Von Herbstmeister bis „Eierkopp“ Nach dem 16. Spieltag: Darüber spricht die Bundesliga

Von Patrick Eckholt | 14.12.2015, 00:36 Uhr

 Die Bundesliga biegt auf die Zielgerade des Jahres 2015 ein! Auch kurz vor der Winterpause, am 16 Spieltag, ereigneten sich zahlreiche Höhepunkte: Sehenswerte Tore inklusive einem packenden Last-Minute-Treffer und einem Dreierpack, ein frisch gebackener Herbstmeister und kuriose Sprüche.

Sie ist ihnen nicht mehr zu nehmen, der FC Bayern München hat sich die Herbstmeisterschaft gesichert. Und das zum fünten Mal hintereinander, zum 21. Mal insgesamt. In 17 Fällen holten die Münchner am Ende die Meisterschale.

Pep kopiert den Zettel Doch der Weg zu dieser Herbstmeisterschaft wurde auf der Zielgeraden noch einmal holprig. Der FC Ingolstadt hielt bis zur 64. Minute in der Allianz Arena die Null und hatte sogar Möglichkeiten, die Führung bei den zu Hause noch ungeschlagenen Münchnern zu erzielen. „Hier hat noch keine Mannschaft so gespielt, wie wir“, sagte FCI-Trainer Ralph Hasenhüttl nach dem Spiel gegenüber dem ZDF-Sportstudio. „Sie haben ein bisschen gespielt wie wir“, fügte FCB-Kapitän Lahm im Interview mit dem Pay-TV-Sender Sky hinzu.

Am Ende platzte der Knoten: Robert Lewandowski erzielte die Führung für die Münchner und Philipp Lahm, der erstmals seit Oktober 2014 wieder traf, machte den Deckel drauf. Entscheidend war jedoch eine Szene beim zwischenzeitlichen Stand von 0:0. Pep Guardiola reichte Kapitän Lahm während eines Einwurfs einen Notizzettel – mit taktischen Umstellungen. Die Maßnahme trug Früchte. „Der Trainer hat geschrieben, dass ich ein Tor machen soll“, witzelte Lahm im Interview mit Sky.

Die Bundesliga-Zuschauer erlebten bei dieser Szene ein Déjà-vu: Gladbachs Trainer Andre Schubert hatte so zwei Wochen zuvor mit der Borussia aus Mönchengladbach ein 3:3 bei der TSG 1889 Hoffenheim erzwungen. „Er hat gewonnen, wir müssen gewinnen, deswegen sollte das jeder Trainer machen“, sagte Bayern-Trainer Pep Guardiola auf der Pressekonferenz nach dem Sieg. Die Münchner hatten dieses Zitat getwittert, worauf die Gladbacher mit einem Zwinkern antworteten: „Wir korrigieren Pep nur ungern, aber bei uns haben die Zettel in Hoffenheim nur zu einem Unentschieden gereicht.“ Im Sport 1 Doppelpass wunderte sich Kommentator Hansi Küpper: „Warum ist in den 50 Jahren zuvor keiner darauf gekommen?“

„ChichariTOR“ schießt BMG ab, Kießling-Zukunft ungewiss Am vergangenen Wochenende trugen sich die Gladbacher als erster Bayern-Besieger in den Spielplan dieser Bundesliga-Saison ein. Trotz des grünen Glückspullovers hat aber auch die historische Schubert-Serie ein Ende. 0:5 verloren die Gladbacher das Rheinduell im benachbarten Leverkusen , zugleich war es die erste Bundesliga-Niederlage für Schubert mit der Borussia in der Bundesliga. Zwei Spieler standen dabei ganz besonders im Fokus! Chicharito, oder wie die Bild-Zeitung schrieb „ChichariTOR“, erzielte einen Dreierpack, Stefan Kießling schnürte einen Doppelpack. ZDF-Kommentator Oliver Schmidt kommentierte die Szenen als „deutsch-mexikanische Kombination“ und fügte mit Bezug auf Kießling die Formulierung „vom Bankdrücker zum Torjäger“ hinzu.

„Nach den letzten Spielen haben alle nicht mit uns gerechnet. Wir sind jetzt aber auch nicht die besten“, bremste Chicharito die Euphorie ein wenig. Bayers Sportdirektor Rudi Völler lobte nach der Niederlage bei Hertha BSC und dem Aus in der Champions League, die Maßnahmen von Trainer Roger Schmidt: „Intern wird alles brutal angesprochen, das hat er gut gemacht.“

Fraglich ist jedoch, ob Kießling auch in Zukunft für die Werkself auf Torejagd gehen wird. Shakehands und Umarmungen: Nach dem Spiel nahm er sich extra viel Zeit für die Fans, ging in die Kurve und bedankte sich innig bei den Anhängern der Werkself. „Ich bin seit zehn Jahren hier. Dass ich den Verein liebe, weiß jeder“, so Kießling bei Sky. Experte Lothar Matthäus hakte nach, wie realistisch ein Verbleib sei. „Wir werden sehen, ich werde mir Gedanken machen“, ließ Kießling seine Zukunft offen. Ein klares Bekenntnis hört sich anders an

„Eierkopp“, Aufholjagd und Last-Minute-Tor Doch auch auf den anderen Plätzen ging es heiß her. Im Spiel zwischen dem SV Werder Bremen und dem 1. FC Köln (1:1) , musste FC-Manager Jörg Schmadtke auf die Tribüne, da er Schiedsrichter Guido Winkamnn als „Eierkopp“ bezeichnet hatte. „Im Rheinland, da wo ich herkomme, gehört Eierkopp nicht zur Form der Beleidigung“, verteidigte sich der in Düsseldorf-Eller geborene Schmadtke.

 Beim 1:1 zwischen dem VfL Wolfsburg und dem Hamburger SV gab es Diskussionen aufgrund eines Fouls von Pierre-Michel Lasogga an Dante. „Lasogga kann von Glück reden, dass er nicht vom Platz gefolgen ist“, moderierte Katrin Müller-Hohenstein die Situation im Aktuellen Sportstudio. Lasogga konterte zuvor im ZDF-Interview: „Wir sind ja nicht beim Schach.“

Am Sonntag ging es nochmal richtig zur Sache. Nach einem 0:1-Rückstand gegen Eintracht Frankfurt, drehte der BVB mit sehenswertem Offensivfußball die Partie auf einen 4:1-Heimsieg. Die Dortmunder verkürzten nach dem 2:0-Sieg der Bayern am Samstag, damit auf den alten Fünf-Punkte-Abstand in der Tabelle. Aubameyang (18 Tore) stellte dazu in der Torjägerliste den Abstand von drei Treffern zu Robert Lewandowski (15 Tore) wieder her. Weniger erfreulich war der Spieltag beim Ruhrpott-Club aus Gelsenkirchen. Der FC Schalke 04 verlor durch ein Tor von Caiuby in der zweiten Minute der Nachspielzeit mit 1:2 beim FC Augsburg. Schon in der Europa-League zog der FCA in der letzten Minute in die nächste Runde ein. Manager Stefan Reuter sprach daher von einer „Wahnsinnswoche“.