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Länderspiel wieder nicht ausverkauft Deutschland gegen Weißrussland: Warum bekommt der DFB das Stadion nicht mehr voll?

Leere Ränge bei Spielen der DFB-Elf sind keine Seltenheit: Während der Partie zwischen Deutschland gegen Argentinien in Dortmund blieb rund ein Drittel des Signal-Iduna-Parks unbesetzt. Foto: imago images/Jan HuebnerLeere Ränge bei Spielen der DFB-Elf sind keine Seltenheit: Während der Partie zwischen Deutschland gegen Argentinien in Dortmund blieb rund ein Drittel des Signal-Iduna-Parks unbesetzt. Foto: imago images/Jan Huebner
imago images/Jan Huebner

Mönchengladbach. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist schon längst kein Zuschauermagnet mehr. Das spürt der DFB deutlich vor dem Spiel gegen Weißrussland am Samstag.

Bis Freitagmittag waren nur rund 30.000 Tickets für das Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Weißrussland am Samstag in Mönchengladbach verkauft. Der Borussia-Park bietet bei internationalen Partien Platz für 45.000 Zuschauer. Beim Spiel in Frankfurt gegen Nordirland am Dienstag sind bislang nur 37.000 von insgesamt 49.000 Tickets über die Ladentheke gegangen. Wieder einmal werden viele Plätze leer bleiben, wenn die DFB-Elf aufläuft. Doch wieso bekommt der Verband das Stadion nicht mehr voll?

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Die Nummer eins der DFB-Elf, Manuel Neuer, kennt Gründe für das Fernbleiben der Fans. "Die Anstoßzeiten sind wieder sehr spät, im November ist das Wetter in Deutschland nicht optimal und bei allem Respekt: Wir spielen nicht gegen Mannschaften, bei denen man erwarten kann, dass jeder ins Stadion kommt." Für die Temperaturen –  vier Grad werden in Mönchengladbach erwartet – und den Gegner ist der DFB tatsächlich nicht verantwortlich. Das Problem der Anstoßzeiten ist jedoch hausgemacht.

Für Familien ein teurer Spaß

Anpfiff ist um 20.45 Uhr. Für Familien mit Kindern eine problematische Zeit. Auch die Preise machen einen Familienausflug ins Stadion zu einem teuren Spaß: 25 Euro kosten Tickets in der Kurve, auf der Haupttribüne werden 60 bis 80 Euro fällig. Kinder kommen für zehn Euro ins Stadion. Und das für ein Spiel gegen eine Mannschaft wie Weißrussland, die keinen Star in ihren Reihen hat. 

"Man muss zusehen, dass der Fußball immer das bleibt, was er ist: ein Volkssport", betonte Bayern-Star Leon Goretzka auf der Pressekonferenz am Mittwoch. Tatsächlich sucht der DFB die Nähe zum Fan, die Bemühungen sind da. So besuchten jetzt die Nationalspieler Serge Gnabry, Bernd Leno, Lukas Klostermann, Suat Serdar und Luca Waldschmidt eine Grundschule in Düsseldorf:

Diese Bemühungen sind auch zwingend erforderlich. Die Fan-Euphorie ist nach dem WM-Titel 2014 gering. Schwer in der Fangunst eingebüßt hat der DFB bei der WM 2018 das lag nicht nur an der Leistung auf dem Platz. Fehltritte wie der stark kritisierte Auftritt der Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan sowie der medienwirksame Rücktritt Özils aus der Nationalmannschaft mitsamt Rassismus-Vorwürfen taten neben dem miserablen Abschneiden auf dem Platz ihr Übriges.

Übersättigung im Fußball

Einen weiteren Grund, den Neuer im Zusammenhang mit der Zuschauer-Debatte ausmachte, ist die Übersättigung im Fußball. "Durch die Nations League sind es immer mehr Spiele geworden. Du wirst als Fan mit Fußballspielen befeuert. Das ist der Unterschied zu früher", sagte Neuer. Die DFB-Elf absolvierte in diesem Jahr zehn Spiele, in 2018 waren es aufgrund der WM in Russland 13.

Kurios: Die Stadionauslastung bei Heimspielen der deutschen Nationalmannschaft beträgt weiter 94 Prozent. Partien wie gegen Spanien (in Düsseldorf), Brasilien (in Berlin), Frankreich (in München) und den Niederlanden (in Gelsenkirchen und Hamburg) spielten natürlich positiv in die Statistik. DFB-Manager Oliver Bierhoff sei angesichts dieser Bilanz "sehr zufrieden und dankbar". Was Bierhoff jedoch verschwieg: Die Statistik wird durch Spiele in kleinen Stadien wie Wolfsburg (gegen Serbien) und Mainz (gegen Estland) geschönt.


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