Torwart will zwei Titel verteidigen Andreas Reinke vom Bauernhof zum Budenzauber

30.12.2015, 17:14 Uhr

  Wenn Andreas Reinke am Samstag mit der Traditionsmannschaft des SV Werder Bremen beim Budenzauber Emsland in Lingen antritt, hat der ehemalige Bundesliga-Torhüter gleich zwei Titel zu verteidigen. Denn bei der vergangenen Auflage gewann der 46-Jährige nicht nur den Pokal mit Werder, sondern wurde dank spektakulärer Paraden auch zum besten Torhüter des Turniers gewählt.

„Ich habe gute Erinnerungen an das Turnier . Es wäre natürlich optimal, beide Titel zu verteidigen, aber der Pokalsieg mit der Mannschaft hat Vorrang“, gibt sich Reinke im Vorfeld ganz als Teamplayer.

Als Lautsprecher fiel der Mecklenburger auch zur Zeit seiner Karriere schon nicht auf. Es passt ins Bild des ruhigen Familienvaters, dass er seit 2008 gemeinsam mit seiner Frau einen Bauernhof im mecklenburgischen Bölkow leitet und dort entweder Tiere aufzieht oder große Feiern stattfinden lässt. 

Denkt man zurück, welche deutschen Torhüter um die Jahrtausendwende den Ton angaben, schießt einem natürlich unweigerlich erst einmal der Name Oliver Kahn in den Kopf, gefolgt von Jens Lehmann. Doch auch ein Frank Rost, ein Hans-Jörg Butt oder ein Timo Hildebrand, die allesamt für die deutsche Nationalmannschaft aufliefen, standen stets mehr im Fokus als der unauffällige Reinke.

Dabei hält Reinke einen bemerkenswerten Rekord: Er ist der einzige Torhüter der Bundesligageschichte, der als Stammspieler mit zwei verschiedenen Vereinen Deutscher Meister wurde – obgleich er nie beim FC Bayern spielte. 1998 in sensationeller Manier als Aufsteiger mit dem 1. FC Kaiserslautern, 2004 folgte der Doublesieg mit Werder um Taktgeber Johan Micoud und Torjäger Ailton. „Das ist schon eine coole Nummer“, verhehlt Reinke einen gewissen Stolz nicht.

Im Februar 2006 endete die aktive Karriere des Keepers allerdings mehr oder weniger von der einen auf die andere Sekunde. In der Partie beim VfB Stuttgart prallte Reinke mit dem heutigen Mönchengladbacher Martin Stranzl so unglücklich zusammen, dass er mehrere Knochenbrüche im Gesicht erlitt. Keine drei Monate später stand er – trotz noch immerwährender großer Schmerzen – wieder in einem Testspiel auf dem Platz, ausgerechnet beim SV Meppen. Doch an seine Leistungen vor dem Unfall konnte Reinke nicht mehr anknüpfen, stattdessen wurde er von Tim Wiese auf die Ersatzbank verdrängt und beendete im Sommer 2007 seine Karriere. Die Nachwirkungen des Unfalls sind bei Reinke in Form von starken Kopfschmerzen zum Teil noch heute spürbar.