Fussball Die Fußball-EM: Aufgebläht und eingetrübt

Meinung – Johannes Kapitza | 09.06.2016, 19:11 Uhr

An diesem Freitag rollt zum ersten Mal der Ball bei der EM in Frankreich. Ein unbeschwertes Fußballfest wird das Turnier aller Voraussicht nach nicht, aus mehrfacher Hinsicht. Ein Kommentar.

Zwar dürfen mit 24 Teams so viele Länder mitspielen wie noch nie zuvor. Ein scheinbar schöner Superlativ, aber das aufgeblähte Teilnehmerfeld führt vor allem dazu, dass sportliche Spannung erst in der K.-o.-Runde zu erwarten ist. Trotzdem verkündet die Uefa so gut wie ausverkaufte Stadien – das Produkt Fußball lässt sich weiter gut an die Fans bringen. Die Uefa, ihre Sponsoren und Vermarkter dürfen frohlocken – was übrigens auch den Fans der „kleinen“ Nationen gegönnt sei, die erstmals auf europäischer Ebene mitmischen dürfen.

Die Vorfreude ist getrübt

Aber die Vorfreude auf die EM ist ausgerechnet beim Gastgeber getrübt. Die Franzosen haben andere Probleme, zum Beispiel die Arbeitsmarktpolitik der Regierung. Streiks lassen nun Züge, Flüge und die Müllabfuhr ausfallen. Wer nicht an sein Ziel kommt oder bei wem sich der Müll vor der Haustür stapelt, für den sind vier Wochen Fußball eben ein schwacher Trost.

Kolumne: Zuhause im Stau

Für die Demonstranten ist weder die EM noch die erhöhte internationale Aufmerksamkeit ein Grund, ihre Forderungen zu verschieben. Warum auch? Am 11. Juli ist das Turnier schon wieder Geschichte und die Franzosen sind ihrem Alltag überlassen – kein Grund, jetzt Rücksicht auf die Uefa zu nehmen.

Überschattet von der Angst

Das macht der Terrorismus ja auch nicht. Das Turnier wird überschattet bleiben von der Angst vor Anschlägen. Die Angriffe auf Paris aus dem November 2015 mit 130 Opfern wirken immer noch nach. Da hilft es auch nichts, Stadien und Fanzonen zu Festungen aufzurüsten. In Bus und Bahn fährt ein mulmiges Gefühl mit. Da ist es nur allzu menschlich, dass keine überbordende Fröhlichkeit und Unbeschwertheit Raum greifen.

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Dagegen wirken die Probleme der DFB-Elf geradezu winzig. Die Verletzungsmisere von Joachim Löws Team bremst zwar die Erwartungen in der Heimat, aber die Deutschen gelten ja nicht umsonst gerne als eine Turniermannschaft. Warten wir also ab, bis der Ball rollt. Am Freitagabend wird sich der Vorhang zum ersten Mal heben. Was in den kommenden Wochen folgen wird? Hoffen wir auf das Beste.