Die Überraschung Hugo Dausmann Als Borussia Mönchengladbach 0:7 gegen Werder Bremen unterging

Von Udo Muras

Vier Tore erzielte Hugo Dausmann (Nummer 9) mit Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach beim 0:7 Dausmann. Foto: HorstmuellerVier Tore erzielte Hugo Dausmann (Nummer 9) mit Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach beim 0:7 Dausmann. Foto: Horstmueller

Osnabrück. Als Tabellenführer geht Borussia Mönchengladbach am Sonntag (13.30 Uhr) ins Heimspiel gegen Werder Bremen. Das erlebten die Fans der Borussia zuletzt im Meisterjahr 1977. Nun blühen sie wieder, die Titelträume der Borussen. Niemand rechnet damit, dass passiert, was beim ersten Treffern dieser Klub passierte.

Am 30. April 1966, Borussia spielte ihre allererste Bundesliga-Saison, kamen die Bremer als amtierender Meister in das Stadion am Bökelberg, das bis 2003 Heimat der Borussen war. An diesem Tag wurde Geschichte geschrieben, denn es gab ein Ergebnis das für beide Klubs bis heute Rekordstatus hat. Wesentlich beteiligt daran war ein Mann, den heute keiner mehr kennt und der in der Bundesliga nie wieder so gut gespielt hat wie an diesem Tag. Die Rede ist von einem 0:7 und von Hugo Dausmann, dem Bremer Stürmer, dem vier Tore gelangen.

Hugo Dausmann (SV Werder Bremen) Foto: imago images/Schumann

Wir erreichen Dausmann, heute 77, in seinem Heimatort Münchweiler an der Rodalb bei Pirmasens. Ziemlich weit weg von Bremen, aber Dausmann gehört eben zu den heimatverbundenen Menschen. Von Münchweiler ging er als junger Mann zum benachbarten FK Pirmasens, den 1962 der legendäre Dortmunder Meisterspieler Adi Preißler trainierte. Dabei hätte er auch zum großen 1. FC Kaiserslautern gehen können, denn eines schönen Tages saß Fritz Walter im Wohnzimmer seiner Eltern und wollte den damals 18-Jährigen auf den Betzenberg locken. 

Dausmann fühlte sich geschmeichelt, wählte aber den nächst liegenden Spitzenklub, allein schon weil er noch keinen Führerschein hatte. Nach 48 Toren in drei Jahren Pirmasens lockte ihn 1965 dann kein Geringerer als der Deutsche Meister Werder Bremen und nun schlug er ein. Privat fühlte er sich wohl in Bremen, aber der neue Trainer Günter Brocker stand nicht so auf ihn, erzählt Dausmann heute. „Er hat mich als unsolide hingestellt, nur weil wir Junggesellen im Team ab und zu ein Bierchen getrunken haben. Er hat uns sogar nachspioniert.“ 

So blieb für Dausmann meist nur die Reservistenrolle im Meister-Kader und das war 1965/66 noch schlimmer als heute, gewechselt werden durfte nicht. Am 31. Spieltag aber durfte er wieder einmal auflaufen und das sollte Folgen haben. „Dausmann narrte die ganze Abwehr“, titelte der Kicker nach einem Spiel für die Vereinschronik. Zur Pause führte Werder nur 1:0, aber in den letzten 25 Minuten kamen noch sechs Tore hinzu. Viermal trug sich Dausmann in die Torschützenliste ein, zweimal nach einem Solo. „Das war meine Stärke. Schnelligkeit, Dribbling und kurze Ballführung.“ 

Die Mannschaft von Werder Bremen in der Saison 1965/66 mit Hugo Dausmann (dritter von links. Foto: imago images /Werner Otto

Auch Arnold „Pico“ Schütz, Diethelm Ferner und Horst-Dieter Höttges überwanden Borussen-Keeper Manfred Orzessek, der beim Stand von 0:3 einem Ordner zuraunte: „Heute kriegen wir sechs.“ Knapp daneben. Das 0:7 ist bis heute die höchste Mönchengladbacher Bundesligapleite (2010 in Stuttgart wurde sie eingestellt), Werder wiederum hat auswärts nie mehr höher gewonnen. 

Wie kam es zum 0:7? Borussias Regisseur Günter Netzer taumelte nach einem Zusammenprall mit Sepp Piontek und der daraus resultierenden Gehirnerschütterung als Statist übers Feld, man war quasi 60 Minuten in Unterzahl. Und Borussen-Trainer Hennes Weisweiler gab zu: „Wir sind mit den Kräften am Ende. Die Saison ist schon zu lang für uns.“ Die Bremer aber, das glaubt Dausmann noch zu wissen, freuten sich über 800 DM Siegprämie und haben nach der Rückkehr „noch einen getrunken.“ Trotz der vier Tore von insgesamt fünf blieb ihm der Durchbruch verwehrt und nach einem Jahr kehrte er zurück nach Pirmasens, „die haben sogar mehr bezahlt als Werder.“ Was Dausmann nicht davon abhält, heute noch seinem Ex-Klub die Daumen zu drücken. 


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