WM-Stichtag: Vor 48 Jahren am 17. Juni Deutschland - Italien 3:4: „In ewiger Ehre Siegern und Besiegten“

Von Udo Muras, Udo Muras | 17.06.2018, 09:00 Uhr

Wurde je über ein anderes Fußballspiel so viel geschrieben? Aber das ist ja auch klar, wenn es um das „Spiel des Jahrhunderts“ geht. Für alle, die von Deutschland gegen Italien nicht genug bekommen können…

Nie fielen in einer Verlängerung mehr Tore

Wenn ein Spiel ein Denkmal erhält und wenn es drei Jahrzehnte danach zum besten des Jahrhunderts gewählt wird, dann muss es von ganz besonderer Art gewesen sein. Es gab schon Tausende Spiele, in denen mehr Tore fielen als am 17. Juni 1970 im Azteken-Stadion von Mexiko City, wo am Ende ein 4:3 für Italien auf der Anzeigetafel stand – gegen Deutschland. Aber bis heute sind nie mehr Tore in einer WM-Verlängerung gefallen (fünf).

Kleine und große Dramen in der Gluthitze von Mexiko

Auch das allein macht es nicht so unübertrefflich; es waren die körperlichen Anstrengungen der Aktiven in Mexikos Gluthitze, die kleinen und die großen Dramen dieses Spiels, die vielen Wechselbäder der Gefühle – und das alles geschah in der Heimat zu mitternächtlicher Stunde.

„Ausgerechnet Schnellinger“, rief TV-Reporter Huberty

Deutschland erwachte jäh, als „ausgerechnet Schnellinger“ (wie TV-Kommentator Ernst Huberty ausrief), der Legionär beim AC Mailand, in der Nachspielzeit eine Grabowski-Flanke zum 1:1 über die Linie drückte. So kam es erst zur Verlängerung, zum größten WM-Drama aller Zeiten.

Unvergessliches Bild: Beckenbauer mit dem Arm in der Schlinge

Ein Bild hat es geprägt: Franz Beckenbauer mit dem Arm in der Schlinge, der einzige Ertrag, den ihm sein Sturz im Strafraum einbrachte. Der Schiedsrichter, Arturo Yamasaki aus Peru, versagte der DFB-Elf mehrere Elfmeter.

Das aberwitzige Kullerball-Tor von Gerd Müller

Verlängerung also: Deutschland führte durch Müller, durch ein aberwitziges Kullerball-Tor, das nur der Mann mit dem Torriecher hätte machen können. Huberty: „Wenn Sie je ein echtes Müller-Tor gesehen haben, dann jetzt!“

Gedenktafel am Stadion: „In ewiger Ehre den Siegern und Besiegten“

Deutschland lag zurück, Deutschland glich aus, wieder durch Müller – und bekam im Gegenzug, 14 Sekunden nach Wiederanpfiff, den Gnadenstoß. 3:4 – es war eine Niederlage und doch ein großer Sieg. Im Azteken-Stadion hängt eine Gedenktafel. Darauf steht: „In ewiger Ehre den Besiegten und Besiegern“.