Die Bilanz, die Spieler, die Trainer Zehn Fakten zum WM-Viertelfinale gegen Frankreich

04.07.2014, 17:39 Uhr

sfe/dpa Osnabrück. Um 18 Uhr (ARD) geht es los: Deutschland und Frankreich spielen bei der Weltmeisterschaft in Brasilien um den Einzug ins Halbfinale. Wir liefern Ihnen vorher zehn Fakten über dieses Duell, mit denen Sie sich beim Rudelgucken auf jeden Fall nicht blamieren.

1. Die deutsche Bilanz gegen Frankreich ist negativ. 25 Partien bestritten die beiden Teams bisher gegeneinander, acht Spiele gewann die deutsche Mannschaft, elfmal siegten die Franzosen. Dazu kommen noch sechs Unentschieden. Die Torbilanz ist relativ ausgeglichen, da führt Deutschland knapp mit 42:41. Eine positive Bilanz gegen die DFB-Auswahl haben im Übrigen nur noch sechs weitere Nationen: Algerien, Ägypten, Argentinien, Brasilien, England, Italien. Sieht man noch genauer nach war auch die Bilanz gegen die DDR einst negativ (ein Spiel, eine Niederlage). Die DDR wiederum trat siebenmal gegen die Franzosen an, schaffte dabei 3 Siege, kassierte 2 Niederlagen und spielte einmal remis.

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2. Die Duelle bei Weltmeisterschaften: Hier steht es 2:1 für Deutschland . Am 28. Juni 1958 unterlag die deutsche Mannschaft im Spiel um Platz drei in Göteborg mit 3:6 – Just Fontaine erzielte damals vier Tore für die Franzosen. Im legendären Halbfinale am 8. Juli 1982 in Sevilla setzte sich die deutsche Mannschaft mit 5:4 nach Elfmeterschießen durch. Im Halbfinale von Guadalajara am 25. Juni 1986 sorgten Andreas Brehme und Rudi Völler für ein souveränes 2.0.

3. Die letzten Duelle: Den letzten Sieg der deutschen Mannschaft gegen Frankreich gab es am 6. Februar 2013: Beim 2:1 in Paris drehte das Team von Joachim Löw einen 0:1-Rückstand nach der Pause. Die letzte Niederlage datiert aus dem Jahr zuvor. Am 29. Februar unterlag die DFB-Auswahl in Bremen mit 1:2.

4. Das schönste Tor aller bisherigen Duelle dieser beiden Mannschaften schoss zweifelsohne Klaus Fischer. Mit seinem spektakulären Fallrückzieher glich er vor 32 Jahren im Halbfinale der WM in der Verlängerung zum 3:3 aus und erzwang so das Elfmeterschießen. Das gewann Deutschland mit 5:4.

5. Die schlimmste Szene: Sie stammt ebenfalls aus dem WM-Halbfinale von 1982. Beim Stand von 1:1 wird der Franzose Patrick Battiston vom herauseilenden deutschen Torhüter Toni Schumacher ungestüm umgerannt. Minutenlang bleibt Battiston liegen, er erleidet eine Gehirnerschütterung, Wirbelverletzungen und er verliert zwei Zähne. Schumacher bekommt nicht mal eine Karte und äußert sich nach dem Spiel so: „Wenn es nur die Jacketkronen sind, die bezahle ich ihm gerne.“ Später entschuldigt er sich für den Satz und die Aktion. Mittlerweile gab es mehrere Versöhnungstreffen. Battiston ist aber immer noch sauer: „Wir begegnen uns, wenn es sich nicht vermeiden lässt“, sagt er: „Aber Freunde werden wir nicht mehr.“

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6. Das Jubiläum: Manuel Neuer, der Torhüter der deutschen Nationalmannschaft, steht im Viertelfinale zum 50. Mal bei einem Länderspiel zwischen den Pfosten. Wobei, bei Neuer muss es ja eigentlich heißen, er steht davor. Der 28-Jährige kann dabei auf eine starke Bilanz blicken. 39 Siege und nur drei Niederlagen hat es für ihn gegeben. Bei der WM 2010 gab es Schlappen im Gruppenspiel gegen Serbien (0:1) und im Halbfinale gegen Spanien (0:1), bei der EM 2012 ging das Halbfinale gegen Italien (1:2) verloren.

7. Die Franzosen in der Bundesliga: 1966 heuerte der erste an: Gilbert Gress kam von Racing Strasbourg zum VfB Stuttgart und sorgte nicht nur mit seinem fußballerischen Können, sondern auch mit seinem Aussehen für Aufsehen. Immer wieder in der Diskussion, seine lange Mähne, wegen der er angeblich auch die WM 1966 verpasste. Gress soll sich geweigert haben, die Haare zu kürzen und der damalige Nationaltrainer Henri Guerin ließ ihn daheim. Beim VfB Stuttgart musste die Mähne weichen. Der damalige VfB-Trainer Albert Sing war der Meinung, sein laufstarker Außenstürmer müsse wenigstens so ausschauen, „dass ich ihm in de Auge sehe kann.“ Der Gang zum Friseur wurde von Fernsehkameras begleitet. „Schilbär“, wie ihn die Schwaben nannten und auch schrieben, blieb bis 1970 beim VfB und erzielte in 149 Spielen 25 Tore. Er war einer der wenigen Franzosen, die in der Bundesliga Fuß fassten. 44 spielten bisher in Deutschland, nach Gress kam Gerard Hausser zum KSC, bei Stuttgart wurde Didier Six groß angekündigt, doch so beliebt wie Gress wurde er nie. Echte Stars wurden nur Franck Ribéry, Bixente Lizarazu und Willy Sagnol, die bei Bayern deutlich besser zurecht kamen als ihr „Vorgänger“ Jean-Pierre Papin, was vielleicht auch daran lag, dass Franz Beckenbauer ihn immer nur „Schoanbiärbabän“ nannte. Valerien Ismael, der lange für Hannover spielte, blieb sogar nach der Karriere und trainiert mittlerweile den Zweitligisten 1. FC Nürnberg. Im Moment sind acht Franzosen in der Bundesliga aktiv: , Francis Coquelin, Jonathan Schmid, Julien Christopher und Charles-Elie Laprevotte (alle vier Freiburg), Anthony Modeste und Matthieu Delpierre (beide Hoffenheim), Giovanni Sio (Wolfsburg) und natürlich Franck Ribéry (München).

8. Die Deutschen in Frankreich: Letzte Saison gab es nur einen deutschen Spieler, der in Frankreichs erster Liga war: Andreas Wolf, gebürtig im russischen Leninbad, aber aufgewachsen in Deutschland, spielt für den AS Monaco, wurde dort allerdings vom Kapitän zum Reservisten . Dort war auch Gary Kagelmacher, ein urugayischer Fußballer mit deutschem Pass unter Vertrag, der allerdings an den Zweitligisten FC Valenciennes ausgeliehen war und in der kommenden Saison für 1860 München spielt. Früher waren es schon mal mehr. Für den AS Monaco stürmte einst auch Jürgen Klinsmann. Rudi Völler erzielte für Olympique Marseille einst in 58 Partien 24 Tore. 1993 gewann er mit dem Klub die erste Ausgabe der Champions League. Pierre Littbarski wechselte 1986 vom 1. FC Köln zu RC Paris, wo er allerdings nur eine Saison blieb. Klaus Allofs war gleich bei zwei französischen Klubs (Olympique Marseille und Girondins Bordeaux). Auch ein ehemaliger Stürmer des VfL Osnabrück spielte mal in Frankreich: Erwin Kostedde lief von 1979 bis 1980 bei Stade Laval auf, einem Provinzklub im Nordwesten des Landes. Gemeinsam mit dem Argentinier Delio Onnis vom AS Monaco wird Kostedde, mittlerweile 34 Jahre alt, in der Saison mit 21 Treffern Torschützenkönig der Division 1 – noch vor Michel Platini. Die Fans lieben ihn, dennoch geht er zurück nach Deutschland, er wechselt zu Werder Bremen in die Regionalliga Nord.

9. Der deutsche Franzose: Gernot Rohr , geboren 1953 in Mannheim, begann seine Karriere beim VfL Neckarau und absolvierte sechs Spiele in der Bundesliga beim FC Bayern. Achtmal war er in der Jugendnationalmannschaft des DFB dabei, doch 1977 zog es ihn von den Kickers Offenbach zu Girondins Bordeaux. Während seiner aktiven Zeit hatte er Germanistik und Romanistik studiert und mit dem Magister abgeschlossen. Jetzt wandelte er auf den Spuren seines Großonkels Oskar Rohr, der in den Dreißiger Jahren die Tore für Racing Straßbourg schoss. In Bordeaux wurde Rohr schnell Stammspieler, 1982 nahm er sogar die französische Staatsbürgerschaft an, weil mit Caspar Memering und Dieter Müller zwei weitere Deutsche kommen sollten, insgesamt aber nur zwei Ausländer zugelassen waren. Der damalige Clubpräsident fragte Rohr, ob er nicht die französische Staatsbürgerschaft annehmen könnte, Rohr sprach damals schon gut Französisch und sagte „Oui“. Zu einem Länderspieleinsatz kam es allerdings nie. Dreimal holte er mit Bordeaux den Meistertitel, zweimal den Pokal und wurde einer der erfolgreichsten deutschen Fußballer im Ausland. In insgesamt 352 Liga-Spielen erzielte er für Girondins 13 Tore in der Division 1. 1989 begann er seine Trainerkarriere, klar in Bordeaux. Seit 2010 arbeitet er als Nationaltrainer von Gabun.

10. Die Trainer: Wir haben überlegt und recherchiert – wir haben nur ihn gefunden: Paul Frantz, geboren im Elsaß. Der französische Hochschulprofessor war 1966 für elf Monate als technischer Leiter beim Karlsruher SC tätig. Deutscher Trainer in Frankreich war neben Gernot Rohr, der neben Bordeaux auch US Creteil und OGC Nizza trainierte, natürlich Franz Beckenbauer, der in der Saison 1990/91 Olympique Marseille ins Endspiel des Europapokals der Landesmeister führte. Sein Assistent damals: Holger Osieck.