Was Sie wissen sollten über… Zehn Fakten zum WM-Finale Deutschland - Argentinien

Von Susanne Fetter | 13.07.2014, 15:57 Uhr

Heute Abend 21 Uhr trifft die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Finale der Weltmeisterschaft auf Argentinien. Mit zehn interessanten Fakten stimmen wir Sie auf die Partie ein.

1. Die Bilanz: Einerseits sieht die gar nicht gut aus für Deutschland, andererseits kann das ziemlich gut sein. Denn gegen alle Gegner in der K.o.Runde hatte die DFB-Auswahl eine negative Bilanz – gegen Algerien, Frankreich und Brasilien. Und dreimal konnte das DFB-Team diese Statistik schon aufpolieren. Bislang steht es gegen Argentinien so: 20 Spiele, sechs Siege, fünf Remis und 9 Niederlagen. Das Torverhältnis ist ausgeglichen 28:28.

2. Die großen WM-Duelle: Sieben Stück zählt der Chronist, den Auftakt macht 1958 das 3:1 im ersten Gruppenspiel des Weltturniers in Schweden. In Malmö entzaubert die deutsche Elf den Favoriten mit 3:1 – Uwe Seeler erzielt sein erstes Tor, zweimal macht‘s der Boss, Helmut Rahn. Kurios: Der Schiedsrichters verbietet den Argentiniern ihre hellblau-weißen Trikots zu tragen. Die Südamerikaner spielen in gelben Hemden des Malmö FF. 1966 in Birmingham kommt es im Gruppenspiel zu einem hässlichen Getrete. 0:0 steht es und erstaunlicherweise fliegt mit José Albrecht nur ein Spieler vom Platz. 1974 trifft nicht die BRD, sondern die DDR auf die Südamerikaner. In vielen Statistiken vergessen, nicht bei uns. Beide Teams sind schon ausgeschieden und so endet das Spiel mit einem bedeutungslosen 1:1. Achim Streich erzielt sein 55. Länderspieltor – Rekord. 1986, das erste Finale, und was für eins! Gegen eine kämpferische deutsche Mannschaft verspielt Argentinien um ihren Superstar Diego Maradona eine 2:0-Führung. Karl-Heinz Rummenigge und Rudi Völler gleichen aus, Deutschland will den Sieg und läuft in einen Konter. Maradona bedient Jorge Burruchaga mit einem Traumpass. Kommentator Rolf Kramer brüllt in sein Mikrofon „Toni, halt den Ball “, doch Schumacher kommt nicht ran. 1990 ist es wieder ein Finale, diesmal in Rom und diesmal mit anderem Ausgang. Rudi Völler wird von Roberto Sensini gefoult, es folgt ein umstrittener Elfmeterpfiff und die Frage: Wer schießt? Lothar Matthäus passt, Andy Brehme springt ein und verwandelt sicher. Seitdem hat sich Deutschland immer durchgesetzt auch bei einer WM. 2006 wehrt Jens Lehmann im Elfmeterschießen des Halbfinales zwei Elfmeter ab, dank eines Zettels im Stutzen und guter Reaktionen. Am Ende steht ein 4:2. 2010 treffen sich die Teams bereits im Viertelfinale. Deutschland mäht über die von Diego Maradona trainierten Argentinier regelrecht hinweg. 4:0, Miroslav Klose trifft zweimal, das 4:0 macht Arne Friedrich. Das erste Tor erzielt ein gewisser Thomas Müller, vor dem Maradona kurz zuvor bei einer Pressekonferenz noch Reißaus genommen hatte. Müller? Wer ist das? Jetzt weiß er es. Fazit: Die deutsche WM-Bilanz gegen Argentinien kann sich sehen lassen: Sieben Spiele, vier Siege, eine Niederlage, zwei Unentschieden.

3. Der Vergleich in Brasilien: Den entscheidet die deutsche Mannschaft bisher eindeutig für sich. Mit 17 Treffern treffen Jogis Jungs alle 34 Minuten bei dieser WM. Im Vergleich dazu kommt das Team von Alejandro Javier Sabella nur auf acht Tore in sechs Spielen, ist damit also nur alle 75 Minuten erfolgreich. Deutschland bringt 82 Prozent aller Pässe an, Argentinien 78. Die deutsche Mannschaft gab allerdings mit 3421 Pässen knapp 500 mehr als die Argentinier. Die DFB-Auswahl läuft zudem 116 Kilometer pro Spiel, die Argentinier 2,4 Kilometer weniger. Auch die Länderspielerfahrung ist in der deutschen Mannschaft größer: Die Anfangsformation im Halbfinale kam zusammen auf 730 Länderspiele, Lionel Messi und Co. haben 235 weniger. Die Albiceleste musste in der Ko-Runde zweimal in die Verlängerung und gegen die Niederlande sogar ins Elfmeterschießen. Deutschland musste nur im Achtelfinale gegen Algerien über 120 Minuten gehen. Was man eingestehen muss: Für die DFB-Auswahl in der Gruppe gegen Ghana ein Unentschieden (2:2), Argentinien siegte dreimal. Beim Teamwert ist die deutsche Mannschaft allerdings wieder vorn, auch wenn Messi alleine schon 120 Millionen Euro wert ist. Doch insgesamt liegt der Marktwert des argentinischen Kaders bei 305 Millionen Euro, der des deutschen bei 466,2 Millionen Euro.

4. Teilnahme an WM-Finals: So oft wie Deutschland stand noch kein Team in WM-Endspielen. Zum achten Mal läuft das Team am Sonntagabend im Maracana in einem WM-Finale auf. Drei Titelgewinnen (1954, 1970, 1990) stehen vier Niederlagen (1966, 1982, 1986, 2002) gegenüber. Bei Argentinien ist die Bilanz ausgeglichen. Zwei Siegen (1978, 1986) stehen zwei Niederlagen (1930, 1990) gegenüber.

5. Der erste Argentinier in der Bundesliga: Mit Frau und Tochter kam Ricardo-Horacio Neumann 1972 nach Köln und bezog eine kleine Wohnung in Hürth-Efferen. Der damals in Buenos Aires lebende Sportjournalist und Fußballtrainer Fritz Hack hat den beidfüßigen Linksaußen zum FC vermittelt. In seiner Heimat hatten sie Neumann nur „El Tanque“ (der Panzer) genannt – wegen seiner blonden Haare. 100 000 D-Mark zahlte der Bundesligist für den gelernten Bäcker. „Wenn er so gut spielt, wie er aussieht, dann muss er ein guter sein“, sollen seine neuen Mitspieler über den langmähnigen Argentinier damals gesagt haben. Und der wünschte sich vor allem zwei Dinge: Einen Volkswagen und einen Farbfernseher. „Bis Neumann stolzer Autobesitzer wurde, chauffierte ihn Teamkollege Heinz Simmet“, heißt es in der Spieler- und Trainerchronik „Mit dem Geißbock auf der Brust“. Am 16. Dezember 1972 gab Neumann sein Bundesligadebüt beim 2:1-Sieg gegen den FC Bayern. Einen Monat später beimn 5:1 gegen den VfB Stuttgart schoss er sein erstes Tor. Nur ein zwei weitere Pflichtspieltreffer folgten noch, eines in der Liga, eines im Pokal. Insgesamt 16 Bundesliga-Spiele absolvierte er für den FC in zwei Jahren. In Argentinien hatte er Metropolitano 1969 zur Meisterschaft geschossen, doch in Deutschland setzte er sich nie so richtig durch, auch weil einige Verletzungen immer wieder zurückwarfen und ein Autounfall im Februar 1973 im gerade erst selbst gekauften VW. In seinem dritten Jahr wechselte er zum korsischen Klub SEC Bastia. Nach seinem Karriereende absolvierte er eine Ausbildung zum Altenpfleger. Am 29. Mai 2008 verstarb Neumann an den Folgen eines Herzinfarktes im Alter von 61 Jahren.

6. Alle Argentinier in der Bundesliga: Insgesamt 36 – Neumann mit eingerechnet – kickten bislang in der höchsten deutschen Spielklasse. Fünf waren es in der vergangenen Spielzeit: Mit Garcia Santiago und Franco di Santo waren beim SV Werder Bremen gleich zwei Argentinier unter Vertrag. Garcia Santiago erzielte in 22 Spielen drei Tore, Franco di Santo traf viermal in 23 Partien. David Abraham erzielte für die TSG Hoffenheim letzte Saison in 29 Partien 2 Tore, Raúl Bobadilla kam in Augsbug in 17 Partien auf drei Treffer. Javier Pinola ist mittlerweile ein Urgestein beim 1. FC Nürnberg. Insgesamt 225 Spiele hat er bereits für die Franken absolviert, trat mit ihnen sogar den Weg in die 2. Liga an. Nach der Karriere in Deutschland geblieben ist unter anderem Rodolfo Esteban Cardoso, der kürzlich vom HSV als Trainer der U23 entlassen wurde. Er zählt neben Martin Demichelis (Bayern München), Zarate (Nürnberg), Diego Placente (Leverkusen) und Diego Fernando Klimowicz (Wolfsburg) zu den bekanntesten.

7. Ein Argentinier mit deutschem Pass: Er hat einen deutschen und einen italienischen Pass, aber in der A-Nationalmannschaft gespielt hat er für Argentinien, das Land, in dem er geboren wurde. Gabriel Heinze, dessen Vater Wolgadeutscher ist und dessen Mutter aus Italien stammt, trat sowohl 2006 als auch 2010 im Kader der argentinischen Nationalmannschaft und scheiterte beide Male an Deutschland. 2006 war er mittendrin im Getümmel nach einer rüden Attacke von Leonardo Cufré an Per Mertesacker. Der Argentinier war dem Deutschen mit voller Wucht in den Unterleib getreten, danach gab es eine heftige Rudelbildung auf dem Feld. Sogar der damalige Nationalmannschaftssprecher Harald Stenger rannte auf den Platz, um zu schlichten. Er hielt den wutschnaubenden Heinze fest, der gerade auf Manager Oliver Bierhoff losgehen wollte. Auch Chrisian Dollberg hatte deutsche Wurzeln, wurde aber 1972 in Buenos Aires geboren. Wegen seines deutschen Passes fiel er allerdings nicht unter die Ausländerregelung. 1995 verpflichtete der 1. FC Köln den Abwehspieler. Er absolvierte nur 14 Spiele für den FC. Dollberg, so schrieb der Kölner Stadtanzeiger, sei „der einzige lebende Argentinier ohne Ballfertigkeit.“

8. Rudolf Kreitlein und die Argentinier: 1966 hatte der Schneidermeister Rudolf Kreitlein alle Mühe das brutale Viertelfinale zwischen England und Argentinien in den Griff zu bekommen. Der 1,69 Meter große Schwabe will den Argentinier Rattin vom Platz stellen. Der ist 30 Zentimeter größer als Kreitlein und weigert sich sieben Minuten lang den Platz zu verlassen. Unter Polizeischutz wird Kreitlein nach dem Spiel vom Feld geführt. Der englische Trainer Alf Ramsey verhindert mit vollem Körpereinsatz, dass seine Spieler vor den Augen der Queen mit „diesen Tieren“ das Trikot wechseln. Auch beim deutschen Sieg gegen Urugay gab es Probleme, zwei Südamerikaner des Platzes zu verweisen. Danach hatte Schiedsrichter-Boss Ken Aston eine Idee. Beim Warten an einer Ampel sah er die Farben gelb und rot. Er besprach sie mit Kreitlein, der den Vorschlag an die FIFA weiterleitete. Vier Jahre später kamen die bunten Karten zum ersten Mal zum Einsatz.

9. Rekordweltmeister: Im Fußball liegt Brasilien mit fünf Titel klar in Führung. Da können weder Deutschland noch Argentinien mit einem Sieg vorbeiziehen. Im Polo ist Argentinien aber Rekordweltmeister. Viermal gewann die Auswahl bereits den Titel, der erst seit 1987 ausgespielt wird, auch im letzten WM-Finale 2011 bezwangen die „Gauchos“ Brasilien mit 12:11. Auch Deutschland ist Rekordweltmeister. Michael Schumacher gewann siebenmal die Formel 1.

10. Das Gesetzt der Serie: Brasilien hat seinen vierten WM-Titel 1994 exakt 24 Jahre nach seinem dritten errungen. Italien feierte exakt 24 Jahre nach seinem dritten Coup 2006 in Deutschland den vierten Titel. Die deutsche Mannschaft errang ihren dritten Titel 1990 – Taschenrechner raus! Genau, vor 24 Jahren. Die Zeit ist reif wie nie.

Und was muss man sonst noch wissen? Wir haben kuriose WM-Zahlen zusammengestellt...