25:23 nach 7-Tore-Rückstand HSG Nordhorn-Lingen dreht Spiel gegen Rostock

Von Mirko Nordmann | 21.12.2014, 18:23 Uhr

Stille Nacht ist erst Mittwoch. Am Samstagabend brannte im Nordhorner Euregium der Baum, als der Handball-Zweitligist HSG Nordhorn-Lingen ein schon fast verlorenes Spiel gegen den HC Empor Rostock drehte und nach einem zwischenzeitlichen 7-Tore-Rückstand beim 25:23-Erfolg den siebten Sieg in Folge feierte.

Die verflixte Sieben! Fast wäre die Siegesserie der HSG nach sechs Spielen gerissen. Da passte es ins Bild, dass der höchste Rückstand der Mannschaft von Trainer Heiner Bültmann beim Stand von 11:18 in der 39. Minute sieben Tore betrug. Zu diesem Zeitpunkt hatten wohl nur die wenigsten der 1853 Zuschauer im Euregium an ein Happy End geglaubt.

Die Partie hatte eigentlich ganz gut begonnen für das Zwei-Städte-Team. Gegen die 4-2-Deckung der Rostocker spielte die HSG konzentriert und wartete mit viel Bewegung auf die passende Abschlussmöglichkeit. Als die Gäste in der 10. Minute beim Stand von 5:4 für Nordhorn-Lingen die Abwehrtaktik wechselten und den Kreis mit einer 6:0-Formation dicht machten, bekam die HSG Probleme. „Ich habe das eigentlich anders herum erwartet“, berichtete Bültmann.

Die Hausherren agierten in der Offensive zu ideenlos und schlossen ihre Angriffe zu überhastet ab. Auch bei Gegenstößen gelang der HSG zu gut wie gar nichts. Anders die Rostocker, die immer wieder durch den slowakischen Nationalspieler Patrik Hruscak zu Toren kamen. Gegen die Geschosse des 2,06 Meter großen Rückraumhünen war HSG-Keeper Björn Buhrmester häufig machtlos. So war die 13:10-Halbzeitführung für die Ostseestädter vollkommen verdient.

Die Hoffnung auf eine glückliche Wendung zugunsten der HSG bekam zu Beginn des zweiten Durchgangs einen Dämpfer, als Rostock auf 18:11 davonzog. In dieser Phase gelang dem Gastgeber gar nichts. Einfache Ballverluste, Fehlpässe und ein vergebener Siebenmeter von Bobby Schagen, der bis dahin keinen Treffer aus dem Spiel heraus erzielt hatte. „Wir hatten 40 Minuten keinen Flow in unserem Spiel“, erkannte Bültmann, „Dinge, die in den letzten Wochen immer geklappt haben, haben nicht funktioniert.“

Dann zeigte der HSGCoach, dass auch er ein Taktikfuchs ist. Bültmann ließ seine Außen offensiv verteidigen und störte so den Rostocker Spielaufbau schon an der Mittellinie. Am Kreis wurde in doppelter Manndeckung verteidigt. „Wir mussten im ‚Vier gegen Vier‘ extrem viel arbeiten“, berichtet Bültmann. Das Risiko zahlte sich aus. Der starke Alex Terwolbeck und Nicky Verjans brachten die HSG mit ihren Treffern in Schlagdistanz, ehe Schagen mit vier Toren in Folge für den 20:20-Ausgleich sorgte. Die Entstehung von Schagens Treffer zum 19:20 war für Bültmann „die Szene, die das Spiel beschreibt. Zunächst wehrte Buhrmester einen Gewaltwurf von Tom Wetzel mit dem Gesicht ab. Nach Buhrmesters schmerzhaftester seiner 19 Paraden landete der Ball bei Schagen, der den Gegenstoß erfolgreich abschloss. Spätestens beim Führungstreffer von Terwolbeck zum 23:22 in der 55. Minute – es war die erste HSG-Führung seit der 10. Spielminute – stand das Euregium kopf. In der Schlussphase behielten Pavel Mickal (mit Kempa-Trick) und Verjans kühlen Kopf und machten den Sieg perfekt. „Die Mannschaft hat gezeigt, was sie für eine Siegermentalität hat. In den letzten 20 Minuten hat alles geklappt“, war Bültmann angetan von der Leistung seines Teams im letzten Spieldrittel, „das war Gänsehautatmosphäre.“