Emotionaler Ausnahmezustand Traumhaft: Schneiders aus Meppen holt Handballtitel

Von Uli Mentrup | 08.06.2018, 20:30 Uhr

Für Josefine Schneiders hat sich der Traum erfüllt: Sie hat mit den A-Jugend-Handballerinnen von Bayer Leverkusen die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Emotionen pur nach einem hochdramatischen Finale, das erst nach Siebenmeterentscheidung beendet wurde. „Ich kann es immer noch nicht fassen“, sagt die aus Meppen stammende Sportlerin nach dem emotionalen Ausnahmezustand.

Am Tag nach dem Titelgewinn fragte sich Josefine Schneiders beim Blick auf die Bilder aus Buxtehude: „Ist das wirklich passiert oder habe ich das nur geträumt?“ Es ist Realität. „Aber es ist noch nicht im Kopf angekommen.“ Denn dieses Finale war an Spannung kaum zu überbieten. Nach zwei Spielen an zwei Tagen waren die Handballerinnen vom Gastgeber und Titelverteidiger Buxtehude, aber auch vom Vorjahres-Vizemeister Leverkusen physisch und psychisch am Limit.

Entscheidung nach Siebenmeterwerfen

Denn auf das 22:22 (10:8) trotz zwischenzeitlicher 20:14-Führung (!) folgte die Verlängerung (23:23, 25:25) und dann das nervenaufreibende Siebenmeterwerfen. Nach den ersten fünf Würfen hieß es immer noch unentschieden. Es ging im Duell Spielerin gegen Spielerin weiter. Die Entscheidung fiel mit dem 16. Wurf. Leverkusen hatte gewonnen.

Nicht mehr hingeschaut

Schneiders erkannte es erst am Jubel. Denn bei den letzten Siebenmeterwürfen mochte sie gar nicht mehr hinschauen. „Es ist so eine Last von mir abgefallen“, erinnert sie sich. In der Halle sackte sie auf die Knie. „Es war so unglaublich.“ Danach wurde die Mannschaft, die nach 2013, 2014 und 2015 den vierten Titel feierte, mit Trophäe und Medaillen ausgezeichnet. Nach einem Essen mit Familie, Freunden und Sponsoren ging es noch am Abend zurück nach Leverkusen.

Für Schneiders ein unvergessliches Erlebnis. Sie war schlicht überrascht, wie oft sie schon am nächsten Tag auf den Titelgewinn angesprochen wurde. „Das hätte ich nicht gedacht.“

Knapper Sieg im Halbfinale

Schon im Halbfinale gegen die HSG Blomberg-Lippe siegte Leverkusen knapp mit 24:22 (10:9). Leverkusen bewährte sich als Mannschaft gegen einen Gegner, bei dem zwei Nationalspielerinnen mit Erstligaerfahrung den Takt vorgaben. „Wir waren das bessere Team, haben gemerkt, was man als Einheit bewegen kann“, erklärt Schneiders.

Neuauflage des Vorjahresfinals

Beim Finale, der Neuauflage des Vorjahres, ließen im Laufe des Spiels bei beiden Mannschaften die Kräfte nach. So lief es genau auf das Siebenmeterwerfen hinaus, das Leverkusen unbedingt vermeiden wollte. „Buxtehude hat in den letzten Jahren meist die besten Torhüterinnen des Turniers gehabt“, wusste Schneiders, die selbst nicht werfen wollte. Das hatte sie ausgeschlossen. „Ich habe riesigen Respekt vor denen, die geworfen haben“, stellt sie fest.

Gänsehaut bei der Nationalhymne

Gänsehaut pur hatte die 18-Jährige, die beim TV Meppen das Handballspielen lernte, als nach dem Einlaufen in die Halle die Nationalhymne gespielt wurde. „Alle haben mitgesungen.“ Überwältigend war auch die Kulisse. „Vor 1300 Zuschauern habe ich noch nie gespielt. Und 1000 waren gegen uns.“ Doch Schneiders, die im Vorfeld von Mannschaften des TV Meppen aufmunternde Videos erhalten hatte, bekam auch in der Halle emsländische Rückendeckung. C- und B-Jugend-Teams vom TVM feuerten Schneiders und Leverkusen an und freuten sich nach dem Sieg über die Meisterschaft.