Wegen Corona-Epidemie Ungewisse Zukunft: Millionen-Risiko beeinträchtigt Bayern-Planungen

Von dpa

Bayerns Vorstandvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge (l) und Vorstandsmitglied Oliver Kahn haben viele offene Fragen in Sachen Transferpolitik des Rekordmeisters. Foto: imago images / Sven SimonBayerns Vorstandvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge (l) und Vorstandsmitglied Oliver Kahn haben viele offene Fragen in Sachen Transferpolitik des Rekordmeisters. Foto: imago images / Sven Simon
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München. Die Bundesligaclubs ächzen unter den wirtschaftlichen Konsequenzen der Corona-Krise - auch Krösus FC Bayern.

Die Ansage von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge in der Corona-Krise war unmissverständlich. Der Bundesliga-Krösus aus München hat das Thema Neuzugänge vorerst auf "Hold" gestellt. Es geht in wirtschaftlich unsicheren Zeiten für den Profi-Fußball auch beim deutschen Rekordmeister nicht mehr vordringlich um neue Stars wie den Leverkusener Kai Havertz oder Leroy Sané von Manchester City.

Transfermarkt: Preisverfall erwartet

Auf dem Transfermarkt wird mit einem massiven Preisverfall gerechnet, gerade Einkäufer warten ab. Beim FC Bayern genießt laut Vorstandschef Rummenigge fürs Erste der Bestandsschutz Priorität, also Gespräche mit Akteuren wie Manuel Neuer (34), David Alaba (27), Thomas Müller (30) oder Thiago (28), deren Verträge 2021 auslaufen. Auch in München muss in Krisenzeiten noch etwas genauer aufs Geld geschaut werden.

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Der Leverkusener Kai Havertz ist aktuell wohl der begehrteste deutsche Fußballer auf dem Transfermarkt. Foto: imago images/Laci Perenyi

Ein hoher zweistelliger Millionenbetrag lässt sich hochrechnen, der den Bayern in der unterbrochenen Spielzeit 2019/20 entgehen könnte. Viel Geld stehe "im Feuer", wie es Rummenigge bei einer möglichen Verlustrechnung für die gesamte Bundesliga ausgedrückt hatte.

Bayern-Präsident Hainer: "Weniger Einnahmen, weniger Ausgaben"

"Wenn weniger Einnahmen da sind, dann kann auch nicht mehr so viel Geld ausgegeben werden", sagte vor wenigen Tagen Herbert Hainer. Der Vereinspräsident kennt sich als Ex-Chef des DAX-Konzerns Adidas mit Bilanzen und Business-Plänen aus. Der 65-Jährige bezeichnete die aktuelle Krisenlage als "wirtschaftliche Herausforderung für uns".

Beim Kassensturz im Sommer werden etliche Millionen fehlen, selbst wenn wenigstens Geisterspiele im Mai oder Juni Realität werden sollten. Auch dann würden "enorme Einnahmen" wegbrechen, sagte Hainer. Eine mit 75 000 Zuschauern vollbesetzte Allianz Arena bedeutet Einnahmen von über 2,5 Millionen Euro pro Spiel aus dem Verkauf der Eintrittskarten und dem Konsum der Fans im Stadion. Mindestens sechs (Geister-)Heimspiele stehen für den FC Bayern in Bundesliga, Pokal und Champions League noch aus, maximal acht.

Letzte Abschlagszahlung aus TV-Vertrag steht auf dem Spiel

Am wichtigsten ist die Auszahlung der vierten und letzten Abschlagszahlung aus dem nationalen TV-Vertrag. Sie erfolgt nur, wenn der Ball in der Bundesliga wieder rollt. Für den FC Bayern, der am meisten kassiert, geht es dabei um 34,84 Millionen Euro. Beim Aufsteiger SC Paderborn, der von allen 18 Vereinen am wenigsten bekommt, beträgt die finale TV-Tranche 8,26 Millionen Euro.

In der Champions League haben die Bayern im laufenden Wettbewerb 74,19 Millionen aus dem UEFA-Prämientopf geschöpft. Weitere 10,5 Millionen würden für den Viertelfinaleinzug fließen, der nach dem 3:0 im Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Chelsea als Formsache erschien.

Weitere zwölf Millionen würde eine Halbfinal-Teilnahme bringen, sogar 19 Millionen ein möglicher Triumph im Endspiel. Anhängig von einer Saisonfortsetzung und sportlichen Erfolgen sind auch Ausschüttungen der Sponsoren. Fast 200 Millionen Euro erzielte der Rekordmeister in der Double-Saison 2018/19 mit Sponsoring und Vermarktung.

Wegen Coronavirus noch große Ungewissheit

Erst in einigen Wochen oder Monaten werden die Vereine wohl genau wissen, wann es Licht am Ende des Corona-Tunnels gibt. Dann können Budgets und Investitionen wieder konkreter kalkuliert und geplant werden. "Sowohl die Ablösesummen als auch die Gehälter werden jetzt erstmal von allen Vereinen in ganz Europa neu überprüft werden. Angebot und Nachfrage werden den Markt regulieren und justieren", sagte Rummenigge den Tageszeitungen "tz" und "Münchner Merkur".

Hoeneß-Nachfolger Hainer gewinnt dem unvermeidlichen Corona-Crash im Fußball-Business aber auch etwas Positives ab: "Ich wünsche mir, dass gerade auf dem Transfermarkt wieder eine gewisse Vernunft einzieht."


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