Faustball-DM 2021 TV Brettorf überzeugt auf und neben dem Feld

Mit vollem Einsatz zu DM-Bronze: der TV Brettorf um Marcel Osterloh.Mit vollem Einsatz zu DM-Bronze: der TV Brettorf um Marcel Osterloh.
Rolf Tobis

Brettorf. Der TV Brettorf freut sich nach der Deutschen Faustball-Meisterschaft 2021 über einen Bronzerang und großes Lob für die Organisation des Turniers. Der Verein sieht es als "gelungene Generalprobe".

Ein Turnier, das Großes erwarten lässt: die Deutsche Feldmeisterschaft 2021 der Faustballerinnen und Faustballer. „Unter diesen Bedingungen so ein Turnier auszurichten“, damit habe sich der TV Brettorf auch einen DM-Titel verdient, lobte Ulrich Meiners, Präsident der Deutschen Faustball-Liga, den gastgebenden Verein zum Abschluss der zweitägigen Veranstaltung: „Großer Dank an alle, die das möglich gemacht haben.“ Der Chef des nationalen Dachverbands meinte die weiter schwierige Corona-Situation und den Dauerregen, der eigentlich erst zur Siegerehrung zu Ende ging. So erhielten die Männer des TSV Pfungstadt und die Frauen des TV Jahn Schneverdingen Goldmedaillen und Siegerpokale sogar bei Sonnenschein. Die Männermannschaft des TVB bejubelte derweil einen unerwarteten dritten Platz, auch Rang vier des Frauenteams sorgte für strahlende Gesichter.

TV Brettorf ist auch 2022 DM-Gastgeber

Im Männer-Feld belegte der TSV Hagen 1860 den zweiten Platz. Bei den Frauen ging Silber an den TSV Dennach, Bronze an den TSV Calw. Der Ahlhorner SV, als Titelverteidiger ins Rennen gegangen, war im Qualifikationsspiel an Dennach gescheitert. „Das waren zwei wunderbare Tage mit hochklassigem Faustballsport“, bilanzierte der TVB-Vorsitzende Helmut Koletzek: „Die Generalprobe ist gelungen, doch für nächstes Jahr haben wir noch Steigerungspotenzial.“ Die DM 2022 wird am 27. und 28. August ebenfalls in Brettorf ausgetragen.

TVB-Männer sorgen für eine Überraschung

Rolf Tobis
Der TV Brettorf um Hauke Rykena (Mitte) und Vincent Neu (rechts) gewann das Qualifikationsspiel gegen den TV Käfertal.

Die Teams des gastgebenden Vereins sind für die DM gesetzt. Die beiden Sechser-Felder werden von den besten Mannschaften aus den Nord- und Südstaffeln der Bundesligen komplettiert, deren Sieger direkt für die DM-Halbfinals qualifiziert sind. Die junge Brettorfer Männermannschaft hätte sich als Zweiter im Norden nach einer pandemiebedingt verkürzten Saison aber auch sportlich ein DM-Ticket gesichert. Dennoch gehörte sie vor dem ersten Ballwechsel auf der heimischen Anlage am Bareler Weg nicht zu den heißesten Medaillenanwärtern. Schon im Qualifikationsspiel um einen Platz in der Runde der letzten Vier am Samstag gegen den Süd-Dritten TV Käfertal galt der TVB als Außenseiter. Doch die Brettorfer sorgten für eine der vielen Überraschungen am ersten Turniertag. Sie ließen sich in der auf drei Gewinnsätze angesetzten Begegnung von einem 0:1- und 1:2-Rückstand nicht aus der Spur werfen und siegten vor allem dank einer kämpferisch starken Vorstellung letztlich verdient mit 3:2 (8:11, 11:7, 9:11, 11:7, 11:6). 

Rolf Tobis
Voll konzentriert: das TVB-Team um Tom Hartung.

Titelverteidiger Pfungstadt am Rande der Niederlage

Im Halbfinale sah es lange so aus, als sollten die furios aufspielenden Brettorfer sogar eine Sensation schaffen. Sie trafen auf den Titelverteidiger Pfungstadt, der zehn der elf DM-Finals, die seit 2010 ausgetragen worden waren, erreicht – und alle gewonnen hatte. Erst nach fast zwei Stunden Spielzeit gab sich der TVB mit 2:3 (11:8, 7:11, 11:3, 5:11, 9:11) geschlagen. Entsprechend groß war die Erleichterung beim Favoriten, dessen Serie nur 2017 vom VfK Berlin unterbrochen worden war. „Das war richtig knapp, ein richtiges 50:50-Spiel. Das hätte auch anders ausgehen können“, sagte der Nationalspieler Jonas Schröter: „Wir sind heilfroh, dass wir es doch noch ins Finale gepackt haben.“

Brettorfer gewinnen Spiel um Platz drei

Rolf Tobis

„Ich bin megastolz auf die Truppe, die ich ja gerne meinen Kindergarten nenne.“Klaus Tabke, Trainer TV Brettorf

Den Brettorfern gelang es, die Enttäuschung bis zum Sonntag abzuschütteln. Sie spielten in der Begegnung um Platz drei gegen die Berliner TS (Dritter der Nordstaffel) genauso stark wie im Halbfinale. Hauke Rykena, Vincent Neu, Hauke Spille, Tom Hartung und Marcel Osterloh, die 2018 an gleicher Stelle Deutscher Meister der Altersklasse U18 geworden waren, boten in Abwehr und Angriff eine starke Leistung, sodass sie souverän mit 3:0 (11:5, 11:9, 11:7) gewannen. „Ich bin megastolz auf die Truppe, die ich ja gerne meinen Kindergarten nenne“, sagte der Brettorfer Trainer Klaus Tabke, zu dessen Kader auch Malte Hollmann und Moritz Cording gehörten. Tabke bot die jüngste Mannschaft des Turniers auf. „Das war richtig stark, was sie hier abgeliefert hat“, lobte der Coach und ergänzte: „In den Jungs schlummert noch mehr.“ Die Partie gegen Pfungstadt habe gezeigt, dass noch Routine fehlt: „Sie waren nicht abgebrüht genug. Nach dem 2:1 haben sie angefangen nachzudenken.“ Übrigens: 2011 hatte zuletzt ein TVB-Männerteam auf dem Feld DM-Medaillen gewonnen, damals waren es die silbernen.

Frauenteam des TV Brettorf sorgt für Überraschung

Dass zuvor bereits die TVB-Frauen im Spiel um Platz drei gestanden hatten, war noch unerwarteter. Sie hatten die Saison in der Nord-Staffel auf Rang sieben beendet, trafen am Samstag als DM-Ausrichter als klarer Außenseiter in der Qualifikation auf den Süd-Zweiten TV Segnitz. Die Brettorferinnen trumpften dann aber mächtig auf: Sie siegten mit 3:1 (11:9, 12:10, 5:11, 11:5) und zogen ins Halbfinale ein. „Unser Ziel war es, dieses Spiel unbedingt zu gewinnen. Auf diesem Center-Court – egal, wie viele heimische Fans dabei sind – und bei diesem Wetter will man unbedingt nochmal am zweiten Tag spielen“, sagte die TVB-Nationalspielerin Ida Hollmann. Der Europacupsieger und Nordmeister aus Schneverdingen war in der Partie um den Finaleinzug dann allerdings zu stark. Der TVB verlor mit 0:3 (5:11, 8:11, 9:11). 

Rolf Tobis
Wurde DM-Vierter: das Frauenteam des TV Brettorf um Laura Marofke.

Am Sonntag fanden die Brettorferinnen gegen Calw zu spät zu der Form, die ihnen den Erfolg über Segnitz gebracht hatte. So unterlagen sie dem amtierenden Hallen-Meister und Ersten der Süd-Staffel mit 1:3 (7:11, 4:11, 14:12, 10:12). „Natürlich hatten wir uns in der Bundesliga mehr Siege erhofft“, sagte TVB-Trainer Tim Lemke: „In den Wochen vor der DM hat das Team dann aber sehr gut trainiert. Und hier haben es die Mädels sehr, sehr gut gemacht.“ Und sie hätten wertvolle Erfahrungen für das nächste Jahr gesammelt. „Solche Spiele kannst du nicht trainieren. Daran wird das Team wachsen“, erklärte Lemke.

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Der TV Brettorf um Ida Hollmann zeigte starke Abwehrleistungen.

Ahlhorner SV scheidet nach spannender Partie aus

Rolf Tobis
Der Ahlhorner SV verlor im Qualifikationsspiel gegen den TSV Dennach.

Das Team aus Calw war wie der Ahlhorner SV an Dennach gescheitert. Der spätere Vizemeister verhinderte am Samstag in einer Fünfsatzpartie (8:11, 8:11, 11:8, 12:10, 7:11), dass der ASV den dritten Titel in Folge holte. Die Ahlhornerinnen, die den TSV im DM-Finale 2020 und beim Europacup 2021 mit 3:2 bezwungen hatten, machten im Qualifikationsspiel zwar 0:2-Satzrückstand wett. Sie führten dann im fünften sogar mit 5:4, ehe sie den Faden wieder verloren. „Gegen Dennach kann man schon einmal verlieren, das muss man anerkennen“, sagte ASV-Spielertrainerin Janna Köhrmann: „Letzten Endes war der TSV auf jeder Position einen Deut besser und hat das cool durchgezogen.“ Ihr Fazit fiel dennoch positiv aus. „Es war auf jeden Fall eine gute Saison für uns. Es war nicht leicht, wir haben uns durchgekämpft. Hier in Brettorf dabei zu sein, war für uns nicht selbstverständlich.“

Dunkelheit sorgt für Spielverlegung

Dennach bejubelte am Samstag noch einen 3:2 (11:7, 12:10, 6:11, 8:11, 11:9)-Erfolg: im Halbfinale über Calw. Das Team trug damit zu einem DM-Novum bei. DFBL-Präsident Meiners berichtete, dass erstmals ein Halbfinale auf den zweiten Turniertag verschoben werden musste, weil es zu dunkel wurde. Die Partie der Männer zwischen der Berliner TS, die ihr Qualifikationsspiel gegen Calw auch mit 3:2 gewonnen hatte, und dem Nord-Meister Hagen wurde nach Absprache mit den Beteiligten auf Sonntagmorgen verlegt. Der erste Turniertag hatte um 10 Uhr begonnen, es war inzwischen 18 Uhr geworden. Hagen gewann dann am Sonntag gegen Berlin mit  3:0 (12:10, 12:10, 11:4). Im Finale musste sich die Mannschaft trotz einer guten Leistung den überragend aufspielenden Pfungstädtern mit 0:3 geschlagen geben. Schneverdingen hatte zuvor das Frauen-Finale gegen Dennach mit 3:1 gewonnen.

2022 soll großes Faustball-Fest gefeiert werden

Rolf Tobis
Vincent Neu und seine Mitspieler vom TV Brettorf werden im August 2022 auf "ihrem" Platz am Bareler Weg erneut um die Deutsche Meisterschaft kämpfen.

Der TV Brettorf war zum zweiten Mal nach 2004 Ausrichter des DM-Finalturniers. Wegen der Corona-Situation hatte er ein Hygienekonzept ausgearbeitet, in dem unter anderen festgelegt worden war, dass sich maximal 800 Personen auf der Anlage aufhalten durften, die nachweisen mussten, dass sie geimpft oder genesen sind oder aktuell negativ auf eine Infektion getestet worden waren. Das Organisationsteam des Vereins um seinen Leiter Uwe Kläner hofft, dass Ende August 2022 ein großes Faustball-Fest mit mehreren Tausend Zuschauern und großem Rahmenprogramm gefeiert werden kann. Die Vorfreude darauf ist groß. „Wir kommen gerne wieder“, bestätigte Meiners.

Rolf Tobis


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