Reporter unterwegs bei der EM Ankunft in Paris: Zuhause im Stau

Eine Kolumne von Johannes Kapitza | 09.06.2016, 18:16 Uhr

Johannes Kapitza ist am Tag vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-EM in Paris angekommen. Schon nach wenigen Metern sieht er: Das ist eine Stadt der Gegensätze.

Meine Frau war so lieb, mir ein kleines „Gute-Reise-Paket“ zu packen. Auch an Schokolade hat sie gedacht, was im Nachhinein ein sehr gute Idee war – denn Nervennahrung kann in Paris nicht schaden.

Eine Stadt der Gegensätze

Paris ist für mich schon nach wenigen Metern eine Stadt der Gegensätze. Der Eiffelturm ist schnell wieder außer Sichtweite, die schicken modernen Hochhäuser ein Stück weit entfernt. Näher sind da die Menschen, die an der Einfallstraße um Almosen bitten. Auf Schildern schreiben sie, dass sie aus Syrien kommen und eine Familie zu versorgen haben. Sie haben genug Zeit, um sich am Seitenfenster eine Spende abzuholen und die Autos einzeln abzuklappern. Die stehen eh mehr, als dass sie fahren.

Wenn sie fahren, dann abenteuerlich

Und wenn sie fahren, dann fahren sie abenteuerlich und erarbeiten sich ihre Lücke mal mehr mal weniger forsch. Im Vergleich zu Paris ist es entspannter gewesen, in New York und Los Angeles Auto zu fahren. Deshalb bin ich froh, dass ich den Wagen ohne eine Beule an meiner Unterkunft abstelle. Wobei auch die letzten Meter noch mal eine Herausforderung sind. Mein Bed & Breakfast-Vermieter hatte eine Verabredung in der Stadt und ich war bekanntermaßen durch einen Stau später am Ziel als erhofft.

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Er hatte den Schlüssel bei den Nachbarn deponiert, einem reizenden älteren Ehepaar, das mir das Tor zu der kleinen privaten Seitengasse aufschließt: Bis mein Vermieter wiederkommt, könne ich das Auto erst mal dort abstellen, sagen sie.

Kinderwagen-Stau

Auf dem Gehsteig, auf dem ich vorübergehend und eigentlich nur ganz kurz angehalten hatte, hat sich derweil ein Kinderwagen-Stau gebildet. Die Eigenheiten des Pariser Verkehrs kann man natürlich nicht früh genug lernen, aber ich beende die Lehrstunde vorzeitig und steuere die kleine Gasse an. Ich würde mich als guten Autofahrer einschätzen, aber es ist dann doch Zentimeterarbeit. Am Ende steige ich links in der seitlichen Bepflanzung aus und zwänge rechts behutsam meine Reisetasche am Kotflügel vorbei. Rausfahren muss ich dann übrigens rückwärts. Es gibt Momente, da muss man das Dauerpiepen der Einparkhilfe geflissentlich ignorieren. Hoffentlich ist noch genügend Schokolade im Gute-Reise-Paket für den Rest des Turniers.