Kommentar Der hässliche Schlussakkord einer EM, deren Idee gescheitert ist

Meinung – Susanne Fetter | 30.11.2021, 12:49 Uhr

Nach dem EM-Finale gab es rassistische Beleidigungen gegen die drei schwarzen englischen Fehlschützen. Es war der hässliche Schlussakkord eines Turniers, dessen Idee gescheitert ist. Dennoch brachte es auch Lichtblicke.

Der Kniefall, er war die Geste dieser Europameisterschaft, und kaum eine Mannschaft stand derart symbolisch für diesen Akt wie die englische. Ja, selbst als sie von einigen eigenen Fans beim Auftakt dafür angefeindet wurde, zog sie die Geste durch – um gegen Rassismus zu protestieren und für mehr Toleranz.

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Sollte es noch eines letzten Beweises bedurft haben, wie sehr unsere Gesellschaft diese Signale benötigt, im Anschluss an das Finale wurde er erbracht. In sozialen Netzwerken prasselte der Hass auf die drei schwarzen Fehlschützen ein. Bürgerrechtsorganisationen rieten Schwarzen in Großbritannien, nicht auf die Straße zu gehen. Und das alles, weil ein Fußball-Spiel verloren wurde.

Szenen, die keiner braucht

Diese EM endete mit einem hässlichen Schlussakkord. Schon vor dem Finale hatte es auf den Straßen von London und rund um das Wembley-Stadion Szenen gegeben, die keiner braucht. Prügeleien mit der Polizei, fliegende Feuerwerkskörper.

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Es sind nicht die einzigen Makel, die von dieser EM bleiben. Die Idee vom paneuropäischen Turnier ist gescheitert. Schon in normalen Zeiten wären Reisewege zu weit, wäre das Anbiedern der UEFA an die Autokraten in Aserbaidschan oder Ungarn fragwürdig gewesen. In Zeiten einer Pandemie aber verdichtete sich der Eindruck nur, dass hier ein Verband ein Konzept durchdrückte, koste es, was es wolle – vielleicht sogar Menschenleben?

Wieso nicht mal demütig sein, lieber Fußball?

Über 2500 Corona-Infektionen im Zusammenhang mit dieser EM verzeichnete die europäische Gesundheitsbehörde ECDC bereits. Die tatsächlichen Auswirkungen werden wir erst in ein paar Wochen sehen.

Statt demütig zu sein, dass dieses Turnier in diesen Zeiten überhaupt stattfinden kann, statt Vorsicht walten zu lassen bei der Zulassung von Zuschauern, zeigte der Fußball einmal mehr, was ihm am wichtigsten ist: er sich selbst.

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Dazwischen allerdings gab es einen Lichtblick in sieben schillernden Farben. Sie strahlten zwar nicht an der Arena in München, aber an vielen anderen Orten, an den Werbebannern einiger Sponsoren und den Armen mancher Spieler. Der Regenbogen und der Kniefall, auch sie werden bleiben von dieser EM. Wir können sie gut brauchen.