"Miro" – Ronald Rengs Buch ein Meisterwerk Kloses Auftrag: Sie müssen die Wahrheit erzählen können

71 Tore in 137 Länderspielen für Deutschland: Miroslav Klose ist der erfolgreichste Torschütze der DFB-Auswahl. Foto: dpa/Frederik von Erichsen71 Tore in 137 Länderspielen für Deutschland: Miroslav Klose ist der erfolgreichste Torschütze der DFB-Auswahl. Foto: dpa/Frederik von Erichsen

Osnabrück . Er wollte nie ein Star sein, er ist kein Glamour-Boy des grünen Rasens und erst recht keine jener Knall-Chargen, die mit flotten Sprüchen verblassenden Ruhm auffrischen. Miroslav Klose ist der, der nach Länderspielen still die schwarzen Hosen und die weißen Trikots trennte, um es dem Waschmann etwas leichter zu machen. Ronald Reng hat aufgeschrieben, wie ein Aussiedlerkind aus Polen zu einer Persönlichkeit des deutschen Fußballs wurde. "Miro" ist seit wenigen Tagen im Buchhandel erhältlich.

„Sie müssen die Wahrheit erzählen können, sonst hat das keinen Sinn.“ Mit diesem Satz von Miroslav Klose begann vor über drei Jahren die Arbeit von Ronald Reng. Seit ein paar Tagen liegt das Ergebnis vor. „Miro“ ist ein Meisterwerk.

Seit wenigen Tagen auf dem Markt: "Miro" von Ronald Reng. Foto: Piper

Es ist die Biographie eines Fußballers, der in vielerlei Hinsicht anders war als die meisten, mit denen er spielte. Klose ist der letzte deutsche Nationalspieler, der nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum ausgebildet wurde. Er spielte noch mit 22 bei den Amateuren und arbeitete als Zimmermann. Er trat ab als bester Torschütze in der Geschichte der Nationalmannschaft, er hat die meisten WM-Tore erzielt in der Geschichte des Fußballs und war nie ein Glamour-Boy.  

Miroslav Klose mit Ehefrau Sylwia und den beiden Kindern nach dem WM-Finale 2014 im Maracana-Stadion von Rio de Janeiro. Foto: Imago images/Laci Perenyi

Reng erzählt die Geschichte des Aussiedlerkindes, das mit der Familie aus Polen mit wenig mehr als nichts nach Deutschland kommt. Er hat mit den Zimmermännern gesprochen, mit denen Klose auf dem Dach stand, er hat die Jugendtrainer der SG Blaubach-Diedenkopf getroffen, Kloses Heimatverein. Und er hat bei Mitspielern des Weltmeisters nachgefragt, an die sich niemand erinnert, die aber umso Interessanteres zu sagen haben.  

Der Schritt in den Profifußball: Beim FC Homburg macht Miroslav Klose 1998/99 in der Regionalliga auf sich aufmerksam. Foto: imago images/Ferdi Hartung

Ronald Reng

Ronald Reng hat sich in den letzten 15 Jahren als Deutschlands herausragender Sportbuch-Autor profiliert. Insbesondere seine Biographie "Ein allzu kurzes Leben" über den Torwart Robert Enke, mit dem er befreundet war, wurde zu einem internationalen Bestseller und als einfühlsame Darstellung von der Kritik gewürdigt und ausgezeichnet. Enke war an Depression erkrankt und nahm sich 2009 das Leben. 
Reng arbeitete nach einem Studium an der Deutschen Journalistenschule in München als Sportjournalist. Sieben Mal wurden Reportagen aus seiner Feder mit dem Großen Preis des Verbandes Deutscher Sportjournalisten ausgezeichnet.
Der Durchbruch als Buchautor gelang ihm mit "Der Traumhüter". Darin beschreibt Reng die wundersame Karriere des deutschen Torwart-Talents Lars Leese, der in Deutschland den Sprung in den Profifußball verpasst und als Amateur im Westerwald kickt, ehe ihm der Zufall den Weg in die englische Premier League ebnet. 
Zu den weiteren hochgelobten und prämierten Sportbüchern Rengs gehören "Spieltage - die andere Geschichte der Bundesliga" (darin erzählt er die Geschichte der höchsten deutschen Spielklasse entlang des Lebens des ehemaligen Spielers und Trainers Heinz Höher) und "Mroskos Talente" (das verrüpckte Leben eines Fußballbesessenen, der als Scout und Berater versucht, seinen Platz in der Profibranche zu finden). 

Reng, der einst als Sportjournalist begann, ist auch als Autor ein Reporter geblieben. Er schaut hin, wo wenige hingeschaut haben, fragt nach, wo wenige gefragt haben. Er erzählt nicht nur von Klose, sondern vom Leben einer Aussiedlerfamilie, von Integration und von der Zeitenwende des deutschen Fußballs. Liebevoll nimmt er sich vieler Figuren an, jeder ist ein Teil des Mosaiks. So entfaltet sich die Poesie der Reportage, die sich keiner Heldenverehrung schuldig macht, nicht an der anekdotischen Oberfläche stecken bleibt und uns einen Menschen nahe bringt, der ein Weltklassefußballer wurde, ohne ein Star zu werden. 

Deutschlands profiliertester Sportbuch-Autor: Ronald Reng. Foto: imago images/Sven Simon

Da ähnelt er dem Autor, der mit klarer, unprätentiöser Sprache genau erzählt, ohne Pathos und Klischees, und damit tut, was er tun muss und tun will.


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