kann.