Fußball-Bezirksliga TuS Heidkrug gelingt Husarenstreich gegen SV Wilhelmshaven

Feierten das 4:1 – und später den verdienten Sieg: die Heidkruger Yanik Pietsch, Luca Reinhold und Torschütze Marvin Lohfeld (von links). Foto: Daniel NiebuhrFeierten das 4:1 – und später den verdienten Sieg: die Heidkruger Yanik Pietsch, Luca Reinhold und Torschütze Marvin Lohfeld (von links). Foto: Daniel Niebuhr

Delmenhorst. Aufsteiger TuS Heidkrug stößt den SV Wilhelmshaven überraschend von der Tabellenspitze der Fußball-Bezirksliga.

Fußball sollte ja eigentlich Spaß machen, die Männer in den quietschgelben Trikots sahen am Sonntag aber nicht aus, als hätten sie einen besonders vergnüglichen Nachmittag verbracht. Als die Quälerei endlich vorüber und die Bezirksliga-Tabellenführung verloren war, schlichen einige Spieler des SV Wilhelmshaven zwischen den Zuschauern hindurch in die Kabine, während andere noch auf dem Rasen knieten oder lagen und sich vermutlich fragten, was da schief gelaufen war. Nur ein paar Meter weiter, wie es im Fußball so ist, lieferte man sich beim TuS Heidkrug einen Wettstreit um das breiteste Grinsen, den schließlich Selim Karaca souverän für sich entschied. Nach dem verblüffenden und verdienten 4:2 (2:0)-Husarenstreich bekannte der Trainer: „Ich bin einfach mega-glücklich.“

Das lag erstens daran, dass seine Mannschaft das Tabellenende und die Abstiegsplätze verlassen hatte und dass der zweite Saisonsieg zweitens einer fürs Herz zumindest aller Heidkruger Fußball-Romantiker war – gegen einen Gegner mit großen Ambitionen und ganz anderen Möglichkeiten. Nicht umsonst hatte Wilhelmshaven in den drei Jahrzehnten seit dem letzten Duell immer eine oder mehrere Klassen höher gespielt. „Dass wir den SV Wilhelmshaven schlagen, ist kaum zu glauben. Diese Punkte hatte ich wirklich nicht eingeplant“, sagte Karaca.

Wilhelmshaven überrascht vom Widerstand

Dass der Delmenhorster Stadtteilclub dem Favoriten auf die Nerven gehen würde, war schon relativ früh klar. In der zweiten Minute vollendete Bennet Richardt einen recht einfachen Spielzug mit dem 1:0, was perfekt zur Heidkruger Taktik passte. Der TuS stand tief und sicher, Wilhelmshaven wirkte überrascht vom heftigen Widerstand und kam kaum einmal zwingend in den Strafraum. Dafür konterten die Gastgeber gefährlich und hatten das nötige Glück. In der 39. Minute sprang Wilhelmshavens Nicolas Heibült der Ball im Zweikampf mit Waldemar But nach einer Grätsche im Strafraum an die Hand, Niklas Bädjer verwandelte den Strafstoß zum 2:0.

Die Gäste setzten in der Halbzeit ein Zeichen und wechselten den 81-fachen Regionalligaspieler Hugo Magouhi ein, der zwar offenkundig angeschlagen war, aber trotzdem für Torgefahr sorgte. Wilhelmshavens Problem war allerdings die Unlust an der Abwehrarbeit, die in der 59. Minute zu Heidkrugs 3:0 führte. TuS-Stürmer Marvin Lohfeld setzte sich 30 Meter vor dem Tor gegen Michael Nagra durch, der dabei zu Boden ging. Weil kein anderer Verteidiger in der Nähe war, lief Lohfeld allein auf Gäste-Keeper Manuel Eden zu, der zunächst noch parierte. Lohfeld erlief aber den Abpraller und schob den Ball – weil noch immer kein Wilhelmshavener zu Hilfe geeilt war – fast schon achselzuckend ins leere Tor. „Das war schon etwas kurios“, fand Karaca.

Lohfeld mit entscheidenden Toren

Man musste den Gästen aber zugute halten, dass sie nie aufgaben. Marius Preisinger verkürzte nach einer Flank von rechts per Kopf in der 61. Minute, vier Minuten danach stellte Lohfeld mit einem Schuss ins lange Ecke und dem 4:1 den alten Abstand wieder her. In der Schlussphase versuchte Wilhelmshaven zunehmend ungestüm, noch eine Wende herbeizuführen und kam zehn Minuten vor Schluss durch einen von Alexander Rautenhaus verschuldeten Handelfmeter noch zum zweiten Tor. Magouhi verwandelte, leistete sich vier Minuten danach abseits des Balles aber eine Tätlichkeit gegen Heidkrugs Tom Köster, die nur mit Gelb bestraft wurde.

Heidkrug spielte die Zeit schließlich runter und jubelte über eine der größten Überraschungen in der bisherigen Bezirksliga-Saison. „Hut ab vor meinen Jungs. Die stärkeren Einzelspieler hat ohne Zweifel Wilhelmshaven. Aber wir waren heute besser“, sagte Karaca, dem auch die Unterstützung der 150 Zuschauer gefallen hat: „Seit ungefähr einem Jahr habe ich das Gefühl, dass sich die Stimmung im Verein geändert hat. Hier wächst gerade etwas zusammen.“


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