Jugendliche gegen Trainermangel Beim VfL Stenum trainiert der Nachwuchs den Nachwuchs

Sebastian Hanke

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Emre Somuncu, Tim-Luca Ihde, Simon Kösters, Jonas Breuer, Caroline Ekkenga und Jakob Lüers (von links) werden von Jessica Breuer (Mitte) bei ihrer Trainertätigkeit unterstützt. Es fehlen: Mika Behrens, Vivien Bredhorn und Marlon Rusch. Foto: Sebastian HankeEmre Somuncu, Tim-Luca Ihde, Simon Kösters, Jonas Breuer, Caroline Ekkenga und Jakob Lüers (von links) werden von Jessica Breuer (Mitte) bei ihrer Trainertätigkeit unterstützt. Es fehlen: Mika Behrens, Vivien Bredhorn und Marlon Rusch. Foto: Sebastian Hanke

Stenum. Bei den Fußballern des VfL Stenum sind neun jugendliche Trainer engagiert im Einsatz.

Im Jugendfußball darf man den VfL Stenum seit einigen Jahren ohne Übertreibung einen Vorzeigeverein nennen – der Club vom Kirchweg sahnt nicht nur regelmäßig Kreismeistertitel in der Halle und Topplatzierungen auf dem Feld ab, er setzt mit 22 Nachwuchsmannschaften auch in der Breite Maßstäbe. Teilweise mussten einzelne Teams schon Aufnahmestopps verhängen, um nicht von Interessenten überrannt zu werden – der klassische Fluch der guten Tat.

Allerdings hat man beim VfL für die im Fußball allgemein verbreitete Trainer-Knappheit seine eigene Lösung gefunden: Warum sollte man Nachwuchstrainer nicht auch in Nachwuchsmannschaften finden? Inzwischen gibt es in Stenum neun Jugendliche, die jüngere Teams betreuen, zwei weitere kommen wohl im Sommer dazu. Sie sind praktisch Teil eines Jobsharing-Konzeptes, koordiniert von Jessica Breuer. „Bei uns gibt es schon auch einen Mangel an Jugendtrainern“, sagt die 41-Jährige. Doch das kann durch das Stenumer Modell aufgefangen werden.

Jessica Breuer koordinert die Trainer

Und das funktioniert so: Die Betreuerin nimmt den jungen Trainern einfach alle organisatorischen Aufgaben ab. Breuer kümmert sich unter anderem um Spielerpässe, Turniere und den Spielbetrieb. Die Trainer können sich deshalb ausschließlich auf die Einheiten mit den Kids konzentrieren und ihnen das Fußballspielen ohne großen Nebenaufwand beibringen. „Das funktioniert ganz gut“, sagt der 16-jährige Emre Somuncu, der in der G-Jugend gleich zwei Mannschaften betreut – die G1 als Trainer, die G2 als Co-Trainer. Außerdem ist er selbst noch in der B-Jugend als Torhüter aktiv und fungiert als Schiedsrichter. „Der Sport macht einfach Spaß“, begründet Somuncu.

Trotz des Mangels an Trainern nimmt der VfL nicht jeden Interessierten an. „Wir im Verein haben genaue Vorgaben“, sagt Breuer. „Jeder muss ein Führungszeugnis abgeben“, was daran liegt, dass die Jungs und Mädchen „mit Kindern arbeiten“ und eine große Verantwortung haben. Jakob Lüers (15) trainiert gemeinsam mit Emre Somuncu die beiden G-Jugend-Mannschaften und stimmt zu. „Die Arbeit mit den Kindern ist nicht immer leicht. Man muss, so gut es geht, gerecht sein“, erklärt er. „Der richtige Umgang und viel Kommunikation sind da ein wichtiger Teil.“

Als 16-Jährige zur C-Lizenz

Auch die 17-jährige Swaantje Caroline Ekkenga ist dabei. Ekkenga spielt in der Damenmannschaft und betreut als Co-Trainerin die D-Mädchen. Allerdings kann sie sich auch vorstellen, eine Jungs-Mannschaft zu trainieren. „Wenn es irgendwann die Möglichkeit geben sollte, würde ich darüber schon nachdenken“, sagt sie. „Man muss sich nur durchsetzen können und dafür sorgen, dass man das Sagen hat.“ Allerdings möchte sie erst die Schule beenden und eventuell ein Auslandsjahr machen – alles weitere „kann dann kommen“. Zudem trainiert die 16-jährige Vivien Bredhorn als Haupttrainerin die G2 des Vereins. Jessica Breuer bemerkt: „Ich freue mich, dass Mädchen bei uns im Verein sind, die Lust auf so eine Aufgabe haben.“

Definitiv Lust haben Simon Kösters und Tim-Luca Ihde. Die beiden 15-jährigen haben die Ausbildung als „Junior-Coach“ beim Niedersächsischen Fußballverband (NFV) absolviert, der als Einstieg in die offizielle Trainer-Lizenz-Ausbildung des NFV gilt. Dabei lernen die Jugendlichen unter anderem, wie man mit Kindern umgeht und wie man sich verhalten soll, wenn es während des Sports zu einem Unfall kommt.

Gelegentliche Überschneidungen

Die Kosten für die Übernachtung in Barsinghausen hat dabei der Verein getragen, die Ausbildung bietet der Verband kostenfrei an. Mittlerweile trainieren die beiden Teenager gemeinsam die F1 und spielen zusammen in der B1 in der Bezirksliga. „Natürlich kommt es dann mal vor, dass sich Spiele überschneiden“, sagt Kösters. Dann besprechen sich die beiden Jungs und finden eine Lösung. „Ausfallen muss nichts“, so Ihde, der die organisatorischen Aufgaben sogar selbst erledigt. „Mein Vater war eine lange Zeit Trainer und hilft mir, falls mal Probleme auftauchen“, verrät der Junior-Coach. Sein Kumpel Simon Kösters erklärt allerdings, dass das „eher selten“ vorkommt: „Ich muss zugeben, dass er ein Organisationstalent ist.“

Einen Schritt weiter sind die 16-jährigen Jonas Breuer und Marlon Rusch. Im Sommer des vergangenen Jahres bestanden die Fußballbegeisterten die Prüfung zur C-Lizenz. In 40 Unterrichtseinheiten lernten die Schüler unter anderem „interessante Übungen“ (Jonas Breuer) für den Jugendfußball, aber auch wichtige pädagogische Leitlinien und das richtige Verhalten in der Zusammenarbeit mit den Eltern kennen. Marlon Rusch ist als Co-Trainer des erfahrenen Andre Brandt in der E4 aktiv. Jonas Breuer, Sohn von Jessica Breuer, trainiert mit Mika Behrens (18) die E5 und merkt an, dass der VfL Stenum ein „ziemlich besonderer Verein“ ist: „Es ist wie in einer Familie. Jeder hilft jedem.“


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