EM 2016: Deutschland - Polen 0:0 Nullnummer zwischen Deutschland und Polen

Von Loris Kriege, Loris Kriege | 17.06.2016, 01:07 Uhr

Klagenfurt 2008, Port Elizabeth 2010, Fortaleza 2014, St. Denis 2016. Die Reihe der schwierigen zweiten Gruppenspiele bei großen Turnieren unter der Ägide von Joachim Löw setzt sich fort. In einer umkämpften Partie reicht es für die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft gegen Polen nur zu einem torlosen Remis – 0:0 hieß es nach 90 Minuten im Stade de France.

Der Spielverlauf: Die Partie begann für die deutsche Nationalmannschaft nicht optimal. Mittelfeldmotor Sami Khedira kassierte schon in der dritten Minute nach einem taktischen Foul die gelbe Karte von Schiedsrichter Björn Kuipers. Doch auch die erste Möglichkeit Deutschlands ließ nicht lange auf sich warten: Mario Götze köpfte das Spielgerät nach einer Flanke von Julian Draxler nur knapp über das Tor. Der Respekt der polnischen Mannschaft war deutlich zu spüren – die Elf von Coach Adam Nawalka stand tief und überließ dem deutschen Team den Spielaufbau. Nach einer Phase der bemühten Spielkontrolle Deutschlands, war es Toni Kroos, der nach einem Pass von Thomas Müller in den Ball grätschte und diesen knapp links am Torpfosten vorbeisetzte (16.). Die gefährliche Offensive Polens um den Münchener Robert Lewandowski und Arkadiuz Milik von Ajax Amsterdam wurde bis dahin einigermaßen sicher vom eigenen Tor ferngehalten, Mats Hummels wirkte in einigen Situationen nach seiner Muskelverletzung allerdings noch etwas unsicher. Der Respekt für den Gegner war bei beiden Teams gehörig groß, sodass es hüben wie drüben nicht viele Torraumszenen zu sehen gab. Da sich bei Polen in der Defensive allerdings auch außer Lewandowski jeder Spieler hinter den Ball orientierte, hatte es der Weltmeister im letzten Drittel schwer Chancen zu kreieren. Der EM-Gastgeber von 2012 ging nicht viel Risiko ein und lauerte mit Lewandowski, der zum Ende des ersten Durchgangs nur knapp im Abseits stand, auf Konter.

Ganze 21 Sekunden dauerte es in der zweiten Halbzeit bis die Polen die beste Chance des Spiels hatten. Milik kontrollierte eine Flanke von rechts allerdings nur mit dem Gesicht – Deutschland hatte Glück, dass in dieser Situation nicht das 0:1 fiel. Die Anfangsphase der zweiten 45 Minuten versprach mit hohem Tempo und intensiven Zweikämpfen spektakulärer zu werden als Halbzeit eins. Milik scheiterte in der 59. Minute mit einem zentralen Freistoß, überhaupt war Polens Nummer 7 der gefährlichere Angreifer in Nawalkas Team. Wenn es Möglichkeiten gab, dann für Polen – nach vorne ging für Deutschland in der Phase um die 70. Minute nicht viel. Die Einwechselungen von André Schürrle und Mario Gomez brachten auch nicht den erhofften neuen Schwung, sodass auch weiterhin im zweiten Durchgang die Durchschlagskraft rund um die gegnerische Box fehlte. Am Ende war bei beiden Teams die Kraft am Ende und entscheidende Aktionenen wurden nicht mehr heraufbeschworen.

Die Tore: Fehlanzeige

Der Mann des Spiels: Jonas Hector. Einen Matchwinner oder einen mitreißenden Akteur gab es in dieser Partie nicht. Das gibt uns die Möglichkeit den Mann zu loben, der die meisten Länderspielminuten im Jahr 2015 absolviert hat und zur absoluten Stammkraft in der Mannschaft von Joachim Löw geworden ist. Der Kölner Hector spielt seinen Part auf der linken Abwehrseite souverän, arbeitet unermüdlich und scheint eine absolute Dauerlösung in den Plänen des Bundestrainers zu sein.

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Die Szene des Spiels: Ausgerechnet Benedikt Höwedes. Zu defensiv, zu langsam, zu schwach – nur einige der Kritikpunkte, die im Vorfeld der EM im Bezug aus den Neu-Rechtsverteidiger genannt wurde. Symptomatisch, dass eben dieser Höwedes vom FC Schalke in der 85. Minute die vielleicht größte deutsche Möglichkeit im zweiten Durchgang hatte. Aber was er schon vor Wochen äußerte, bewahrheitete sich in dieser Situation – er wird halt kein Dani Alves mehr werden…

Der Aufreger: … blieb zum Glück aus. Im Vorfeld war man von Unruhen und Krawallen zwischen deutschen und polnischen Hooligans ausgegangen. Davon war glücklicherweise im Stadion keine Spur. Gut so, Szenen wie in Marseille zwischen russischen und englischen Chaoten will bei diesem Sportfest niemand sehen.

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War sonst noch was? Mario Gomez-Sprechchöre, das hatte es in der Länderspielkarriere des Mario G. aus Istanbul bisher auch noch nicht gegeben. Spätestens nach seiner vergebenen Monsterchance im Spiel bei der EM 2008 gegen Österreich, war der Stürmer Sündenbock Nummer eins bei den deutschen Fans. Dass eben dieser Gomez acht Jahre später aktiv von den Anhängern gefordert wird, hätte wahrscheinlich niemand erwartet – am wenigsten er selbst. Jogi Löw erfüllte in der 72. Minute den Wunsch der Fans, er kam für den blassen Julian Draxler in die Partie.

Die Stimmung: Angst war weder bei den deutschen, noch bei den polnischen Anhängern zu spüren. Grund dazu hätten sie angesichts der Anschläge von vor sieben Monaten an eben diesen Schauplatz allemal gehabt. Die 73 648 Zuschauer im Endspielstadion von St. Denis feuerten ihr Team nach Kräften an und auch von befürchteten Aggressionen zwischen beiden Fanlagern war nichts zu sehen.

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Und jetzt? Beide Teams haben nun vier Punkte auf dem Konto. Deutschland führt die Gruppe C nach wie vor an – Polen folgt auf dem zweiten Platz. Doch auch Nordirland sitzt den beiden Teams mit drei Punkten im Nacken. Am Dienstag trifft die DFB-Elf auf eben diese Nordiren und kann mit einem Sieg den Gruppensieg festmachen. Polen trifft auf bereits ausgeschiedene Ukrainer, die sich allerdings gerade gegen den Nachbarn ordentlich aus dem Turnier verabschieden wollen.