Handball-Oberliga HSG Delmenhorst schockt den TV Bissendorf-Holte

Von Klaus Erdmann

Überragend für die HSG Delmenhorst: Torwart Sönke Schröder. Archivfoto: Daniel NiebuhrÜberragend für die HSG Delmenhorst: Torwart Sönke Schröder. Archivfoto: Daniel Niebuhr

Delmenhorst/Bissendorf. Die Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst fügen dem TV Bissendorf-Holte überraschend die erste Niederlage zu.

Personelle Probleme und zuletzt 28:34 gegen den führenden TV Cloppenburg – es dürften nicht viele Handballfreunde gewesen sein, die vor dem Auftritt des Oberligisten HSG Delmenhorst beim zuvor ungeschlagenen Spitzenteam TV Bissendorf-Holte auf die Mannschaft von Jörg Rademacher gewettet hatten. „Ich glaube auch nicht, dass viele auf uns gesetzt hatten“, sagte der Cheftrainer des hiesigen Handball-Aushängeschildes am Sonntagabend lachend. Er hatte allen Grund zur guten Laune, denn sein Team erreichte in Bissendorf ein überraschendes 27:26 (12:10).

Trotz zwischenzeitlich deutlicher Führung verstand es die HSG, die Nerven ihrer Anhänger zu strapazieren. Noch in der 51. Minute lagen die Gäste mit 24:19 in Führung. Bissendorf-Holte verkürzte den Abstand mehr und mehr und in den letzten dreieinhalb Minuten erreichte die Spannung ihren Höhepunkt. Im Anschluss an Frederic Oetkens 26:24 für die HSG verwandelte Steffen Brüggemann einen Siebenmeter für die Hausherren mit zweieinhalb Minuten auf der Uhr. Bissendorf nahm 55 Sekunden vor dem Ende eine Auszeit und glich durch Louis Kamp 37 Sekunden später aus. Mit einem Freiwurf, der noch abgefälscht wurde, gelang Jörn Janßen drei Sekunden vor Schluss der entscheidende Treffer. Janßen traf 13-mal und erzielte damit fast die Hälfte der Delmenhorster Tore.

Keeper Sönke Schröder überragend

Rademacher hatte auf die verletzten Tim Coors, Torben Sudau und Marcian Markowski verzichten müssen. Keeper Bassam Farasha stand nur bei einem Siebenmeter zwischen den Pfosten. Ansonsten hütete Sönke Schröder, der eine herausragende Leistung zeigte, das Tor. „Es war sensationell, welche Bälle er weggefangen hat“, lobte der Coach.

Rademacher bot eine variable Mannschaft auf, die die Vorgaben gut umsetzte. Ob 3-2-1- oder 6:0-Deckung – der Außenseiter stellte den Favoriten wiederholt vor Probleme. Die Delmenhorster, die lediglich mit 0:1 und 1:2 zurück lagen, bestimmten von Anfang an das Geschehen und gingen sehr diszipliniert zu Werke. Sie bauten den Vorsprung kontinuierlich aus, mussten Bissendorf bis zur Pause jedoch wieder herankommen lassen (10:12).

Belohnung: trainingsfrei

Über 18:13 kam die HSG in der 45. Minute zu einem 22:15-Vorsprung. „Für mich war klar, dass der Gegner noch mal zurückkommt“, so Rademacher. Die Schiedsrichter hätten bei der HSG wiederholt zu schnell Zeitspiel gepfiffen. „Trotzdem hat mein Team Geduld gezeigt. Das war aller Ehren wert“, kommentierte der Trainer diese Phase. Gleichwohl kam der TVBH, der immer wieder in Schröder seinen Meister fand und zuweilen auch unplatziert warf, heran und sorgte für Spannung. Doch in den letzten Sekunden brachte Delmenhorst den verdienten Erfolg unter Dach und Fach. Dank Janßen, der ab der 45. Minute in Manndeckung genommen wurde (Rademacher: „Auch das haben wir gut gelöst“). Der Trainer: „Dieser Sieg, der drei Sekunden vor Schluss erzielt wurde, ist natürlich glücklich, aber nicht unverdient. Und: Glück muss man erzwingen.“

Seine Mannschaft habe in der Offensive gut gespielt und den besseren Torhüter besessen. „Und“, fügte er hinzu, „sie hat gut gekämpft. Das macht mich sehr stolz.“ Die Belohnung bleibt nicht aus: Am heutigen Montag hat die Mannschaft trainingsfrei. „Wir müssen jetzt die Wunden lecken“, betont Rademacher. Angesichts der angeschlagenen und verletzten Spieler kommt die Pause nicht ungelegen. Die HSG bewirbt sich erst am 23. November wieder um Punkte und erwartet dann den VfL Fredenbeck.


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