Der Traum vom Heimerfolg lebt weiter Dank Griezmann: Frankreich besiegt Irland mit 2:1

Von Jonas Hagemeier, Jonas Hagemeier | 26.06.2016, 19:00 Uhr

Nach einer erneut schwachen ersten Halbzeit besiegt Frankreich die Iren im Anschluss hochverdient mit 2:1. Ein Doppelpack von Antoine Griezmann innerhalb von drei Minuten drehte das Spiel. Robbie Brady hatte die „Boys in Green“ per Elfmeter in Führung gebracht.

Der Spielverlauf: Eine Anlaufphase benötigte die Partie überhaupt nicht: Mit der ersten Aktion des Spiels zogen die Iren über die linke Seite in den Strafraum der Franzosen, Adil Rami rutschte weg, und Paul Pogba holte Shane Long von hinten von den Beinen - Elfmeter! Robbie Brady versenkte eiskalt und sorgte für den Traumstart für den Underdog. Die Franzosen zeigten sich aber erstaunlich unbeeindruckt und drängten direkt auf den Ausgleich. Zu wirklich hochkarätigen Chancen reichte es zunächst nicht, die Abschlüsse von Griezmann und Giroud waren zu ungenau. Die größte Chance der ersten Halbzeit hatte Frankreich dann nach einem Standard: Pogba zirkelte einen Freistoß schön Richtung Winkel, aber den Schuss aus großer Entfernung konnte Randolph ohne Problem parieren (25.). Im Anschluss war etwas die Luft raus. Viele Fouls, viel Mittelfeldgeplänkel, kein Rhythmus. Erst in der 45. Minute kam es noch einmal zu einer etwas größeren Chance, doch die Schüsse von Payet und Griezmann konnten geblockt werden.

Wie in den Partien zuvor, schien Didier Deschamps in der Kabine erneut die richtigen Worte gefunden zu haben. Die Franzosen drehten Anfang der zweiten Hälfte so richtig auf. Koscielny verfehlte das Tor noch per Kopf nach Freistoß-Flanke von Payet (48.), zehn Minuten und etliche Angriffe später machte es Griezmann besser. Am Elfmeterpunkt alleingelassen hatte der Franzose keine Mühe eine Sagna-Flanke zum Ausgleich zu vollenden. Nur drei Minuten später war der wendige Angreifer nach Kopfball-Verlängerung von Giroud alleine durch und ließ Randolph aus 12 Metern keine Chance - Frankreich führte und die Fans in Lyon drehten durch vor Freude! In der 66. Minute war die Partie dann entschieden. Nach einer Notbremse flog Shane Duffy mit glatt Rot vom Platz, Irland hatte anschließend große Probleme. Die Franzosen wollten schnellstmöglich alles klar machen. Gignac hatte die größten Chancen, scheiterte jedoch an Randolph (76.) bzw. dem Querbalken (77.). Zwei weitere Chancen ließ er relativ sträflich liegen (85./87.).

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Die Tore: 0:1 Robbie Brady (2., Foulelfmeter, Pogba an Long), 1:1 Antoine Griezmann (58., Payet setzt Sagna auf rechts ein, der mustergültig Griezmann bedient. Alleingelassen am Elfmeterpunkt hat dieser keine Probleme zu vollenden), 2:1 Antoine Griezmann (61., einen langen Ball aus der Abwehr verlängert Giroud perfekt in den Lauf von Griezmann, der aus 12 Metern trocken abschließt).

Der Mann des Spiels: Antoine Griezmann. Mit seinem Doppelpack innerhalb von drei Minuten drehte er die Partie und zeigte dabei sein außergewöhnliches Gesamtpaket: Trotz seiner Größe (1,76 Meter) enorm kopfballstark und auch mit dem Fuß eiskalt. Streitet sich derzeit mit Dimitri Payet um den Titel des französichen Volkshelden.

Die Szene des Spiels: Der frühe Elfmeter für die Iren nach Foul an Shane Long. Paul Pogba rauschte von hinten ungestüm heran, doch Long machte das auch clever: Er versuchte den Abschluss gar nicht erst, sondern wusste instinktiv, wie er das meiste aus einem möglichen Kontakt machen könnte. Der Elfmeter ging dennoch in Ordnung.

Der Aufreger des Spiels: Die Franzosen werden sich möglicherweise über sich selbst ärgern. Zwei Gelbe Karten holte sich die Equipe Tricolore ab, jedoch jeweils durch die bereits vorbelasteten Adil Rami und Ngolo Kanté, die jetzt im Viertelfinale fehlen werden. So machten sie es sich unnötig selbst schwer.

War sonst noch was? Seit feststand, dass sich Irland als Gruppendritter für das Achtelfinale qualifiziert hatte und auf Frankreich treffen würde, war es DAS Thema: Würde es eine Revanche für 2009 geben? Damals trafen die beiden Teams im „Skandalspiel“ zur Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika aufeinander. In der Verlängerung hatte Thierry Henry ein klares Handspiel begangen und im Anschluss den entscheidenden Treffer durch William Gallas vorbereitet. Irland war ausgeschieden - Frankreich fuhr zur WM. 

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Die Stimmung: Die Heimmannschaft gegen die womöglich besten Fans der Europameisterschaft. Die Erwartungen waren hoch, doch wurden erfüllt - der Spielverlauf tat sein Übriges: Die Iren waren nach der frühen Führung außer sich und feierten, die Franzosen versuchten ihr Team nach vorne pushen. Nach dem Doppelschlag zur Führung kannte die Party der Franzosen keine Grenzen mehr.

Und jetzt? Frankreich erhält den Traum vom Titel im eigenen Land und trifft im Viertelfinale auf den Sieger der Partie England-Island. Dabei sollten die Franzosen aber vielleicht auch in der ersten Hälfte mal ihre Klasse zeigen.

Die Iren hingegen müssen die Heimreise antreten. Sie haben sich teuer verkauft, viele Sympathien gewonnen und werden trotzdem traurig sein. Es war mehr für sie drin.

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