Slowakei mit erstem EM-Sieg 2:1 gegen Russland: Hamšik zeigt seine Klasse

Von Sven Schüer | 15.06.2016, 18:51 Uhr

Die Slowakei hat den ersten EM-Sieg ihrer Geschichte dank der Klasse von Superstar Marek Hamšik gefeiert. Mit 2:1 setzte sich der Turnierneuling verdient gegen Russland durch. Gegen Ende der Begegnung verspielten die Slowaken fast noch die 2:0-Führung. Auf den Rängen blieben die befürchteten Krawalle aus.

Der Spielverlauf: Beide Mannschaften begannen verhalten und tasteten sich in das Spiel hinein. Marek Hamšik hatte die erste gute Gelegenheit für die Slowakei nach einem Fehler im russischen Aufbauspiel, sein Schuss aus 16 Metern ging aber über das Tor (10.). Russland kam durch Artem Dzyuba in der 23. Minute erstmals gefährlich vor das slowakische Tor, den Kopfball des 27-Jährigen entschärfte Torwart Matús Kozárik. Wenig später setzte Fedor Smolov zu einem flachen Distanzschuss auf den slowakischen Kasten an, der aber hauchzart am linken Pfosten vorbeiging (28.).

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Als die Russen gerade das Spiel an sich rissen, fiel dann die überraschende Führung für die Slowakei. Deren Superstar Hamšik bediente den links durchstartenden Vladimír Weiss, der Vasili Berezutski und Igor Smolnikov im Strafraum düpierte und trocken zur Führung für den EM-Neulings einschoss (32.). Hamšik hatte kurz vor der Pause eine weitere gute Gelegenheit nach einem schönen Antritt, aber auch dieses Mal verzog der Mann vom SSC Neapel über das Tor (42.). Deutlich besser machte er es wenig später: Eine schnell und kurz ausgeführte Ecke nahm der 28-Jährige an der linken Strafraumkante an und überwandt die schlafende russische Abwehr aus spitzem Winkel mit seinem rechten Hammer, der an den rechten Innenpfosten und dann ins Tor knallte (45.).

In der zweiten Hälfte machten die Slowaken weiter Tempo. Robert Mak prüfte Igor Ankinfeev in der 54. Minute mit einem Schuss aus kurzer Distanz. Oleg Shatov versuchte es wenig später mit einem Distanzschuss für Russland, der erst zweite Torschuss seiner Elf (57.). Smolov hatte den Anschlusstreffer in der 66. Spielminute auf dem Fuß, sein Schuss aus 13 Metern wurde aber geblockt. Lange passierte nichts im Anschluss, das Spiel dümpelte vor sich hin. Bis zur 80. Spielminute, als der eingewechselte Denis Glushakov nach einer Flanke von Shatov per Kopf den 1:2-Anschlusstreffer erzielte. Di Slowaken wurden nun immer nervöser, Russland fuhr wütende Angriffe. Kurz vor Schluss hatte Glushakov eine weitere Möglichkeit aus der Distanz, sein Schuss verfehlte den Kasten aber knapp (86.). Am Ende hielt das slowakische Bollwerk den russischen Angriffen stand.

Die Tore: 0:1 Vladimír Weiss (32., Marek Hamšik spielt einen klasse Pass aus dem Mittelfeld auf den links startenden Weiss, der zwei russische Verteidiger aussteigen lässt und cool ins rechte Eck abschließt), 0:2 Marek Hamšik (45., eine kurz ausgeführte Ecke überrumpelt die gesamte russische Mannschaft. Hamšik bekommt den Ball an der linken Strafraumgrenze, zieht kurz in den Sechzehner und schießt knallhart an den rechten Innenpfosten, von wo die Kugel ins Tor prallt), 1:2 Denis Glushakov (80., ein missglückter Klärungsversuch landet bei Shatov, der den Ball sofort ins Zentrum flankt. Dort steht Glushakov genau richtig und köpft ein).

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Der Mann des Spiels: Marek Hamšik. Der 28-Jährige hatte die erste Gelegenheit für die Slowakei, leitete das 1:0 ein und erzielte das 2:0 selber. Damit wurde er seinem Status aus Superstar gerecht und trug wesentlich zum Sieg bei.

Die Szene des Spiels: Das erste Tor. Genau zum richtigen Zeitpunkt spielte Hamšik den Pass in die Spitze, der zur slowakischen Führung führte. In einer Phase, in der die Russen immer besser in die Partie kamen und gute Chancen hatten, brachte diese Aktion die Bemühungen der Sbornaja zum Erliegen und die Slowaken auf die Siegerstraße.

Der Aufreger der Spiels: Die Slowaken, die bis zum 2:0 das Spiel im Griff hatten, verfielen gegen Ende der Partie in eine gewisse Lethargie. Die nutzten die Russen zum Anschluss, was zumindest viele slowakische Fans aufgeregt haben dürfte.

Was sonst noch was? Fünf Slowaken gingen mit Gelb vorbelastet in die Partie. Keiner davon sah eine weitere Karte. Damit müssen sich die entsprechenden Kicker in der Partie gegen England zurückhalten, um in einem möglichen Achtelfinale nicht gesperrt zu sein.

Die Stimmung: Die befürchteten Krawalle russischer Anhänger blieben aus. Beide Fanlager machten vor allem in der ersten Halbzeit viel Lärm und unterstützten ihre Mannschaften leidenschaftlich. Nach dem Treffer der Russen zündeten einige Fans Rauchbomben und einen Böller.

Und jetzt? Nach dem Sieg steht die Slowakei mit drei Punkten vorrübergehend auf dem zweiten Platz der Gruppe B. Montag (21 Uhr) steht das Duell mit den favorisierten Engländern auf dem Programm. Die Chancen stehen gut, auch bei einer Niederlage als Gruppendritter in das Achtelfinale einzuziehen.

Trotz der schwachen Punkteausbeute mit nur einem Zähler aus zwei Partien ist die Ausgangslage für die Russen nicht allzu schlecht. Ein Sieg am Montag (21 Uhr) gegen Wales würde wohl zu einem Platz im Achtelfinale reichen. Allerdings gibt die bisher gezeigte Leistung nicht gerade viel Hoffnung auf einen Erfolg gegen die Briten.

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