Fußball-Kreisliga TSV Ganderkesee spielt trotz Unkenrufen eine solide Saison

Byron Lee Garcia (rechts) ist mit zehn Treffern Ganderkesees bester Torschütze. Foto: Rolf TobisByron Lee Garcia (rechts) ist mit zehn Treffern Ganderkesees bester Torschütze. Foto: Rolf Tobis

Ganderkesee. Nach turbulenten Jahren kann Fußball-Kreisligist TSV Ganderkesee auf eine geruhsame erste Jahreshälfte 2019 hoffen. Als Bonus winkt das Finale im Kreispokal.

Im Sommer haben sie in Ganderkesee offenbar kurz über das Unaussprechliche nachgedacht. Seit Gründung der Kreisliga vor inzwischen 40 Jahren haben die TSV-Kicker nie in der Kreisklasse spielen müssen, manche haben vor der laufenden Saison geunkt, dass sich das bald ändern könnte – zumindest, wenn man Stephan Schüttel glauben mag. „Einige haben uns doch schon als ersten Absteiger gesehen“, sagt der Trainer – um befriedigt festzustellen: „Da wird für uns aber wohl nichts mehr anbrennen.“

19 Punkte  vor den Abstiegsrängen

Tatsächlich wäre schon ein Kollaps historischen Ausmaßes nötig, um die Ganderkeseer noch in Abstiegsgefahr zu bringen. 19 Punkte beträgt der Winter-Vorsprung auf die beiden Abstiegsplätze, als Tabellensiebter kann sich der TSV auf eine geruhsame erste Jahreshälfte 2019 freuen – und genau das tut dem Verein vermutlich am besten. Die Abteilung hat es in der jüngeren Vergangenheit nicht leicht gehabt: Viele Spieler sind gegangen, was sich nicht zuletzt in der Zahl der Mannschaften widerspiegelt. Vor dreieinhalb Jahren schickte der TSV noch fünf Herrenteams in den Spielbetrieb – und damit die meisten im Fußball-Kreis –, zwei davon sind noch übrig geblieben.

In der Jugend ist der einstige Vorzeigeclub vor allem in den höheren Jahrgängen schwer gebeutelt. 2016 kickten am Immerweg noch die A- und die B-Jugend in der Bezirksliga, heute gibt es keine A-Jugend mehr – und die B-Junioren spielen als Neunerteam in der Kreisklasse. Hoffnung gibt es aber: Immerhin hat Ganderkesee noch immer 18 Jugendmannschaften, drei davon im Mädchenbereich.

Sonntag erster Test

Die erste Herren als Aushängeschild spielt bisher eine grundsolide Saison mit 28 Punkten durch acht Siege, vier Unentschieden und sechs Niederlagen in 18 Partien und ist auch in den meisten Statistiken gehobener Durchschnitt. „Wir gehen ganz locker in die Rückserie“, sagt Schüttel. „Nach oben geht ja auch nichts mehr. Diese komfortable Situation können wir nutzen, um einige neue Dinge im taktischen und mannschaftlichen Bereich auszuprobieren.“

Am Sonntag läuft das Team an ungewöhnlicher Stelle zum ersten Testspiel auf. Die Partie gegen den Bezirksligisten SV Tur Abdin findet auf dem Kunstrasen des SV Hemelingen statt. Im Lauftraining sind die Spieler schon seit Anfang Januar wieder, ab Mitte Februar ist zweimal in der Woche ein Platz in einer Soccerhalle reserviert. „Wenn ich sie nur laufen lasse, dann kommt doch keiner mehr“, glaubt Schüttel.

Schon fünf Gegentore in der Nachspielzeit

Allerdings wäre die Arbeit an der Kondition durchaus angebracht, denn in der Schlussphase hatten die Ganderkeseer im ersten Saisonteil regelmäßig Probleme. Fünf Gegentore kassierten sie schon in der Nachspielzeit, weitere sieben in der Viertelstunde davor und zehn jeweils in der Schlussphase der ersten Halbzeit. Auffällig waren in der Endphase der Hinrunde auch die vielen Elfmeter gegen den TSV, vier waren es allein in den letzten vier Partien, die zwar mit dem 2:8 beim Ahlhorner SV endeten, in denen Ganderkesee aber trotzdem noch vier Zähler holte.

Wegen der lange gemäßigten Temperaturen im Herbst muss das Team um den besten Torschützen Byron Lee Garcia, wie die meisten Kreisligisten, nur noch zwölfmal antreten. Coach Schüttel macht bei aller Gelassenheit eine selbstbewusste Ansage: „Die zwölf Gegner müssen erst einmal gegen uns gewinnen.“

Seine Mannschaft, die im Winter weder Zu- noch Abgänge vermeldet hat, tanzt als einer von vier Kreisligisten noch auf zwei Hochzeiten und steht am 1. Mai im Kreispokal-Halbfinale gegen den Tabellenachten TuS Hasbergen. 2016 erreichte die zweite Mannschaft mal das Endspiel, ansonsten muss man schon tief in die Archive eintauchen, um Ganderkeseer Pokal-Heldentaten aufzuspüren – wie den legendären Triumph nach Elfmeterschießen gegen den VfL Stenum 1981. „Der Pokal ist wichtig für uns“, versichert Schüttel. „Mal sehen, was gegen Hasbergen so geht.“ Die beiden Ligaduelle hatte der TSV schon vor dem Jahreswechsel gewonnen.


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