Meinung Russland spielt bei EM auf Bewährung – richtig so!

Meinung – Susanne Fetter | 14.06.2016, 17:43 Uhr

Die UEFA packt ihr größtes Maß an Drohung aus: Nach den Ausschreitungen in Marseille spielt Russland auf Bewährung. Im Wiederholungsfall wird die Mannschaft sofort von der Fußball-Europameisterschaft ausgeschlossen. Zudem wurde eine Geldstrafe von 150 000 Euro verhängt. Eine harte Strafe, aber eine richtige Entscheidung.

Der russische Verband muss nun aufpassen. Die Europäische Fußball-Union, das hat sie mit der Strafandrohung deutlich gemacht, will Szenen wie in Marseille nicht mehr sehen. Im Stadion Vélodrom machten russische Schläger gezielt Jagd auf englische Fans. Die beiden Lager hatten sich in der Stadt zuvor zum Teil mit französischen Hooligans heftige Auseinandersetzungen geliefert. Auch deutsche Chaoten sollen beteiligt gewesen sein.

UEFA: EM-Ausschluss auf Bewährung für Russland

Die Hooligan-Szene lebt wieder. Und die UEFA tut gut daran früh ein Zeichen zu setzen, dass sie das nicht duldet. Die erste Reaktion, die Bilder im Stadion nicht zu zeigen – Begründung: Nachahmer könnten animiert werden – war falsch. Das Urteil der Disziplinarkommission ist dagegen das richtige Signal. Es bedeutet: Der europäische Verband schaut doch nicht weg, sondern künftig ganz genau hin.

Die schmutzige Liste ist lang

Es war nicht das erste Vergehen, das sich russische Schläger erlaubten. Bei der EM in Polen und der Ukraine bestrafte die UEFA den russischen Verband gleich mehrfach. Prügeleien mit gegnerischen Fans und Ordnern, Zünden von Feuerwerkskörpern und rassistische Gesänge – die schmutzige Liste der Aussetzer bei der EM 2012 war lang. Und offenbar setzen sich weder der russische Fußball-Verband noch die Politik danach mit dem Thema intensiv auseinander.

Lebedew verteidigt Fans

Im Gegenteil. Sieht man die Bilder und hört man die Aussagen von Funktionären und Politikern könnte man meinen sie billigen dieses Verhalten.

Nach den Ausschreitungen in Marseille twitterte Igor Lebedew, Vorstandsmitglied der Russischen Fußballunion: „Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Eher im Gegenteil. Bravo, Jungs. Macht weiter so!“ Nicht die Fans seien schuld, sondern die Unfähigkeit der Veranstalter der EM, erklärte er. Die Fans sollten erst einmal verteidigt werden. „Wir können das klären, wenn sie nach Hause kommen“, sagte er. Die Hooligans, so Lebedew hätten „die Ehre des Landes verteidigt.“

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Auch der russische Sportminister Witali Mutko kritisierte vor allem erst einmal die Sicherheitsmaßnahmen, äußerte aber immerhin auch Kritik am Verhalten der eigenen Fans. Erst später verurteilte der Kreml die Krawalle als „absolut inakzeptabel“ und rief die Fans dazu auf, sich „strikt an die geltenden Gesetze“ zu halten. Doch nachdrücklich wirkt das wenig. Man rate den Fans, sich nicht provozieren zu lassen, hieß es auch. Der russische Verband fühlt sich offenbar eher in der Opferrolle.

UEFA will sich Turnier nicht kaputtprügeln lassen

Die UEFA drängt sie mit ihrer Androhung nun zum Handeln. Der russische Verband muss die Chaoten unter seinen Fans in den Griff bekommen, will er weiter bei der EM mitspielen. Ein Ausschluss wäre ein einmaliger Vorgang in der Geschichte dieses Turniers. Es ist offenbar die einzige Möglichkeit, will sich die UEFA ihr Turnier nicht kaputtprügeln lassen.

Eine langfristige Lösung muss her

Funktioniert es, werden die russischen Fans vielleicht kurzfristig Füße und Hände stillhalten – oder auf der Straße weitermachen. Das ist die Gefahr. Denn die Androhung des Ausschlusses gilt nur für Vorgänge im Stadion. Der europäische Verband und Russland müssen sich ohnehin längerfristig mit dem Thema beschäftigen. Alleine durch die Androhung harter Strafen bekommt man die Gewalt nicht aus dem Fußball. Dafür bedarf es viel präventiver Arbeit und alle müssen an einem Strang ziehen: Vereine, Verbände, Politik und diejenigen Fans, die ein friedliches Sporterlebnis haben wollen.

Experte Nieland zu Krawallen: Das muss man zeigen

Hinzu kommt, dass die UEFA und die französischen Behörden schleunigst ihr Sicherheitskonzept anpassen müssen. Es soll keine Entschuldigung für die russischen Schläger sein, aber derart freie Bahn sollte man ihnen nicht noch einmal gewähren.