Tops, Flops und eine Schneeallergie Acht Fakten zum WM-Halbfinale Brasilien-Deutschland

Von Susanne Fetter | 08.07.2014, 11:00 Uhr

Um 22 Uhr geht es los: Deutschland gegen Brasilien im Halbfinale der Weltmeisterschaft. Zur Einstimmung servieren wir Ihnen einen bunten Cocktail aus acht interessanten Fakten der deutsch-brasilianischen Fußball-Geschichte.

1. Das erste Länderspiel: 1963 bessern sich die Brasilianer mit Freundschaftsspielen ihre Geldbeutel auf. Als „Gaukler von der Copacabana“ bezeichnet „Die Welt“ die Showtruppe, deren Hauptattraktion ein 22-Jähriger namens Pelé ist. Am 5. Mai soll Willi Schulz im ausverkauften Hamburger Volksparkstadion vor 71000 Zuschauern gegen Pele seine gefürchteten Grätschen auspacken. Dass der Jungstar das Spiel nach dem Elfmeter-Tor von Jürgen Werner noch dreht, kann er nicht verhindern: ein Musterpass zum 1:1 durch Courtinho, ein Vollspann-Freistoß zum Siegtreffer. Der deutsche Torwart Wolfgang Fahrian gesteht später: „Ich hab den Ball überhaupt nicht gesehen.“

2. Die Länderspielbilanz: 21 Duelle gab es zwischen Deutschland und Brasilien , und die Bilanz spricht eindeutig für die WM-Gastgeber. Zwölfmal gewann die Seleção, viermal das DFB-Team. Die Torbilanz 24:39 aus deutscher Sicht, vernichtend. Das letzte Duell entschied die Mannschaft von Joachim Löw aber für sich. Schweinsteiger, Götze und Schürrle trafen zum 3:2 am 10. August 2011 in Stuttgart – der erste Sieg nach 18 Jahren. Die letzte Niederlage datiert vom 25. Juni 2005. Im Halbfinale des Confed-Cups gewann Brasilien in Nürnberg ein Spiel auf Augenhöhe mit 3:2 dank eines überragenden Adriano.. Das letzte Unentschieden gab es am 8. September 2004. Damals schon dabei: Philipp Lahm.

3´. Die WM-Bilanz: Seit 1930 wird der Weltpokal alle vier Jahre ausgespielt, Brasilien triumphiert fünfmal. Die ersten drei fallen in die Ära Pelé (1958, 1962, 1970), danach gibt es eine 24 Jahre lange Durststrecke, erst bei der WM 1994 in den USA holt die Mannschaft um Kapitän Dunga den nächsten Titel, 2002 schießt Ronaldo mit acht Toren die Seleção zum Titel. Deutschland gewinnt nur drei Turniere (1954, 1974, 1990), steht aber zum vierten Mal in Folge in einem Halbfinale – zweimal wird die Mannschaft Dritter, einmal Zweiter. Brasilien scheitert zuletzt zweimal im Viertelfinale: 2006 an Frankreich, 2010 an den Niederlanden.

4. Das WM-Finale 2002 : Es ist ein Bild, das bleibt. Oliver Kahn kauert wie ein Häuflein Elend in seinem Tor, und Ronaldo, der ihn zweimal in diesem WM-Finale überwunden hat, reicht ihm die Hand, richtet ihn wieder auf. Ausgerechnet ein Schnitzer von Kahn, der bis dato unbezwingbar erscheint in diesem Turnier, leitet die deutsche Niederlage ein. Der Titan hält einen Schuss von Rivaldo nicht fest, und Ronaldo muss nur noch abstauben. Kurz zuvor hatte Kahn sich bei einem Zweikampf am Ringfinger verletzt. Ronaldo überwindet Kahn noch ein weiteres Mal in diesem Spiel, Brasilien ist Weltmeister. Es bleibt das einzige Duell der beiden Nationen bei einer WM.

5. Der erste Brasilianer in der Bundesliga: Mit einem Bananendampfer, so geht zumindest die Legende, kommt der Brasilianer Zézé im Sommer 1964 im Kölner Hafen an. 150000 Mark hat sich der FC den Transfer aus Minas Gerais kosten lassen. Vereinsrekord. In der Vorbereitung erzielt der Neuzugang gleich einen Doppelpack, und die Fans wähnen ihn als neuen Pelé, doch kaum geht die Bundesliga los, hat Zézé Ladehemmung. Nach fünf Spielen ohne Treffer flüchtet er vor dem deutschen Winter mit der bislang wohl kuriosesten Entschuldigung in der Geschichte der Bundesliga: Ein spanischer Arzt attestiert Zézé eine Schneeallergie. Raoul Tagliari kommt mit weniger Tamtam, bleibt aber. Von 1964 bis 1966 spielt er beim Meidericher SV und erzielt vier Treffer in neun Spielen.

6. Die Tops und Flops: 130 Brasilianer spielten bisher in der Bundesliga – letzte Saison waren es 17. Nicht alle schlagen ein wie Giovane Elber , der mit Bayern vier Meistertitel und die Champions League gewinnt. 1987 ist Tita für eine Saison in Leverkusen und holt den UEFA-Cup. Paulo Sergio, Carlos Dunga, Jorginho, Luiz Gustavo, Diego, doch besonders in Erinnerung bleibt Ailton. 2004 gewinnt er mit Werder das Double, als erster Ausländer wird er Deutschlands Fußballer des Jahres. Doch der Kugelblitz baut ab, zuletzt tritt er für Hassia Bingen an. Es gibt größere Missverständnisse, wie Carlos Alberto, der in Bremen nur in Sachen Körperfülle an Ailton anknüpft. Oder Breno. Das Abwehrtalent geht bei den Bayern unter, zündet seine Villa an und muss ins Gefängnis. Skurril auch die Geschichte von Franca. 1,3 Millionen Euro zahlt Hannover für den Spieler mit den Maßen 1,90 Meter und 88 Kilo. Das Gewicht stimmt, die Größe nicht. Der „Schrumpfbrasilianer“ ist acht Zentimeter kleiner als angekündigt.

7. Die Grenzgänger: Von ihm schwärmt selbst Pelé: „Arthur war ein ganz großer Spieler in Brasilien“, sagt die Legende über Arthur Friedenreich . Noch heute wird der Sohn eines deutschen Emigranten und einer afro-brasilianischen Wäscherin in seinem Geburtsland verehrt, doch wegen seiner dunklen Hautfarbe hat er auch mit Rassismus zu kämpfen. Mit 1329 von der FIFA anerkannten Toren gilt er bis heute als der erfolgreichste Torjäger der Welt. Seinen wichtigsten Treffer erzielt er 1919 im Finale der Copa América nach 150 Spielminuten, das 1:0 gegen Uruguay. Es gibt auch Brasilianer im deutschen Trikot. Paolo Rink kann wegen eines deutschen Urgroßvaters eingebürgert werden. Von 1998 bis 2000 steht er 13-mal im Kader. 2009 erhält Cacau die deutsche Staatsbürgerschaft, in in 23 Länderspielen erzielt „Helmut“ sechs Tore für Deutschland.

8. Der Frauenfußball: Deutschland – Brasilien, das ist nicht nur im Männerfußball ein Duell, das elektrisiert. Auch bei den Frauen gibt es zwischen den beiden Ländern eine große Rivalität. Als am 22. April 2009 die beiden Teams in Frankfurt am Main aufeinandertreffen, kommen 44825 Zuschauer ins Frankfurter Stadion, eine Rekordkulisse, die bis 2013 nicht übertroffen wird. Im Blickpunkt stehen Marta und Birgit Prinz, die mit einem Rippenbruch noch vor der Pause vom Feld muss. Fünfmal wird die Brasilianerin Weltfußballerin, siebenmal die Deutsche. Die eine kann am Ball zaubern, die andere wuchtige Tore schießen und ihr Team zu Titeln führen. Zweimal wird Deutschland Weltmeister, Brasilien steht nur einmal 2007 im Finale und verliert – gegen Deutschland.