Vor Testspiel gegen Argentinien Spieler-Notstand beim DFB – Debütantenball statt Einspielen für die EM

Muss gegen Argentinien auf mehr als ein Dutzend Spieler verzichten: Bundestrainer Joachim Löw. Foto: imago images/Kirchner-MediaMuss gegen Argentinien auf mehr als ein Dutzend Spieler verzichten: Bundestrainer Joachim Löw. Foto: imago images/Kirchner-Media

Dortmund. Eigentlich wollte der Bundestrainer eine Stammelf etablieren: Nach zwölf Absagen muss er gegen Argentinien aber improvisieren.

Es sollte eine Art Standortbestimmung gegen einen internationalen Topgegner sein. Doch das Testspiel am Mittwochabend (20.45 Uhr/RTL) in Dortmund gegen den zweifachen Weltmeister Argentinien steht ganz im Zeichen einer noch nie dagewesenen Absagenflut deutscher Nationalspieler. Bundestrainer Joachim Löw muss gegen die Südamerikaner auf dreizehn (!) Spieler (Tah, Werner, Gündogan, Ginter, Sané, Rüdiger, Draxler, Kehrer, Goretzka, Schulz, Hector, Trapp, Kroos) verzichten. Löw gab bereits bekannt, dass in Dortmund der Herthaner Niklas Stark und Freiburgs Shootingstar Luca Waldschmidt ihr Debüt in der Nationalmannschaft geben werden. Anstatt sich mit einer Stammelf so langsam aber sicher für die EM 2020 einzuspielen, muss Löw so viel improvisieren, wie noch nie. 

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Auch Marco Reus droht noch auszufallen

Zuletzt mussten noch der Leipziger Timo Werner (grippaler Infekt), der Leverkusener Jonathan Tah (Erkältung) und Ilkay Gündogan von Manchester City (Muskelblessur) für die Partie am Mittwoch absagen. "So viel Absagen hat es in der Vergangenheit selten oder noch nie gegeben", bemerkte der Bundestrainer. Fraglich ist zudem der Einsatz von Marco Reus. Der 30 Jahre alte Dortmunder plagt sich mit Knieproblemen. "Es ist nichts Strukturelles und Bedenkliches. Er wird das Abschlusstraining mitmachen. Dann wird man sehen, ob es Sinn macht, ihn einzusetzen", erklärte Löw. Werner soll am Mittwoch in Dortmund anreisen und dann in die Vorbereitung auf das EM-Qualifikationsspiel am Sonntag in Tallinn gegen Estland einsteigen. Auch bei Gündogan hat Löw für Estland noch Hoffnungen. 

Bei der Neuauflage des WM-Endspiels von 2014 läuft erstmals eine deutsche Nationalelf ohne Weltmeister von Brasilien auf. Das gab es in den 64 Länderspielen seit dem 1:0 am 13. Juli 2014 nicht einmal.

"Jugend forscht" im Fokus 

Neben den Debütanten Stark und Waldschmidt wird sicherlich auch der Leverkusener Kai Havertz auf seine Einsatzminuten kommen. Auch Teamkollege Nadiem Amiri und selbst die Nachrücker Suat Serdar (Schalke 04) und Robin Koch (Freiburg) könnten erstmals im Nationaltrikot auflaufen. Im 21-Mann-Kader stehen derweil noch zwei Spieler, die älter als 30 Jahre alt sind, Manuel Neuer (33) und Marco Reus (30). Nur sechs Spieler sind über 25 Jahre alt. Vor allem in der Abwehr ist das DFB-Team nicht gerade mit übermäßig Länderspiel-Erfahrung ausgestattet. Die sechs etatmäßigen Verteidiger im Kader kommen auf insgesamt 38 Einsätze im Nationaltrikot, alleine 22 davon hat Abwehrchef Niklas Süle absolviert. 

Trotz aller Ausfälle will der Bundestrainer versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Eigentlich sollte sich mit Blick auf die EM 2020 langsam eine grobe Stammformation herauskristallisieren und einspielen. Bis zum Ende des Jahres stehen noch vier Partien auf dem Programm. Nach dem Test gegen Argentinien geht es am Sonntag in der EM-Quali gegen Estland. Zum Abschluss der Qualifikation treffen die Deutschen dann im November zuhause nochmal auf Weißrussland (in Mönchengladbach) und Nordirland (in Frankfurt). Sollte sich das DFB-Team für die EM qualifizieren, stünden Ende März eventuell noch zwei Testspieltermine auf dem Programm. 

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Argentinien tritt ohne gesperrten Lionel Messi an

"Im März hatten wir die Idee, diese Mannschaft häufig zusammenspielen zu lassen", merkte Löw an. Jetzt muss er improvisieren. "Es ist natürlich auch eine gute Geschichte zum Lernen gegen einen so renommierten Gegner", sagte Löw zum Spiel gegen die Argentinier, die ohne ihren gesperrten Topstar Lionel Messi antreten. "Argentinien ist schon ein starker Gegner, hat sein letztes Spiel gegen Mexiko 4:0 gewonnen", betonte Löw: "Da ist es wichtig, dass man drei, vier wichtige Punkte anspricht, die die Mannschaft umsetzen soll. Wie das dann funktioniert, muss man sehen."

mit dpa-Material


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