Im Heimaturlaub in Meppen Volleyballerin Jana Poll träumt noch von Olympia

Von Dieter Kremer | 22.12.2015, 15:43 Uhr

Erstmals seit August schlägt sie wieder in ihrer Meppener Heimat auf, wenn auch „nur“ privat: Volleyball-Nationalspielerin Jana-Franziska Poll. Doch am 1. Weihnachtstag muss sie schon wieder weiter, steht doch ein Lehrgang mit der Nationalmannschaft an. Schließlich darf sich die 27-Jährige noch Hoffnungen auf die Olympischen Spiele in Rio machen.

Mit ihrer ehemaligen Kollegin aus gemeinsamen Schweriner Zeiten, der aus Emlichheim stammenden Jennifer Geerties, reist Poll am 25. Dezember weiter zum Lehrgang. Bis zum 30. Dezember stehen noch zwei Trainingsspiele gegen Italien auf dem Programm. Anfang Januar geht es nach Ankara, wo vom 4. bis 9. Januar 2016 die europäische Olympia-Qualifikation stattfindet. „Ich denke, dass nach den Trainingsspielen entschieden wird, wer geht“, vermutet Poll . Wie ihre Chancen auf die Teilnahme an dem Turnier stehen, kann sie nicht beurteilen. „Weil ich nicht weiß, was die Bundestrainer brauchen beziehungsweise suchen.“ Außenangreiferin Poll rechnet damit, dass sowohl eine Mittelblockerin als auch eine Außenangreiferin gestrichen werden. „Weil davon fünf eingeladen sind. Und das ist jeweils eine zuviel.“ Letztmals trug Poll in diesem Sommer beim Grand Prix in Hongkong den Adler auf der Brust.

Sieger fährt nach Rio

Nur der Sieger von Ankara löst direkt das Ticket für Rio. Der Zweite und Dritte bekommen eine zweite Chance beim Qualifikationsturnier in Tokio (15. Mai bis 5. Juni). „Das wird echt schwer“, sagt Poll mit Blick auf die anstehenden Aufgaben gegen die Niederlande, Türkei und Kroatien. „Es ist machbar, aber auch von der Tagesform abhängig.“ Man müsse zu 100 Prozent da sein und es müsse alles stimmen, denkt sie. Weiß aber auch: „Selbst wenn wir das schaffen würden, muss ich mich ja noch beweisen, um auch für Rio nominiert zu werden.“ Aber dass sie überhaupt von Olympia träumen darf, freut Poll natürlich. „Ich hätte nie im Leben dran geglaubt, dass das überhaupt passieren würde. So weit weg war das immer.“

Aktuell beim VT Aurubis Hamburg

Poll wechselte in diesem Sommer innerhalb der Bundesliga und schlägt seit dieser Saison für das Volleyballteam Aurubis Hamburg auf, nachdem sie zwei Spielzeiten für den deutschen Serienmeister Schweriner SC aktiv war. Der Wohlfühlfaktor spielte bei dem Wechsel eine maßgebliche Rolle, denn Polls Freund arbeitet in Hamburg im Asklepios-Konzern als Klinikmanager. Zudem kam Poll in Schwerin zuletzt überwiegend von der Bank, hatte dementsprechend weniger Spielanteile. „Ich hätte da bleiben können, hätte aber dieselbe Rolle gespielt“, sagt sie. Doch mit dieser Jokerrolle gab sich die 27-Jährige nicht zufrieden. „Ich wollte halt wieder spielen.“ Poll gilt als hervorragende Allrounderin, stark in der Annahme und im Block sowie nahezu fehlerfrei im Angriff. Wohl auch deshalb ihre Rolle als Bankspielerin.

Dass ihr neuer Klub aus Hamburg nicht zu den ersten Adressen im Frauen-Volleyball zählt, stört Poll nicht. Auch, dass im nächsten Jahr womöglich im Oberhaus die Lichter ausgehen, weil der Hauptsponsor aussteigt, nicht. Ihr gehe es primär darum, Spaß zu haben und sich wohlzufühlen, versichert Poll.

Playoffs noch möglich

Am vergangenen Sonntag kassierten die Hamburgerinnen gegen den Tabellennachbarn Köpenicker SC Berlin vor 1047 Zuschauern eine ernüchternde 0:3 (17:25, 23:25, 22:25)-Heimniederlage. Die achte Pleite im 12. Spiel. Die Playoffs scheinen derzeit weit weg. Trotzdem bleibt Poll gelassen: „Es ist ja gerade erst die Hinrunde vorbei. Wir haben also noch viel Zeit.“ Die Lage sei nicht hoffnungslos. „Wenn man zwei Spiele gewinnt, ist man wieder im Mittelfeld.“ Man habe die Spiele nicht sang- und klanglos verloren, sondern gut mitgespielt. Unter anderem gegen den USC Münster nur 2:3 verloren. „Die Liga ist seit Langem nicht mehr so eng gewesen wie im Moment.“ Die Homogenität ihres Teams mache auch fehlende Qualität wett, „weil das Team einfach funktioniert“.

Ans Aufhören denkt Poll noch nicht. Vielmehr will sie solange spielen „wie ich Spaß habe und mein Körper mitmacht“. Sie wolle sich nicht irgendwann mit Schmerzmitteln vollpumpen, um spielen zu können. Aber noch gehe es ihr gut, fügt sie hinzu.

Seybering jetzt in der Regionalliga

Dagegen ist für David Seybering Rio 2016 aktuell geografisch und sportlich weit weg. Der in Emsbüren geborene 20-Jährige ist im November auf Empfehlung von Ex-MSC-Mittelblocker Ralf Bergmann vom Bundesligisten SVG Lüneburg zum Regionalligisten Moerser SC gewechselt. Seybering war bereits vor drei Jahren von den MSC-Scouts beobachtet worden. Doch eine Knieverletzung warf ihn in seiner Entwicklung zurück. Nach dem er sich wieder rangearbeitet hatte, bremste ihn eine Blinddarmoperation. Am letzten Samstag beim 3:0 (25:19, 25:13, 26:24) gegen den PTSV Aachen fehlte Seybering allerdings aus gesundheitlichen Gründen. Moers strebt nach Höherem. „Unser Ziel ist es, höher als 3. Liga zu spielen“, sagte MSC-Präsident Günter Krivec in der WAZ. Möglichst in zwei Jahren will der Verein in der 2. Liga mitmischen. Realisiert werden soll dieses Ziel aber nicht mit Halbprofis aus dem Ausland, sondern mit Talenten. Seybering studiert an der Universität Duisburg/Essen im Studiengang Wirtschaftsingenieur mit dem Schwerpunkt Energie und Wirtschaft.