Hoffenheim-Sportdirektor im Interview Skurrile Vertragsklausel: Bundesliga-Spieler forderte Kochkurs für Ehefrau

Seit 2010 arbeitet Alexander Rosen bei der TSG Hoffenheim. Foto: imago images / eu-imagesSeit 2010 arbeitet Alexander Rosen bei der TSG Hoffenheim. Foto: imago images / eu-images

Sinsheim. Der Manager des Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim, Alexander Rosen, spricht im Interview über seine Aufgaben im Verein, die Transferphilosophie der TSG und erinnert sich eine lustige Vertragsklausel.

Eine Transferbilanz von 86,60 Millionen Euro verzeichnete der Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim im diesjährigen Sommertransferfenster. Für dieses Plus ist der TSG-Direktor Profifußball Alexander Rosen mitverantwortlich. Wieder einmal musste sein Verein namhafte Spieler wie Joelinton (Newcastle United), Kerem Demirbay (Bayer Leverkusen) oder Nico Schulz (Borussia Dortmund) abgeben.

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Dennoch schafft es der Verein aus dem Kraichgau Jahr für Jahr, eine konkurrenzfähige Mannschaft auf den Rasen zu bringen. Im Interview spricht Rosen über die Transferphilosophie der TSG, die horrenden Ablösesummen und seine Arbeit in Hoffenheim.

Herr Rosen, in der Sommer- und Winterpause müssen Sie aufgrund des offenen Transferfensters viel arbeiten. Wann hat man als Sportdirektor eines Bundesliga-Vereines mal Zeit wirklich abzuschalten und freizumachen?

Alexander Rosen: Es stimmt, dass in meiner Position vor allem in der Sommerpause in der Regel sehr viel zu tun ist, und die vor rund drei Wochen zu Ende gegangene Transferperiode war zweifellos außergewöhnlich und sehr herausfordernd. Aber natürlich ist es wichtig, dass man sich auch als Sportdirektor immer wieder Freiräume schafft, wobei Freimachen und Abschalten zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Es gibt unmittelbar nach Ende der Sommertransferperiode und in den Wochen, in denen die Bundesliga wegen der Länderspiele eine Pause macht, immer einmal die Gelegenheit, ein paar Tage raus zu kommen. Das bedeutet allerdings nicht, dass man komplett abschaltet. Das Handy bleibt an und deshalb ist man selbst auch meistens auf Stand-by.

Rosens ständiger Begleiter ist das Handy. Foto: imago images/Sven Simon

Sie haben Ihren Vertrag als Direktor Profifußball unlängst bis Juni 2023 verlängert. Wie wichtig ist Kontinuität auf so einem Posten im Profifußball? 

Ihre Frage zeigt ja schon, dass auch Sie diese Kontinuität als wichtig empfinden. Gerade in einem Klub mit den Strukturen wie sie die TSG Hoffenheim hat, ist Verlässlichkeit, Vertrauen und eine umfassende Kenntnis der Abläufe auf allen Ebenen enorm wichtig. Wir müssen strategisch agieren, mit Weitsicht und Ruhe, immer mit dem Blick auf unsere Philosophie, der wir uns hier verpflichtet fühlen und die uns zu den Erfolgen geführt hat, die wir in den vergangenen Jahren feiern durften. Gleichwohl ist es auch immer bedeutsam, neuen Input zu bekommen, innovativ zu denken, für Einflüsse von außen offen zu sein und nicht betriebsblind zu werden.

Als Direktor Profifußball sind Sie vor allem auch für die Transfergeschäfte der TSG verantwortlich. Wie läuft ein "normaler" Wechsel eines Spielers ab?

Das kann man so pauschal nicht beantworten. Wir stehen pausenlos in Kontakt mit den diversen Marktteilnehmern. Auch der von uns definierte "interne Transfermarkt" muss sensibel behandelt werden, sodass wir jederzeit handlungsfähig sind. Dabei geht es vor allem um die Entwicklung von Talenten und die rechtzeitigen Verlängerungen von Spielern, denen man eine perspektivisch bedeutsame Rolle im Kader zuschreibt.

Sie können nicht überall gleichzeitig sein, um sich interessante Spieler anzuschauen. Wie viele Spiele und Spieler schauen sich Ihre Scouts an und zu welchem Zeitpunkt treten Sie dann für die finalen Verhandlungen in Erscheinung?

Richtig ist, dass ich nicht alles alleine machen kann und ein starkes Team an meiner Seite benötige. Unabhängig davon läuft fast jeder Transfer anders, sodass auch hier keine allgemeingültige Antwort gegeben werden kann. 

Aufgrund der heutigen Möglichkeiten ist nahezu der komplette Weltmarkt in Sachen Transfers oder Talentsichtung transparent.Alexander Rosen

Worauf legen Sie bei einem Transfer besonderen Wert? 

Auch da gibt es nicht DAS eine Attribut. Es muss passen, sportlich, menschlich und natürlich auch finanziell. Es gilt wie bei Vielem, was ich schon erklärt habe: Der Spieler muss in die Philosophie der TSG passen.

Julian Nagelsmann hat den Verein Richtung Leipzig verlassen. Mit Alfred Schreuder haben Sie zu dieser Saison einen neuen Trainer verpflichtet. In intensiv ist der Coach in die Kaderzusammensetzung und Transfers involviert?

Die Verpflichtung von Alfred wurde ja bereits im März dieses Jahres finalisiert, sodass er selbstverständlich zu jeder Zeit über die aktuellen Entwicklungen informiert wurde. Unabhängig davon ist es bei jedem Klub unabdingbar, dass die Kaderplanung eng mit dem jeweiligen Chef-Trainer abgestimmt wird. Alfred verfügt über viel Erfahrung, er hat ein großes Fachwissen und eine starke Ausstrahlung. Darüber hinaus kannte er die TSG schon aus seiner Zeit als Co-Trainer, sodass es ja nachgerade fahrlässig wäre, wenn wir auf diese Kompetenzen bei der Anbahnung von Transfers nicht zurückgreifen würden.

Trainer Alfred Schreuder war an der Transferplanung mitbeteiligt. Foto: imago images / Pressefoto Baumann

Trotz der hochkarätigen Abgänge der letzten Jahre hat es die TSG geschafft in der Bundesliga um die internationalen Plätze mitzuspielen. Welche Philosophie vertritt der Verein in Sachen Transfers? 

Es gibt Parameter, an denen wir uns orientieren wollen und müssen. Es freut uns aber natürlich, dass unsere Arbeit wahrgenommen und wertgeschätzt wird. Letztlich sind Transfers eine sensible Arbeit mit vielen Komponenten, die sich zu einer Entscheidung fügen.

Was war das Ungewöhnlichste, was ein Spieler bei Vertrags- oder Transfergesprächen von Ihnen gefordert hat? 

Diesbezüglich gab es bei uns in den vergangenen Jahren keine außergewöhnlichen Forderungen, über die ich an dieser Stelle berichten könnte. Aber wenn ich mich richtig erinnere, so hatte sich ein ehemaliger Mitspieler von mir bei Eintracht Frankfurt seinerzeit einmal einen Kochkurs für seine Frau vertraglich zusichern lassen. Ich habe den Vertrag natürlich nie gelesen und weiß nicht sicher, ob das auch wirklich stimmt, aber sollte es denn tatsächlich so gewesen sein, so würde ich diese Klausel zumindest der Kategorie "bemerkenswert" zuordnen (lacht).

Die Ablösesummen werden immer verrückter. Wie stehen Sie zu den erhöhten Transfersummen?

Seit der fast schon surreal erscheinenden Transfersumme beim Wechsel von Neymar, hat sich der Markt auf einem sehr hohen, teils nach wie vor unwirklichen Niveau stabilisiert. Wir stecken Teile der Transfererlöse in die Entwicklung des Klubs und in den Etat unseres Kaders, um begehrte Spieler länger binden zu können, anstatt uns an dieser Ausgebe-Maschinerie zu beteiligen und das wird auch in Zukunft so bleiben, da dieser Weg für uns alternativlos ist. Grundsätzlich muss die Fußballbranche als Ganzes aber aufpassen und das Rad darf nicht komplett überdreht werden. Die besonderen Emotionen dieses wunderbaren Sports dürfen niemals verloren gehen und durch eine reine Business-Fokussierung ersetzt werden, sonst entsteht eine immer größer werdende Distanz zu den Fans.

Das verstört die Menschen dann zurecht und es entfernt sie vom ursprünglichen Kern, nämlich dem Spiel an sich.Alexander Rosen über eine reine "Business-Fokussierung"

Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann bei einem größeren Club zu arbeiten, wo Geld weniger eine Rolle als bei der TSG spielt? 

Ich bin mit meinem Job hier sehr zufrieden. Ich darf hier in einem starken Team mit vielen Freiheiten gestalten und spüre großes Vertrauen. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mir diese Frage noch nie gestellt hätte. Ich würde noch mehr lügen, wenn ich behaupten würde, dass es keine anderen Optionen für mich gab. Mich würde natürlich irgendwann einmal reizen, in einem Klub zu arbeiten, der Jahr für Jahr um die großen Titel spielt. Es muss aber wirklich schon sehr viel passen, dass ich sagen würde: Das ist es jetzt für mich.


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