Fußball-Oberliga Wie der SV Atlas Delmenhorst auf den Relegationsplatz kletterte

Von Klaus Erdmann

Ließen sich auch vom SC Spelle-Venhaus nicht aufhalten: Marek Janssen (Mitte), Tom Schmidt (rechts) und der SV Atlas Delmenhorst. Foto: Tammo ErnstLießen sich auch vom SC Spelle-Venhaus nicht aufhalten: Marek Janssen (Mitte), Tom Schmidt (rechts) und der SV Atlas Delmenhorst. Foto: Tammo Ernst

Delmenhorst. Der SV Atlas Delmenhorst ist neuer Zweiter der Fußball-Oberliga – und musste dafür einige Hürden überspringen.

„Die Mannschaft hat Zusammenhalt gezeigt.“ Key Riebau, Cheftrainer des SV Atlas, brachte es nach dem spannenden Spitzenspiel der Fußball-Oberliga auf den Punkt. Vorbildlicher Teamgeist bildete beim schmeichelhaften 1:0 (1:0) gegen den SC Spelle-Venhaus den Grundstein für den Erfolg. Vor nach Vereinsangaben 1200 Zuschauern präsentierten sich die ersatzgeschwächten Delmenhorster als Mannschaft, in der einer für den anderen kämpfte. Hinzu kam ein herausragender Schlussmann Malte Seemann, der einige Großchancen meisterte. Durch Marco Prießners Tor (45.+1) bleibt der SV Atlas als einziger Oberligist ungeschlagen und eroberte zum ersten Mal in dieser Saison Relegationsplatz zwei, weil der VfV Hildesheim seinen bisherigen Verfolger Heeslinger SC mit 3:1 bezwang.

Stütz meldet sich krank

Zu Beginn des Treffens mit dem SC Spelle-Venhaus, der beim SVA im Pokal-Achtelfinale Ende Juli mit 11:10 nach Elfmeterschießen gesiegt hatte, türmten sich beim Gastgeber personelle Probleme auf. Zu den bereits bekannten Ausfällen Marvin Osei („Ich hoffe, dass ich im nächsten Heimspiel wieder dabei bin“), Leon Lingerski, Oliver Rauh und Julian Harings gesellte sich der über Nacht erkrankte Florian Stütz. In der dritten Minute verletzte sich zu allem Überfluss auch noch Kevin Radke, für den Emiljano Mjeshtri kam. Radkes Posten übernahm Thade Hein, der erstmals in seiner jungen Karriere als rechter Außenverteidiger agierte. Teammanager Bastian Fuhrken bedachte Hein mit Lob und Trainer Riebau sagte: „Thade hat seine Sache gut gemacht.“ Der 20-Jährige gab sich bescheiden. „Es war ganz ordentlich“, sagte er und strahlte dabei über das ganze Gesicht.

Überragender Malte Seemann

Das „Tor des Tages“ fiel so: Nach einer Hereingabe von Jannik Vollmer ging Marek Janssens Versuch eines Fallrückziehers ins Leere – zum Glück für Atlas, denn so landete das Spielgerät bei Prießner, dem der entscheidende Treffer gelang (45.+1). Drei Minuten zuvor hatte Prießner – wie auch die Mannschaftskapitäne Nick Köster (SVA) und Torben Stegemann – nach einer Rudelbildung die Gelbe Karte gesehen.

Bei zwei weiteren Highlights der ersten Halbzeit stand Seemann im Mittelpunkt: In der 25. Minute lenkte er einen 30-Meter-Freistoß von Florian Hoff mit toller Parade zur Ecke und drei Minuten später wehrte er einen Schuss von Steffen Wranik ab.

In den ersten 20 Minuten nach der Pause ließ Atlas kaum etwas zu. Dann erhöhte der Gast den Druck. In der 70. Minute hatte Delmenhorst das Glück des Tüchtigen, als Wranik aus 18 Metern am Pfosten scheiterte, ehe Stegemanns Nachschuss neben dem Ziel landete. Danach erntete wieder der überragende Seemann verdienten Beifall. Zunächst behauptete er sich gegen Adrian Lenz per Fußabwehr (75.), ehe er bei einem Schuss von Wranik mit einer Faustabwehr den Ausgleich verhinderte (76.). Die letzte Gelegenheit bot sich dem eingewechselten Devin Isik, der das Gehäuse verfehlte (86.).

Charakterprobe bestanden

Die SVA-Macher wussten natürlich, bei wem sie sich zu bedanken hatten: Malte Seemann. „Das war die stärkste Torwartleistung, die ich im Stadion gesehen habe. Sensationell“, schwärmte Vorsitzender Manfred Engelbart. „Wir hatten einen gut aufgelegten Torwart“, betonte Riebau. Es sei das „erwartet mega schwere Spiel“ gewesen. Und: „Es war klar, dass wir uns das Ding nicht so erspielen, wie wir uns das sonst vorstellen.“ Es sei ein Sieg des Willens und der Leidenschaft. Der Gegner habe die besseren Chancen besessen. Riebau: „In der zweiten Halbzeit haben wir die Räume besser zugestellt.“

„Ich habe zuvor gesagt, dass dieses Spiel eine Charakterfrage ist“, sagte Stefan Keller, der beim SVA unter anderem für die Pressearbeit zuständig ist. Atlas hat sie beantwortet. In glänzender Art und Weise.


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