Verband zieht Antrag zurück Verschiebung der Handball-Regionalliga sorgt für Unmut

Die Handballer der HSG Delmenhorst hatten die Regionalliga im Visier – die es jetzt vorerst nicht geben wird. Foto: Lars PingelDie Handballer der HSG Delmenhorst hatten die Regionalliga im Visier – die es jetzt vorerst nicht geben wird. Foto: Lars Pingel
Lars Pingel

Delmenhorst/Hannover. Das Präsidium des Handball-Verbandes Niedersachsen zieht den Antrag auf Bildung einer Spitzenliga zurück – was nicht nur die HSG Delmenhorst erzürnt.

Jörg Rademacher ist kein Freund von halben Sachen, das dürften die Handballer der HSG Delmenhorst inzwischen wissen. Ihr Trainer scheuchte sie auch auf der Zielgeraden der Oberliga-Saison im Training noch gnadenlos durch die Halle, obwohl längst weder Aufstieg noch Klassenerhalt auf dem Spiel standen. Sondern nur die Frage, ob man nun Vierter, Fünfter oder Sechster wird.

Rademacher hatte vielleicht schon die kommende Saison im Kopf, in der gerade im Tabellenmittelfeld die spannendsten Kämpfe zu erwarten waren – schließlich sollte sich nur die halbe Liga für die geplante Regionalliga qualifizieren. Doch ziemlich überraschend hat sich der Handball-Verband Niedersachsen nun umentschieden: Während des Verbandstags in Hannover zog das Präsidium den Antrag auf Einführung einer Spitzenklasse zwischen Oberliga und 3. Liga zurück. In der Spielordnung wurde zwar die Einführung möglich gemacht, wann die in die Praxis umgesetzt wird, ist aber völlig unklar.

Regionen wollen mitbestimmen

Am Vorabend hatten sich die Vorsitzenden der Regionen, in die der HVN aufgeteilt ist, mit Teilen des Präsidiums getroffen und mehr Mitbestimmung gefordert. „Wir wollen uns intensiv mit einbringen“, sagte Wolfgang Sasse von der Handball-Region Oldenburg. Die Einführung einer Spitzenliga soll nun „ganzheitlich betracht werden“, wie HVN-Präsident Stefan Hüdepohl sagte, „konkret unterschieden in den Bereichen Frauen, Männer, Jugend und Schiedsrichterwesen.“

Bei etlichen Clubs sorgte das für Unmut. Rund 90 Prozent der Vereine in der Frauen-Oberliga, in der die HSG Hude/Falkenburg spielt, hätten sich laut dem Vizepräsidenten Spieltechnik, Jens Schoof, zuvor für eine Spitzenliga ausgesprochen. Auch in Delmenhorst ist man über die Rolle rückwärts erbost. „Das ist ein machtpolitisches Spielchen der Regionsfürsten“, sagte HSG-Vorsitzender Jürgen Janßen: „Wir haben uns alle darauf vorbereitet, auch bei der Personalplanung der Mannschaften. Die Spielordnung war auf eine Regionalliga ausgerichtet. Das ist für einen solchen Verband hochgradig peinlich.“


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