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Instagram-Likes für militärischen Salut-Jubel Wirbel um Can und Gündogan: So reagiert Bundestrainer Löw

Spieler der türkischen Nationalmannschaft salutieren nach dem 1:0 gegen Albanien. Foto: imago images/Depo Photos/Mahmut Burak BurkukSpieler der türkischen Nationalmannschaft salutieren nach dem 1:0 gegen Albanien. Foto: imago images/Depo Photos/Mahmut Burak Burkuk

Istanbul. Im EM-Qualifikationsspiel gegen Albanien machen einige türkische Spieler einen Militärgruß. Es drohen Konsequenzen. Die deutschen Nationalspieler Emre Can und Ilkay Gündogan likten den Gruß bei Instagram.

In den letzten Spielsekunden entschied Cenk Tosun das Spiel für die türkische Mannschaft. Der 28-jährige Stürmer traf in der 90. Minute zum 1:0-Sieg gegen Albanien. Damit ist die türkische Nationalmannschaft mit 18 Punkten weitherhin Spitzenreiter der Gruppe H.

Doch der Jubel einiger Spieler, den Torschützen eingeschlossen, könnte nun Konsequenzen haben – sofern die Uefa ihn als Solidaritätsbekundung mit der in dieser Woche gestarteten Militäroffensive der Türkei auf die Kurdengebiete in Nordsyrien wertet. Die Spieler stellten sich aufrecht in Reih und Glied vor der Ehrentribüne des Stadions auf und salutierten.

Spieler der türkischen Nationalmannschaft nach dem 1:0 gegen Albanien. Foto: imago images/Depo Photos/Mahmut Burak Burkuk

Politische Botschaften jedoch sind den Spielern durch die Uefa ausdrücklich untersagt, weshalb die Geste sanktioniert werden könnte. Philip Townsend von der Uefa sagte zur "Bild"-Zeitung: "Ich persönlich habe die Geste nicht gesehen. Nichtsdestotrotz könnte es eine Provokation gewesen sein. Verbietet die Uefa-Verordnung politische und religiöse Botschaften? Ja, und ich kann garantieren, dass wir die Situation untersuchen werden."

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Gündogan und Can liken das Foto bei Instagram

Am Sonntag, kurz vor dem EM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Estland, wurde bekannt, dass Ilkay Gündogan und Emre Can ein Foto mit dem kritisierten Jubel geliked haben. Ihr Fußballer-Kollege Cenk Tosun, der wie Can und Gündogan türkische Wurzeln hat und als Fußballer von Deutschland nach England gewechselt ist, postete ein Foto des Jubels in dem Sozialen Netzwerk. Can und Gündogan drückten auf "gefällt mir". Das meldete die "Bild"-Zeitung.

Die deutschen Nationalspieler machten ihr "Gefällt mir" kurz darauf rückgängig. "Glauben Sie mir: nach dem letzten Jahr ist das Letzte, was ich wollte, ein politisches Statement zu setzen", ließ der 28 Jahre alte Gündogan kurz vor seinem Startelf-Einsatz im EM-Qualifikationsspiel in Estland am Sonntagabend mitteilen. 

Der "Bild"-Zeitung sagte Can: "Ich habe den Post von Tosun, den ich schon lange kenne, beim Scrollen geliked, ohne jegliche Intention und auf den Inhalt zu achten. Ich bin ein absoluter Pazifist und gegen jede Art von Krieg."

Gündogan gehörte zu den deutsche Fußballer mit türkischen Wurzeln, die sich zusammen vor der WM 2018 in London mit dem türkischen Präsidenten Erdogan hatten fotografieren lassen. Auch damals distanzierte sich  Gündogan nach öffentlicher Kritik. Anders als etwa Mesut Özil. 

Reaktionen von Löw und Bierhoff

Bundestrainer Joachim Löw sieht in der Zustimmung für den Salut-Torjubel türkischer Nationalspieler auf "keinen Fall ein politisches Statement" seiner Spieler Gündogan und Can. "Wer beide Spieler kennt, der weiß, dass sie gegen Terror, gegen Krieg sind", sagte der Bundestrainer: "Beide wollten dem Spieler, mit dem sie mal zusammengespielt haben, einfach nur gratulieren."

Löw hatte vor der Abfahrt von den Likes bei Instagram für das Foto erfahren. "Ich habe auch erfahren, dass beide sofort ihre Likes weggenommen haben. Das beste Statement hat Ilkay auf dem Platz gegeben mit seinem Spiel. Er hat die Mannschaft in Unterzahl hervorragend geführt im Mittelfeld."

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Auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff warb um Nachsicht mit Gündogan und Can: "Ich sehe es nach den Aussagen der Spieler nicht so kritisch." Beide hätten mit ihren Likes keine politischen Absichten verfolgt. "Dass das so eine Dimension annimmt, konnte keiner erwarten", meinte der 51-Jährige. Auch viele andere Spieler auf der Welt hätten das Foto gut gefunden, betonte Bierhoff: "Jetzt kann man ja nicht allen unterstellen, dass sie für Krieg und Terror sind." Es wäre an der Zeit, Gündogan und Can "einfach mal ein bisschen Vertrauen zu schenken und daraus nicht solche Geschichten zu machen".

Wirbel um Salut-Torjubel 

Auch Bundesligist Fortuna Düsseldorf schaltete sich in den Wirbel um den Salut-Torjubel ein. Die Fortuna-Profis Kaan Ayhan und Kenan Karaman beteuerten demnach in einem Gespräch mit dem Verein, die Gesten beim 1:0-Sieg gegen Albanien seien lediglich "Solidaritätsbekundung für Soldaten und ihre Angehörigen" gewesen. Direkt nach dem Siegtreffer auf dem Platz und später auch in der Kabine hatten türkische Spieler, darunter auch Ayhan (24) und Karaman (25), mit der Hand an der Stirn salutiert.

Der türkische Fußballverband teilte zu den Szenen nach dem Siegtreffer mit: „Die Fußballer haben dieses Tor mit dem Militärgruß den Soldaten geschenkt, die in der "Operation Friedensquelle" dienen." Der türkische Militäreinsatz hatte am Mittwoch begonnen und richtet sich gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien. Der Einsatz wurde international scharf kritisiert. 

Fans fordern Entlassung von Spieler

Erst vor wenigen Tagen hatte der FC-St-Pauli-Linksaußen Cenk Sahin Proteste unter den Fans ausgelöst. Sahin hatte in türkischer Sprache gepostet: "Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs und der Armeen. Unsere Gebete sind mit euch!". Der Verein distanzierte sich daraufhin von der Aussage Cenks und schrieb auf seiner Internetseite:

Der FC St. Pauli distanziert sich klar von dem Post und dem Inhalt, weil er mit den Werten des Vereins nicht vereinbar ist. Der Verein hat bereits mit dem Spieler gesprochen und arbeitet intern die Thematik auf. Solange die interne Aufarbeitung nicht abgeschlossen ist, wird sich der FC St. Pauli nicht weiter dazu äußern.Vereinshomepage FC St. Pauli

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