Bayern-Besieger und Hitz-Ärger Nach dem 15. Spieltag: Darüber spricht die Bundesliga

Von Patrick Eckholt | 07.12.2015, 00:44 Uhr

 Viel mehr hätte dieser Spieltag gar nicht bieten können! Beginnend mit einer kuriosen Choreographie am Freitagabend, gefolgt von der Erkenntnis des doch noch schlagbaren FC Bayern, einem Verfolger-BVB der mit einem Krimi auf der Zielgeraden nachzieht und Aufsteiger SV Darmstadt 98, der nach Abschluss des Spieltags nach 33 Jahren eines der wohl prestigereichsten Tore der Vereinsgeschichte schießt. Der 15. Spieltag hatte es in sich.

Ob Freude, Debatten oder Frust: Bei den Protagonisten der Bundesliga ergab sich wieder einiges an Gesprächsstoff. An einem Spieltag, der die Liga vor der Ende Dezember anstehenden Winterpause, nochmal richtig auf Betriebstemperatur brachte.

„Borussia Mönchenplattmach“:  Schubert stoppt Pep im Glatzen-Duell „Tor für die Borussia“, schallt es nach dem Torjubel durch den Borussia-Park, wenn die Fohlen aus Mönchengladbach einen Treffer erzielen. Am Samstag empfing Andre Schubert mit seiner Elf den bis dahin noch ungeschlagenen FC Bayern. Und der eben erwähnte Torjubel ärgerte den Rekordmeister aus München gleich dreimal. Mit der 1:3-Pleite kassierte der FCB die erste Saisonniederlage , Pep Guardiola zudem seine erste Niederlage in einer Hinrunde mit den Münchnern. Ein Gladbacher Triumph, der für Schlagzeilen sorgte. „Gladbach schafft die Sensation“ (Spiegel Online) und „Gladbach überrennt die Bayern“ (Bild) sind nur zwei Beispiele dafür. In den sozialen Netzwerken kursierte zudem die Bezeichnung „Borussia Mönchenplattmach“.

Die Borussia hat trotz des miserablen Saisonstarts mit seiner sensationellen Aufholjagd nun bereits mehr Punkte auf dem Konto, als zum gleichen Zeitpunkt der letzten Spielzeit. „Wir genießen jetzt den wunderschönen Moment und dann geht es gegen Manchester“, äußerte sich Andre Schubert gegenüber der ARD-Sportschau. Seit zehn Spielen ist Schubert als Trainer der Borussen in der Bundesliga noch ungeschlagen. „Das schaffte kein Hennes Weisweiler, das schaffte kein Udo Lattek und auch kein Jupp Heynckes“, beendete Kommentator Tom Bartels seinen Beitrag in der Sportschau.

Pep Guardiola fand dagegen im Interview nicht viele Wort. Auf die Frage, ob er sich über die Niederlage ärgere, antwortete er: „Nein.“ Nachdem er sich das Wort „Ärger“ anschließend noch übersetzen lassen hat, hielt er sein Wort: „Nein.“ Doch der Frust war den Bayern ins Gesicht geschrieben. Die einzig erfreuliche Nachricht an diesem Nachmittag war das Comeback von Franck Ribery - nach 269 Tagen. „Wenige Schritte für die Menschheit, große für Franck Ribery“, berichtete das ZDF-Sportstudio. Er belohnte dies immerhin mit dem Treffer zum 1:3 Endstand. Für den Rekordmeister ein seltenes Gefühl.

Dortmund zieht nach und lauert, Hitz ärgert KölnIm Top-Spiel am Samstagabend nutze Borussia Dortmund beim VfL Wolfsburg die Chance, wieder auf fünf Punkte an die Bayern heranzurücken und vertagte die Herbstmeisterschaft damit erneut. Der BVB führte durch einen Treffer von Marco Reus lange mit 1:0. Durch einen von Lukasz Piszczek verursachten Elfmeter glichen die Wölfe in der der ersten Minute der Nachspielzeit aus. Doch erst dann begann der eigentliche Wahnsinn: Shinji Kagawa erzielte kurz vor Schluss (90.+3) die erneute Führung, zum 2:1-Endstand für den BVB. „ Das fühlt sich unglaublich gut an“, sagte Sven Bender bei Sky. Und wer war maßgeblich an der Vorbereitung des Treffers beteiligt? Der Elfmetersünder Piszczek, dem nach Abpfiff wohl ein Stein vom Herzen gefallen sein dürfte.

Einige Aufreger gab es auch im Spiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Augsburg. Es war ein Spiel mit vielen Höhepunkten, dass die Zuschauer lange auf einen Treffer warten ließ. Doch dann kam Philipp Hosiner im Strafraum der Gäste zu Fall. „Wir finden kein Foul an Hosiner“, kommentierte ARD-Kommentator Steffen Simon die Szene und fügte anschließend die Formulierung einer „groben Unsportlichkeit“ hinzu. Und das aus ersichtlichem Grund: Kurz bevor FC-Stürmer Anthony Modeste zum Elfmeter antrat, zertörte Keeper Hitz mit seinen Stollen den Rasen am Elfmeterpunkt. Genau an der Stelle, wo Modeste Sekunden später durch einen Ausrutscher zu Fall kam und den Ball nicht im Tor unterbringen konnte. Der Torhüter wies im Anschluss an das Spiel im Interview mit der Sportschau darauf hin, dass er zuvor nie einen Elfmeter halten konnte, gab sich aber immerhin ehrlich: „Fair Play ist anders, ja.“

Sky-Experte Berti Vogts forderte während der Nachberichterstattung, dass Hitz 50.000 Euro für die Aktion „Ein Herz für Kinder“ spenden solle. FCA-Trainer Markus Weinzierl wies allerdings auch auf die Entstehung des Elfmeters hin: „Die Aktion zuvor war eine Schwalbe.“ Und dennoch hielt Hitz auch mit seinen glänzenden Paraden die Null fest. Und als wäre das nicht alles schon kurios genug gewesen, erzielten die Gästen den entscheidenden Treffer durch einen Freistoß, der nicht hätte gegeben werden dürfen. Im ZDF-Sportstudio gestand Schiedsrichter Daniel Siebert die Fehlentscheidungen offen ein. Steffen Simon fasste es zusammen: „Was für ein Spiel in Köln Müngersdorf.“

Atemberaubende Choreo und Last-Second-TorBereits am Freitagabend traf der FC Schalke 04 auf Hannover 96 und siegte im Flutlichtspiel verdient mit 3:1. Mit einer sehenswerten Choreografie starteten die Königsblauen in den auch sportlich erfolgreichen Abend. Neben den in Gelsenkirchen gebliebenen drei Punkten, lobte S04-Trainer Andre Breitenreiter auch die Fußballromantik der Knappen: „Das setzt in meinen Augen neue Maßstäbe, was das Thema Choreografien angeht.“

Auch nach dem 15. Spieltag hält die TSG 1899 Hoffenheim die Rote Laterne in der Hand. Die Schlussphase beim Spiel in Ingolstadt könnte den Kraichgauern aber neuen Mut verschaffen. In der sechsten Minute der Nachspielzeit glich Mark Uth zum späten 1:1 aus. Damit gelang der TSG auch im fünften Spiel unter Huub Stevens kein Sieg. Der VfB Stuttgart konnte sich ebenfalls nicht wirklich befreien und kam am Sonntag nicht über ein 1:1 gegen den SV Werder Bremen hinaus. VfB-Interimstrainer Jürgen Kramny bestätigte allerdings bereits, dass er auch im Spiel gegen Mainz mit dabei sei.

Zum Abschluss des Spieltags setzte der SV Darmstadt 98 seine erstaunliche Erfolgsgeschichte fort. Im ersten Spiel nach 33 Jahren gewannen die Lilien im Hessen-Duell durch ein Tor von Kapitän Aytac Sulu gegen die Nachbarn aus Frankfurt. Seitens der Eintracht kam es nach dem Spiel zu Fan-Ausschreitungen. „Wer den Fußball liebt, der verzichtet auf solche Aktionen. Wir müssen an die Mehrheit appellieren, dass sich die Vernunft durchsetzt“, äußerte sich Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen (Kicker). Darmstadts Trainer Dirk Schuster lobte die sportliche Leistung seiner Lilien: „Wir sind alle mächtig stolz und sehr glücklich, dass wir dieses Derby für uns entschieden haben. Bei dieser aufgeheizten Stimmung auf den Rängen und dem Feld, haben wir uns sehr gut aus der Affäre gezogen und nicht unverdient gewonnen“, so Schuster nach dem Spiel bei Sky. Ein besseres Geschenk als die drei Punkte hätte der Nikolaus den Darmstädtern wohl nicht bescheren können.