Fußball-Talks unter der Lupe: Sport1-Doppelpass Olaf Thon: Di Santo untergräbt die Autorität von Trainer Tedesco

Von Harald Pistorius | 23.09.2018, 15:30 Uhr

Kein Verständnis für Franco di Santo, kein Verständnis für die Dortmund Hass-Plakate: Die Gäste im Sport1-Fußball-Talk „Doppelpass“ mit Gastgeber Thomas Helmer waren sich einig. Nur ein Randthema war diesmal der Videobeweis – dennoch lieferte er den Spruch des Tages…

Am meisten gesprochen wurde über die Schalker Krise. „Ich erinnere mich an Markus Weinzierl, der nach fünf Niederlagen gehen musste – deshalb mache ich mir Sorgen um Schalke“, sagte Olaf Thon. Das königsblaue Idol, als Leiter der Schalker Traditionself dem Club verbunden, stärkte Trainer Domenico Tedesco den Rücken und kritisierte Franco die Santo scharf.

Das Wortgefecht zwischen Tedesco und Di Santo

Der Offensivspieler hatte sich nach seiner Auswechslung ein Wortgefecht mit Tedesco geliefert, dabei hatte der wütende Trainer dem Spieler ein „Halt die Fresse!“ zugerufen. Di Santo hatte mit den Fingern die Zahl „7“ signalisiert, was viele als Aufforderung verstanden, dass sein Mitspieler Marc Uth eher hätte ausgewechselt werden müssen. Di Santo bestritt das in seiner Entschuldigung auf Instagram und verwies auf sein argentinisches Temperament.

„Argentinisches Blut? Das ist mir zu einfach als Entschuldigung“

„Das Spieler dürfen mal aufbegehren und mal einen raushauen, aber nicht so wie di Santo. Das muss bestraft werden“, sagte Thon, „er untergräbt die Autorität des Trainers, die bei der Mannschaft und den Fans gut angesehen ist. Deshalb bin ich so enttäuscht und sauer, zumal auch seine Leistung nicht stimmt.“ Auch mit der Entschuldigung des Argentiniers war Thon nicht einverstanden: „Entschuldigen ist leicht. Es mir zu einfach, wenn er jetzt mit seinem argentinischen Blut kommt.“

Die Runde, besetzt mit dem Wolfsburger Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer, dem früheren Profi Hamit Altintop, den Journalisten Michael Makus (Bild) und Heiko Ostendarf (Redaktions-Netzwerk Deutschland) und dem Sport1-Experten Reinhold Beckmann, stimmte Thon weitgehend zu.

Hamit Altintop: Da kochen die Emotionen schon mal hoch

Allein Hamit Altintop zeigte ein bisschen Verständnis: „Es war nicht richtig, aber da kochen die Emotionen mal hoch. Mit so einem Spieler muss man sich beschäftigen und sich der Sache pädagogisch nähern.“ Dem hielt der Wolfsburger Manager-Lehrling Marcel Schäfer entgegen: „In einer solchen Situation muss jeder Spieler seine persönlichen Interessen hintenanstellen.“

Erneut Dortmunder Hass-Transparente gegen Dietmar Hopp

Nur kurz angesprochen waren die erneuten Ausfälle einiger Dortmunder Chaoten, die es schafften, Schmäh- und Hassplakate gegen den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp in den Gästeblock zu bringen. Hopp wurde als „Hurensohn“ beleidigt, außerdem wurde das bereits bekannte Hasta-la-visat-Transparent gezeigt, auf dem der Hoffenheimer Sponsor im Fadenkreuz zu sehen ist.

„Das ist geschmacklos und nicht zu tolerieren. Da ist eine Grenze überschritten worden, das kann man nicht so ohne weiteres hinnehmen“, sagte der Wolfsburger Schäfer und traf die einhellige Meinung der Runde. Bild-Reporter Makus kritisierte den Dortmunder Manager Michael Zorc, der die Eskalation auch auf die Bild-Berichte über Hopps Strafanzeige zurückgeführt hatte.

Leider schaffte es der wieder einmal recht oberflächliche Moderator Thomas Helmer nicht, das Thema angemessen zu vertiefen und zumindest Zorcs Originalton zu zitieren. So blieb der Einwurf des Bild-Reporters unwidersprochen, denn Helmer hatte es eilig: „Jetzt aber zurück zu sportlichen Themen.“

Olaf Thon: Ehemalige Profis müssen in den Video-Keller

Der nach einem Foul an Pulisic fällige, aber nicht gegebene Elfmeter für die Dortmunder sorgte für ein kurzes Aufflackern des Themas „Videobeweis“. Olaf Thon nahm die Szene zum Anlass, seine Forderung zu wiederholen: „In den Kölner Keller gehören ehemalige Profis, die eine solche Szene richtig einordnen.“ Er selbst habe sich schon mehrfach angeboten, meinte Thon scherzend.

Der Konter kam von Bild-Reporter Makus, ebenfalls schmunzelnd vorgetragen. Als Thon die Rote Karte gegen den Dortmunder Diallo als einziger in der Runde „berechtigt“ nannte, sagte er: „Das wird nichts mit dem Job im Video-Keller für den Thon.“